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Für mehr Sicherheit in Schulen

In der Vergangenheit kam es an deutschen Schulen immer wieder zu Amokläufen, die zahlreiche Todesopfer forderten. Infolgedessen wurde vor einiger Zeit ein polizeilicher Strategiewechsel vollzogen: Statt auf das Eintreffen von Spezialeinheiten zu warten, begeben sich alle im Umkreis befindenden Einsatzkräfte so schnell wie möglich an den Gefahrenort, um den Täter zu stellen und die Opfer zu schützen. Sascha Braun, Justiziar der Gewerkschaft der Polizei (GdP), erklärt, welchen Hintergrund diese Änderung hat und welche Maßnahmen Schulen präventiv ergreifen sollten.

Sascha Braun

Justiziar der Gewerkschaft der Polizei (GdP), © GdP

Hohe Anforderungen an die Einsatzkräfte

Die meist unklare Informationslage erschwert ein gezieltes Eingreifen beim Amoklauf. „Die Person, die die Polizei am Telefon über den Vorfall informiert, steht unter extremem Stress. Möglicherweise ist sie sogar selber verwundet“, erklärt der Experte. Daher wissen die Einsatzkräfte meist nur wenig darüber, welche Umstände sie im Schulgebäude erwarten. Was die Situation zudem erschwert: Häufig ist unklar, ob es sich wirklich um einen Amoklauf oder vielleicht sogar um eine Terrorlage handelt. Das stellt die Polizistinnen und Polizisten vor Ort vor eine besondere Herausforderung, denn das taktische Vorgehen ist in beiden Situationen unterschiedlich. Wie die Erfahrung zeigt, handelt es sich bei Amokläufen in Schulen meist um einen Einzeltäter, der im Besitz einer oder mehrerer Pistolen ist. Während hier der schnelle Zugriff an erster Stelle steht, müssen die Beamten im Falle der Terrorlage davon ausgehen, dass sie selbst das erste Ziel der Terroristen sind. Sie müssen also noch mehr auf etwaige Angreifer, Deckung und Möglichkeiten der Eigensicherung suchen. Grund dafür ist, dass Terroristen meist zu mehreren agieren und in der Regel auch über Langwaffen, das heißt über Maschinengewehre und –pistolen, verfügen. Dadurch ist hier die Lebensgefahr für die Beamten noch deutlich höher, vor allem weil ihre Schutzkleidung solchen Kriegswaffen weniger standhalten kann als einem Schuss aus der Pistole. „Die richtige Strategie zu wählen, ist nicht gerade einfach“, merkt Braun an. In beiden Fällen kommt verstärkend hinzu, dass meist eine hohe Risikobereitschaft seitens des Täters besteht. „Diesem ist klar, dass er die Situation wahrscheinlich nicht überleben wird. Das macht es besonders gefährlich“, fügt der Experte hinzu. Um die Beamten bestmöglich auf extreme Gefahrensituationen wie Amokläufe vorzubereiten, werden sie bereits in der Polizeiausbildung geschult. In welchem Umfang ein solches Training auch im weiteren Berufsleben durchgeführt wird, hängt jedoch von den Kapazitäten der einzelnen Bundesländer ab. So kritisiert die Gewerkschaft der Polizei seit Jahren, dass die Schießausbildung bei der Polizei mit Ausnahme der Spezialeinheiten nicht ausreichend ist: „Das hat sowohl etwas mit den baulichen Kapazitäten zu tun, aber auch mit der Munition. Die ist relativ teuer.“ Die Position der GdP ist hier eindeutig: Wenn die Beamten die Schusswaffe beherrschen sollen, müssen sie dies regelmäßig trainieren.

Effektive Präventionsmaßnahmen in Schulen

Um im Fall des Falles angemessen reagieren zu können, sollten sich Schulen so gut wie möglich auf einen Amoklauf vorbereiten. Solche Situationen aktiv zu proben, hält Braun nur bedingt für sinnvoll, da vor allem jüngere Schulkinder Realität und Übung oft nur schwer auseinanderhalten können. „Statt die Schülerinnen und Schüler zu verängstigen, sollte man das Lehrpersonal schulen, damit sie richtig reagieren“, so Braun. Der Rat des Justiziars: Jede Schule sollte ein individuelles Sicherheitskonzept ausarbeiten, das nach Möglichkeit sämtliche Teilbereiche von Gefährdungssituationen berücksichtigt. Dazu zählt auch, dass zwischen verschiedenen akustischen Alarmen unterschieden werden kann. „Bei einem Alarm geht es darum, dass die Lehrerinnen und Lehrer sofort erkennen, um welche Gefahr es sich handelt und entsprechend handeln“, so der Experte weiter. Auch eine Sprechanlage kann im Fall des Falles Leben retten. Denn über diese kann man das Lehrpersonal über ein Codewort informieren. Den Schulen rät Sascha Braun, in allen Räumen Türen einzubauen, die sich nur nach innen öffnen lassen. Dadurch ist es leichter, sich bei einer Amoklage im Klassenzimmer zu verbarrikadieren. Bei der Ausarbeitung des individuellen Sicherheitskonzepts sollten sich Schulen immer Unterstützung bei der Polizei suchen, merkt der Experte abschließend an: „Hier wird fachliche Hilfestellung gegeben. Das kann im Fall eines Amoklaufs Leben retten“.

MW (24.02.2017)

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