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Rechtsextreme Hetze im Netz bekämpfen

Deutsche Rechtsextreme nutzen Soziale Medien, um ihre Botschaften im Internet zu verbreiten und sich für Gewalttaten zu verabreden. Ein bevorzugtes Ziel sind dabei Jugendliche. Zwei Vorgehensweisen lassen sich unterscheiden: Oft werden die rechtsextremen Parolen provozierend und offen kommuniziert, manche Rechtsradikale gehen aber auch subtiler vor.

jugendschutz.net erzielt Erfolge durch direkten Kontakt mit den Anbietern


Rechtsradikale nutzen die Sozialen Medien wie Facebook und Twitter besonders intensiv für ihre Zwecke.

© animaflora, fotolia

 

Deutsche Rechtsextreme nutzen Soziale Medien, um ihre Botschaften im Internet zu verbreiten und sich für Gewalttaten zu verabreden. Ein bevorzugtes Ziel sind dabei Jugendliche. Zwei Vorgehensweisen lassen sich unterscheiden: Oft werden die rechtsextremen Parolen provozierend und offen kommuniziert, manche Rechtsradikale gehen aber auch subtiler vor.

Rechtsradikale Veganer

So greifen junge Neonazis etwa unter dem Namen Balaclava-Küche (Balaclava = Sturmhaube) den Trend zu veganer Ernährung auf. Die vermummten Akteure geben in ihren selbst gedrehten Kochsendungen Tipps für gesunde Ernährung und bereiten vegane Gerichte zu. Die nationalsozialistische Ideologie taucht dabei nur in Anspielungen auf, beispielsweise über eingeblendete Symbole, Slogans auf der Kleidung oder Musik. „Mit stylischen und provozierenden Inhalten sprechen Rechtsextreme gezielt Jugendliche an“, berichtet Christiane Schneider, die Leiterin des Bereichs politischer Extremismus bei jugendschutz.net. „Beiträge im Social Web, die an Vorurteile und Ängste anknüpfen, erzielen große Reichweite, auch über Szenekreise hinaus.“ Ihre Institution durchforstet die Sozialen Medien wie Facebook, YouTube und Twitter, aber auch Instagram und Tumblr laufend nach rechtsextremistischen Inhalten. Mehr als 6.000 Fälle dokumentierte das Team im vergangenen Jahr. In jedem dritten Fall wurde dabei gegen den Jugendmedienschutz verstoßen. Die Ergebnisse ihrer Recherchen haben sie im aktuellen Bericht von jugendschutz.net zu Rechtsextremismus auf deutschsprachigen Webangeboten zusammengefasst. Ihr Fazit: In den Sozialen Medien ist blanker Hass gegen Flüchtlinge, Juden, Muslime, Homosexuelle oder Sinti und Roma alltägliche Realität.

jugendschutz.net ist seit 1997 ein wichtiger Akteur des Jugendschutzes im Internet. Die Beschäftigten des aus öffentlichen Mitteln finanzierten Büros in Mainz kombinieren Recherchen und Maßnahmen gegen Jugendschutzverstöße mit der Sensibilisierung von Anbietern, Eltern und Jugendlichen für Risiken. Einen Verdacht auf Verstoß gegen den Jugendschutz im Internet kann man jederzeit über die Webseite www.jugendschutz.net melden.

 

Rechte Verschwörungstheorien

Das Social Web ist ein sehr wichtiges Werkzeug für die Rechtsextremen, um ihr Publikum direkt zu erreichen – ohne den Umweg über Parteien oder Organisationen, stellen die Verfasser des Berichts fest: Die Extremisten nutzen im Vergleich zu früheren Jahren viel seltener Websites, sondern konzentrieren sich auf die Sozialen Medien. Oft setzen ihre Beiträge bei Ängsten oder Vorurteilen an und sprechen gezielt die Unzufriedenheit der anderen User an. So erhalten sie viele Likes und ihre Ideen werden weiterverbreitet. Auch Verschwörungstheorien von Rechtsextremen finden starke Verbreitung. Ein Beispiel ist das Facebook-Profil „Anonymous-Kollektiv“. Antisemitische und antiamerikanische Beiträge wurden dort weit über eine Million Mal geteilt, die Seite selbst hat mehr als 850.000 Likes, so der Jahresbericht von jugendschutz.net. Die Sozialen Medien werden aber auch für die interne Kommunikation genutzt: So organisierten sich etwa gewaltbereite Hooligans im Jahr 2014 gemeinsam mit Neonazis über die Sozialen Medien zu Demonstrationen unter dem Namen HoGeSa (Hooligans Gegen Salafisten). Nachdem es zu massiven Ausschreitungen und Gewaltausbrüchen gekommen war, wurde das im Nachhinein dort auch als Erfolg gefeiert.

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