< Telefonreanimation unterstützt Ersthelfer vor Ort

Unfall-Gaffer müssen mit Strafen rechnen

Szenen mit Schaulustigen, die verunglückte Personen nach Unfällen fotografieren und filmen, werden in Deutschland immer häufiger. Ein Beispiel: Im April 2016 wird ein zehnjähriges Mädchen in der Nähe des Hagener Hauptbahnhofs von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Innerhalb kurzer Zeit versammeln sich mehrere hundert Menschen, die das Ganze mit ihren Smartphones aufnehmen – und damit die Rettungskräfte massiv bei ihrer Arbeit behindern.

Zurschaustellung von Hilflosen ist eine Straftat

Ebenfalls verboten ist es nach Paragraf 201a Strafgesetzbuch (StGB), Menschen in ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich ohne ihre Einwilligung per Foto- oder Videoaufnahmen festzuhalten und hilflose Personen durch Fotos oder Videos zur Schau zu stellen. „Das heißt: Wenn ich Detailaufnahmen von Unfallorten mit verunglückten Personen mache, dann ist das eine Straftat“, betont Sascha Braun. Abgesehen von der Strafbarkeit sei es aber auch ganz einfach eine Frage der Ethik und des Anstands. Es sollte selbstverständlich sein, Rücksicht zu nehmen und Opfer nicht durch unverhohlenes Gaffen und die eigene Sensationsgier noch weiter zu belasten. „Man sollte sich einfach einmal in die Lage des Opfers versetzen. Möchte ich selbst in so einer Situation gefilmt werden und mich hinterher so auf YouTube wiederfinden? Was wäre, wenn mein eigenes Kind dort verletzt liegen würde? Möchte ich, dass es von Schaulustigen begafft und gefilmt wird? Wohl eher nicht. So weit wird aber nicht gedacht.“

Sascha Braun

Justiziar der GdP, © GdP

Unterlassene Hilfeleistung

Grundsätzlich ist jeder Mensch dazu verpflichtet, bei einem Notfall Erste Hilfe zu leisten. Das Mindeste ist, einen Notruf über die 112 zu tätigen und die Rettungskräfte zu informieren. Auch das Sichern der Unfallstelle und Wiederbelebungsmaßnahmen gehören ggf. dazu. „Bin ich der erste am Unfallort und fange erstmal an, Aufnahmen von der verletzten Person zu machen, weil ich die Bilder auf meinen Facebook-Account hochladen will, und unternehme ansonsten nichts, dann mache ich mich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar“, betont der GdP-Experte.

Filmende Gaffer anzeigen

Polizei und Rettungskräfte haben während ihrer wichtigen Arbeit am Unfallort meist anderes zu tun, als sich zusätzlich auch noch um die umstehenden Schaulustigen zu kümmern. Sascha Braun: „Ordnungswidrigkeiten werden oftmals nicht aufgenommen, weil die Polizei in dem Moment mit wichtigeren Dingen beschäftigt ist. Die meisten Menschen haben ein Gefühl dafür, wo sie stören – viele aber auch nicht. Oder es ist ihnen einfach egal, weil sie ihre individuellen Bedürfnisse vor alles andere setzen. Es macht einen fassungslos, womit man sich zum Teil vor Ort auseinandersetzen muss.“ Aufmerksame Passanten, denen aufdringliche und filmende Gaffer am Unfallort auffallen, können diese aber auch selbst bei der Polizei anzeigen. „Jeder Bürger ist frei darin, seiner Polizei einen solchen Sachverhalt mitzuteilen. Die Polizei wird sich dann im Anschluss darum kümmern“, betont der GdP-Experte.

SW (30.06.2016)

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