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Wirtschaftskriminalität in Zahlen

Zur Wirtschaftskriminalität zählen generell Straftaten, die Bezüge zur Wirtschaft haben. Dazu zählen beispielsweise Betrug, Unterschlagung, Korruption, Geldwäsche, Produktpiraterie, Insolvenzdelikte sowie Steuerstraftaten.

Hoher Anstieg der Schadenssumme im Jahr 2014

Wirtschaftskriminalität verursacht Schäden in Milliardenhöhe

© Wolfram Zummach, fotolia

 

Zur Wirtschaftskriminalität zählen generell Straftaten, die Bezüge zur Wirtschaft haben. Dazu zählen beispielsweise Betrug, Unterschlagung, Korruption, Geldwäsche, Produktpiraterie, Insolvenzdelikte sowie Steuerstraftaten.

 

Es gibt in Deutschland keine so genannte „Legaldefinition“ des Bereichs Wirtschaftskriminalität, das heißt, es gibt keine Definition eines Rechtsbegriffs in einem Gesetz. Die Polizei greift deshalb bei der Zuordnung der Straftaten zur Wirtschaftskriminalität auf den Katalog des §74c Abs.1 Nr. 1-6b des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) zurück. Im „Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2014“ stellt das Bundeskriminalamt die Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik und dem kriminalpolizeilichen Meldedienst zusammen. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 63.194 Fälle von Wirtschaftskriminalität registriert, das sind rund 12 Prozent weniger als im Vorjahr (2013: 71.663 Fälle). Die Anzahl der Tatverdächtigen lag bei 30.365 (2013: 31.459). Der Anteil der Wirtschaftskriminalität an den insgesamt bekannt gewordenen Straftaten betrug wie im Vorjahr rund ein Prozent. Im Jahr 2014 ist die Schadenssumme mit rund 4,64 Milliarden Euro um ganze 22 Prozent höher als im Vorjahr und liegt auch deutlich über dem Mittelwert der letzten fünf Jahre. Delikte der Wirtschaftskriminalität verursachten damit über die Hälfte des in der PKS ausgewiesenen Gesamtschadens in Höhe von rund 8,6 Milliarden Euro. Insolvenzstraftaten verzeichneten mit 1,94 Millionen Euro die höchste Schadenssumme.

Die polizeilichen Statistiken können das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt wiedergeben, da bestimmte Vergehen wie etwa Arbeitsdelikte oder Subventionsbetrug oft direkt von den Finanzbehörden oder der Staatsanwaltschaft ohne Beteiligung der Polizei bearbeitet werden. Diese Delikte tauchen dann in der polizeilichen Statistik nicht auf. Außerdem ist in manchen Bereichen der Wirtschaftskriminalität von einem hohen Dunkelfeld auszugehen, da die Opfer die Delikte nicht zur Anzeige bringen – beispielsweise wenn ein Unternehmen dadurch einen Imageverlust befürchtet. Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2014 bei 91 Prozent und ist damit deutlich höher als die durchschnittliche Aufklärungsquote bei der Gesamtkriminalität, die nur 55 Prozent beträgt.

Betrug trotz rückläufiger Zahlen an erster Stelle

Auffallend ist der deutliche Rückgang im Bereich der Wirtschaftskriminalität bei Betrug: Im Jahr 2014 wurden 31.830 Fälle registriert, das sind 6.527 (- 17 Prozent) weniger als im Jahr 2013. Im Bereich Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Kapitalanlagen ist hingegen ein deutlicher Anstieg (+ 17 Prozent) zu verzeichnen. Gleiches gilt auch für den Bereich der Anlage- und Finanzierungsdelikte (+ 14 Prozent).
Im Bereich des Abrechnungsbetrugs im Gesundheitswesen ist im Gegensatz zum Vorjahr ein Rückgang um 14 Prozent festzustellen.
In 10 Prozent der Fälle von Wirtschaftskriminalität wurde im Berichtsjahr das Internet genutzt. Die Anzahl der Fälle der Wirtschaftskriminalität unter Nutzung dieses Tatmittels ist im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant geblieben. Insgesamt ist jedoch ein deutlicher Rückgang innerhalb der letzten fünf Jahre zu erkennen.

Im Bereich „Arbeitsdelikte“ werden alle Deliktsformen zusammengefasst, die im Zusammenhang mit der Verletzung arbeitsrechtlicher Vorschriften stehen (Schwarzarbeit). Im Jahr 2014 wurden 9.376 Arbeitsdelikte registriert, was im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang von rund sechs Prozent ausmacht (2013: 10.041 Delikte). Hierbei handelt es sich nahezu ausschließlich um Fälle des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt (98 Prozent). Der statistisch erfasste Schaden liegt mit 71 Millionen Euro 27 Prozent über dem Vorjahreswert (56 Millionen Euro). Delikte zu Schwarzarbeit werden hauptsächlich von den Zollbehörden verfolgt und finden sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik daher nur zu einem Teil wieder. Diese spiegelt die Realität deshalb nur unzureichend wider.
Unlauterer Wettbewerb, Verstöße gegen Urheberrechtsbestimmungen sowie gegen das Wettbewerbsrecht gehören zu den Wettbewerbsdelikten. Im Jahr 2014 wurden 1.824 dieser Delikte erfasst, das ist ein Minus von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der registrierte Schaden. Der registrierte Schaden hingegen liegt trotz des Rückganges bei den Fällen wie im Vorjahr bei 5 Millionen Euro.

Mehr Infos finden Sie im Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2013 auf der Webseite des Bundeskriminalamts.

 

KL (28.08.2015)

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