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Bürgerwehren auf Einbrecherjagd

Ländliche Orte nahe der Autobahn sind oft Ziel von professionellen Einbrecherbanden. Um sich selbst zu schützen, formieren sich in manchen Dörfern und Kleinstädten Bürgerwehren. Was dürfen diese Gruppen eigentlich und wann sollte man besser die Polizei einschalten?

Eigenschutz, Jedermannsrecht und Selbstjustiz


Bürgerwehren bilden sich oft nach Einbrüchen zum Selbstschutz

© Andriy Solovyov/Fotolia

 

Ländliche Orte nahe der Autobahn sind oft Ziel von professionellen Einbrecherbanden. Um sich selbst zu schützen, formieren sich in manchen Dörfern und Kleinstädten Bürgerwehren. Was dürfen diese Gruppen eigentlich und wann sollte man besser die Polizei einschalten?

Warum entstehen Bürgerwehren?

Das Gros der heutigen Bürgerwehren ist aufgrund von Einbrüchen entstanden. Die Zahl der Einbruchdiebstähle steigt seit Jahren an. Oft sind professionelle Banden unterwegs, die schnell und gekonnt agieren. In den wenigsten Fällen können die Täter gefasst werden. Im Jahr 2013 lag die Aufklärungsquote bei rund 15 Prozent. In diesem Jahr hatte es in Deutschland über 149.000 Wohnungseinbruchdiebstähle gegeben. Innerhalb von 15 Jahren ist allerdings der Anteil vollendeter Fälle stetig gesunken. Die steigende Zahl „versuchter“ Einbrüche belegt das. Diesen Umstand führt die Polizei unter anderem auf verbesserte Sicherungsmaßnahmen zurück. Präventionsaktionen wie „Riegel vor“ helfen Bürgern dabei, ihre vier Wände bestmöglich vor Eindringlingen zu schützen. In den vergangenen Jahren haben sich dennoch vermehrt Menschen zusammengeschlossen, um ihr Eigentum zu bewachen.

Beispiele aus den Bundesländern

Meist kennen sich die zumeist jungen Männer bereits, weil sie gemeinsam in Vereinen sind, bei der Feuerwehr oder beim Rettungsdienst. In Radevormwald (NRW) haben Bewohner Ende 2013 online zusammengefunden und eine Bürgerstreife gegründet – nachdem es etliche Wohnungseinbrüche gegeben hatte. Ihr Motto lautet „Bürger für Bürger“. Im selben Jahr hat sich im Kreis Euskirchen der Junggesellenverein „Edelweiß Harzheim 1912“ nach einem Einbruch zu Überwachsungsrundgängen während der dunklen Jahreszeit entschlossen. Später haben sich auch Bürger der Eifeler Ortschaft Mechernich-Harzheim zu der Gruppe gesellt, um präventiv auf Streife zu gehen.

An der deutsch-polnischen Grenze haben sich ebenfalls Schutzpatrouillen gebildet. Hier steigt die Zahl der Diebstähle, während die Personaldecke der Polizei dünner wird. Fahrzeuge, Computer – hier wird einiges gestohlen. Und das regelmäßig. In Eisenhüttenstadt und Küstrin-Kietz (Brandenburg) kontrolliert jetzt die Bürgerwehr den Ort. Das sind zumeist junge Männer, ausgestattet mit Taschenlampen, Funk- und Nachtsichtgeräten, manche Gruppen sogar mit einheitlich beschrifteter Kleidung. Sie sind in Facebook-Gruppen organisiert und patrouillieren strategisch in verschiedenen Kleingruppen verteilt durch die Stadt.

In Südwestdeutschland haben Bürgerwehren eine lange Tradition. Viele entstanden im Zuge der Märzrevolution 1848. Diese verloren mit der Etablierung eines stehenden Heeres an Bedeutung – bis jetzt. In Freiamt (Baden-Württemberg) hat sich 2014 eine Gruppe junger Leute zu einer Bürgerwehr zusammengeschlossen. Zuvor hatte es in der Region in kürzester Zeit rund 50 Einbrüche gegeben. Die Bewohner waren verängstigt, fühlten sich unsicher. Die Mitglieder der Bürgerwehr begannen zu patrouillieren, auch nachts. Sie hielten Autos an, sprachen Menschen an, die nicht ortsansässig waren. Eine Diebesbande ging ihnen beim Anhalten eines Autos sogar ins Netz. Die ortsansässigen Polizeibeamten mahnten vor unkontrollierbaren Situationen. Es sei sinnvoller, zwar wachsam zu sein, aber der Polizei verdächtige Autos samt Kennzeichen zu melden. Das Stellen der Verdächtigen fällt eindeutig in das Ressort der Polizei und gehört nicht in den Aufgabenbereich von Laien.

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