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Achtung im Umgang mit Anscheinswaffen

Obwohl das Führen von Anscheinswaffen außerhalb der eigenen vier Wände verboten ist, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Zum Beispiel, wenn Jugendliche öffentlich mit den täuschend echt aussehenden Nachbildungen hantieren. Die Folge sind oft gefährliche Situationen – für die Öffentlichkeit ebenso wie für den Träger der Waffe.

Waffenimitate haben in der Öffentlichkeit nichts verloren 

Polizeipistole Walther P 99 und ihre Nachbildung

© Wolfgang Dicke 

 

Obwohl das Führen von Anscheinswaffen außerhalb der eigenen vier Wände verboten ist, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Zum Beispiel, wenn Jugendliche öffentlich mit den täuschend echt aussehenden Nachbildungen hantieren. Die Folge sind oft gefährliche Situationen – für die Öffentlichkeit ebenso wie für den Träger der Waffe.

 

Erst kürzlich beobachteten zwei Jäger in Viersen, wie ein 17-Jähriger mit einem Gewehr durch ein Waldstück streifte. Unter vorgehaltener Waffe forderten sie ihn auf, sein Gewehr abzulegen. Glücklicherweise gehorchte der junge Mann sofort. Anschließend informierten die Jäger die Polizei, die den 17-Jährigen in Gewahrsam nahm und sein Gewehr sicherstellte. Dabei stellten sie fest, dass es sich nicht um eine echte Waffe, sondern lediglich um ein täuschend echt aussehendes Gewehr mit Zielfernrohr handelte. Der Jugendliche hatte es im Internet erworben. Nur einen Tag später sichtete ein Verkehrsteilnehmer in Lübeck einen 16-Jährigen mit einer Waffe in der Hand und benachrichtigte die Polizei. Auch in diesem Fall ging es um eine sogenannte Anscheinswaffe. 

Anscheinswaffen sehen echten Waffen täuschend ähnlich 

Wie der Name schon sagt, sehen Anscheinswaffen einer echten Waffe täuschend ähnlich. Nicht umsonst warnt die Polizei vor der Gefahr, die diese Imitate sowohl für den Träger als auch für andere in der Öffentlichkeit mit sich bringen. Für Außenstehende sind sie oft nicht als Nachbildungen erkennbar. Daher muss die Polizei bei Einsätzen zunächst davon ausgehen, dass es sich um echte und somit gefährliche Waffen handelt. Zum eigenen Schutz und zum Schutz der Bevölkerung werden die Beamten entsprechend reagieren. Solange nicht klar ist, wie gefährlich eine solche Waffe wirklich ist, kann die Polizei auch Spezialeinsatzkräfte einsetzen. 

Wolfgang Dicke

Ehrenamtlich Beauftragter der GdP für das Gebiet Waffenrecht- und technik, © GdP

Immer wieder tauchen in den Medien genau solche Fälle auf, in denen das Führen von Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit zu Gefahren geführt hat. „Das Problem ist jedoch nicht neu. Es besteht bereits seit mehreren Jahren“, weiß Wolfgang Dicke. Der ehemalige Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei GdP hat mit veranlasst, dass seit 2008 gemäß Paragraf 42 a Waffengesetz (WaffG) das Führen solcher Waffen in der Öffentlichkeit verboten ist. Und zwar im Interesse von Leben und Gesundheit aller Beteiligten. Daher warnt der heute ehrenamtlich Beauftragte der GdP ausdrücklich davor, mit Anscheinswaffen in der Öffentlichkeit spazieren zu gehen: „Das Gesetz ist in dieser Beziehung völlig klar. Auch wenn man die Imitate kauft, sind sie blickdicht verpackt zu transportieren.“ 

In der Vergangenheit hat es schon Tote gegeben 

Es gebe zum Beispiel Käufer, die waffentechnisch oder -historisch interessiert sind. Solange sie diese Imitate zu Hause haben, interessiere das die Öffentlichkeit und Polizei nicht. „Für die Polizei wird das Ganze nur relevant, wenn Leute damit in der Öffentlichkeit auftreten oder anderen Menschen damit Angst machen. Dann kommt es zu Verwechslungsgefahren. In der Vergangenheit hat es dabei schon Tote gegeben. Das ist kein theoretisches Thema über das wir hier reden.“ 

Auch Sportwaffen sind häufig für einen Laien nicht von Kriegswaffen zu unterscheiden. Entscheidend ist, dass sie in der Öffentlichkeit nichts verloren haben und das sei laut Dicke nicht der Fall: „Wenn der Schütze zum Schießstand geht, ist er gesetzlich dazu verpflichtet, die Waffe verschlossen in einem Waffenkoffer zu transportieren. Also sieht niemand, was darin ist.“ 

Wird jemand mit einer Anscheinswaffe in der Öffentlichkeit erwischt, muss er mit einem Bußgeld rechnen. „Wir haben uns gegen die Straftat und damit für das mildere Mittel, die Ordnungswidrigkeit, entschieden. Denn wir müssen davon ausgehen, dass es sehr viele Menschen gibt, die überhaupt nicht wissen, dass das öffentliche Führen von Anscheinswaffen verboten ist. Wenn das Führen der Waffen in der Öffentlichkeit als Straftat gelten würde, wäre ein 18-Jähriger möglicherweise für den Rest seines Lebens vorbestraft und das können wir nicht wollen“, so der Waffenexperte. 

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