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< Institutionen müssen sexuellem Missbrauch vorbeugen

Die Macht der Täter brechen

Vor dem Hintergrund aktueller Missbrauchsfälle hat die Bundesregierung im März 2010 die Einrichtung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ beschlossen. Eine tragende Rolle in diesem Gremium hatte Dr. Christine Bergmann. Die ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war als „Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs“ eingesetzt. Sie spricht über die Forderungen der Opfer und warum jeder einen Beitrag dazu leisten kann, sexuellen Missbrauch von Kindern zu verhindern.

Runder Tisch gegen sexuellen Missbrauch

Opfer von sexuellem Missbrauch vertrauen sich oft niemandem an

© Photosani, fotolia

 

Vor dem Hintergrund aktueller Missbrauchsfälle hat die Bundesregierung im März 2010 die Einrichtung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ beschlossen. Eine tragende Rolle in diesem Gremium hatte Dr. Christine Bergmann. Die ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war als „Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs“ eingesetzt. Sie spricht über die Forderungen der Opfer und warum jeder einen Beitrag dazu leisten kann, sexuellen Missbrauch von Kindern zu verhindern.

Frau Dr. Bergmann, Sie haben am Runden Tisch als unabhängige Beauftragte teilgenommen. Was genau war dabei Ihre Aufgabe? 

Der Runde Tisch hat etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Meine Aufgabe als unabhängige Beauftragte war es, Empfehlungen an die Bundesregierung und den Runden Tisch für immaterielle und materielle Hilfen für Betroffene auszusprechen. Die Botschaften und Anliegen der Betroffenen zu kennen, ist hierbei von zentraler Bedeutung.

Kontakt Unabhängiger Beauftragter zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs: 

Telefonische Anlaufstelle für Betroffene: 0800 22 55 530 (kostenfrei) Weitere Kontakt-möglichkeiten und Informationen: 
http://www.beauftragter-missbrauch.de

Dazu wurde eine Anlaufstelle für Opfer eingerichtet. Was für Menschen melden sich dort?

Die meisten Menschen, die sich bei uns melden, sind um die 50 Jahre alt, viele sogar weit älter. Die öffentliche Diskussion zum sexuellen Missbrauch, die durch das Bekanntwerden der vielen Missbrauchsfälle entstanden ist, führt dazu, dass immer mehr Menschen ihr Schweigen brechen. Es ist wichtig, dass das Thema aus der Tabuzone geholt wird und Täter nicht länger geschützt werden. Vor einiger Zeit hat uns ein 80-jähriger Mann angerufen, dessen Missbrauch 70 Jahre zurückliegt. Es ist schon erschütternd, wenn man sich überlegt, wie viele Menschen sich noch nie jemandem anvertraut und ein Leben lang mit dieser Last gelebt haben. Diejenigen, die es gewagt haben, sich jemandem anzuvertrauen, berichten uns oft, dass sie auf Unverständnis gestoßen sind oder dass man ihnen nicht geglaubt hat. Die Schweigekartelle haben gut funktioniert – ganz egal ob in Institutionen oder in Familien.

Dr. Christine Bergmann

© privat

Wie sind Sie persönlich mit den Schicksalen der Opfer in Berührung gekommen?

Betroffene, aber auch Angehörige oder Menschen, denen Missbrauch in ihrem privaten oder beruflichen Umfeld auffällt, können sich schriftlich oder telefonisch an uns wenden. Während ich die Briefe alle persönlich gelesen habe, sitzen an der telefonischen Anlaufstelle ausgebildete Fachkräfte aus dem Bereich der Sozialpädagogik, Psychologie oder Medizin, die über langjährige Erfahrung im Bereich sexueller Missbrauch verfügen. Alle Gespräche werden vertraulich und anonym entgegengenommen. Wenn die Anrufenden damit einverstanden sind, dokumentieren wir die Anliegen und Botschaften der Betroffenen anonym, damit ihre Erfahrungen und Aussagen in den gesellschaftlichen und politischen Prozess zur Prävention von sexuellem Missbrauch und für Hilfen für Betroffene einfließen können. Die Anrufenden können dadurch aktiv auf die politischen Entscheidungen einwirken. Wenn gewünscht, zeigen wir ihnen auch Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten in ihrer Nähe auf.

Was sind denn die Kernforderungen der Opfer?

Eigentlich alle fordern mehr Therapieplätze, kürzere Wartezeiten und speziell auf Missbrauch spezialisierte Therapeutinnen und Therapeuten. Auch die Beratungsstellen sind finanziell und personell völlig unterversorgt. Ein weiteres großes Thema sind die Verjährungsfristen und die Frage der Entschädigungen. Beides sind Themen, die auch der Runde Tisch intensiv diskutiert hat.

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