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Handy am Steuer

Aufs Handy geschaut, auf die Gegenfahrbahn gedriftet, schon ist es passiert – Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit geschehen schnell. Die Gefahr der Ablenkung, etwa durch Hantieren an technischen Geräten während der Fahrt, wird von Autofahrern leicht unterschätzt.

Unterschätzte Gefahr: Ablenkung von Fahrern durch technische Geräte

Telefonieren am Steuer kann zu Unfällen führen  

© grafikplusfoto, fotolia

 

Aufs Handy geschaut, auf die Gegenfahrbahn gedriftet, schon ist es passiert – Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit geschehen schnell. Die Gefahr der Ablenkung, etwa durch Hantieren an technischen Geräten während der Fahrt, wird von Autofahrern leicht unterschätzt.

Kölner Polizei zieht Handys ein 

In Großbritannien versucht man präventiv mit schockierenden Videos auf die Problematik „Handy am Steuer“ hinzuweisen. In der Stadtregion Köln und auf den Autobahnen des Regierungsbezirks verloren seit dem Jahr 2007 fünf Menschen ihr Leben bei Verkehrsunfällen, die nachweislich auf die Ablenkung desjenigen zurückzuführen sind, der den Unfall verursacht hat. Hinzu komme jedoch eine weitaus größere Anzahl weiterer Verkehrsunfälle, bei denen Ablenkung als Ursache nicht ausgeschlossen werden kann, so die Angaben der Polizei Köln. Und die Häufigkeit nimmt zu. 

„Die Polizei Köln stellt Mobiltelefone nach schweren Verkehrsunfällen als Beweismittel sicher, wenn eine Unfallursache nicht erkennbar ist und nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Ablenkung des Fahrzeugführers für den Unfall verantwortlich gewesen ist“, erklärt der Leitende Polizeidirektor Helmut Simon. 

Vermehrt unzulässige Smartphone-Nutzung 

Seit April 2008 führt die Polizei Köln regelmäßige, kontinuierliche Vergleichszählungen an sieben vorgegebenen Stellen im Stadtgebiet durch. Dabei wird die Häufigkeit unzulässiger Mobiltelefonnutzung durch Fahrzeugführer festgehalten, ohne dass diese es merken und ohne dass eine spätere Ahndung erfolgt. Die Erhebung belegt, dass die Anzahl unzulässiger Mobiltelefonnutzung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist. 

Jährlich stellt die Polizei Köln rund 10.000 folgenlose Verstöße fest, bei denen Kraftfahrzeug Führende ein Mobiltelefon während ihrer eigentlichen Tätigkeit, nämlich der Verkehrsteilnahme, unzulässig genutzt haben. Etwa 4.000 weitere Verstöße ohne Folgen werden pro Jahr auf den Bundesautobahnen im Kölner Bezirk festgestellt. 

Seit Beginn der Vergleichszählungen in den Kölner Stadtteilen vervierfachte sich die Zahl der Kraftfahrzeugführer, die während der Fahrt offenkundig ein Mobiltelefon genutzt haben: Die Quote stieg von zwölf auf bis zu 48 von tausend gezählten Kraftfahrzeugen an. Im Jahr 2013 nutzten im Schnitt 30 von 1.000 Fahrern unzulässig ein Mobiltelefon. Im selben Zeitraum (2008 bis 2013) stieg zudem die Anzahl aller Verkehrsunfälle, bei denen eine Ursache nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, von 5.000 auf 8.100 kontinuierlich an. 

Auswertung von Mobilfunkdaten nach Unfällen 

Die Polizei Köln stellt Mobiltelefone nach schweren Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten oder Getöteten grundsätzlich zur Beweissicherung sicher. Über eine tatsächliche Auswertung der sichergestellten Geräte und der vorhandenen Nutzungsdaten entscheidet die zuständige Staatsanwaltschaft

Dabei ist die Auswertung der Nutzungsdaten strikt von der Auswertung beim Mobilfunkprovider vorhandener Verbindungsdaten zu unterscheiden. Während letztere dem besonderen Schutz des Fernmeldegeheimnisses nach Artikel 10 des Grundgesetzes unterliegen, trifft dies für die auf dem Mobiltelefon selbst vorhandenen Informationen wie Anrufliste oder SMS-Posteingang nicht zu. Der Grund: Der dem gesetzlichen Schutz unterliegende Übertragungsvorgang der Daten ist hier bereits abgeschlossen. Die im Herrschaftsbereich des Kommunikationsteilnehmers gespeicherten Nutzungsdaten werden lediglich durch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung geschützt (Art. 2 Abs. 1 und Art 1 GG). 

Junge Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren lassen sich am Steuer deutlich öfter ablenken als ältere, besagt eine Studie

© lightpoet, fotolia

 

Handy, Navi und Internet im Auto 

Eine von der Allianz in Auftrag gegebene Repräsentativ-Erhebung in Österreich, der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland (2011) bestätigt: Abgelenkte Fahrer sind erkennbar häufiger in Unfälle verwickelt als konzentrierte. Und Ablenkungen gibt es viele: Der Studie nach telefonieren 40 Prozent der Autofahrer während sie den Wagen steuern. Ein Drittel liest oder schreibt sogar SMS oder E-Mails während der Fahrt. Über 50 Prozent der Fahrer stellen ihr Ziel im Navigationsgerät ein, während der Wagen schon rollt. Dabei gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen älteren und jüngeren Autofahrern: Junge Autofahrer von 18 bis 24 Jahren lassen sich am Steuer deutlich öfter ablenken als die 25- bis 64-Jährigen. 

Der ACE Auto Club Europa e. V. hat gemeinsam mit der Universität Salzburg eine Studie erstellt, bei der die Ablenkungsintensität von Autofahrern durch technische Geräte untersucht wurde. Der im Jahr 2013 durchgeführte HMI-Test (Human Machine Interface) zeigt, wie gefährlich die Bedienung von Handy und Navigationsgerät während der Fahrt sein kann. Demnach lenkt den Fahrer vor allem die manuelle Eingabe eines Navigationszieles während der Fahrt extrem ab. 

Schminken und Rasieren während der Fahrt 

Die Ablenkungen für Autofahrer sind nicht nur digital: Die Hälfte der Teilnehmer der Allianz-Repräsentativ-Erhebung (2011) gab an, beim Fahren zu essen, zu trinken oder Gegenstände zu suchen, zu greifen oder sich danach zu bücken. Über 40 Prozent der Befragten richten Gurt, Sitz oder Spiegel beim Fahren. In der Ablenkungsstudie des Allianz-Zentrums für Technik (2012) bestätigen 27,5 Prozent der Befragten, dass sie während des Autofahrens schon mal einer oder mehrerer der folgenden Tätigkeiten nachgegangen sind: Kleidung gewechselt (20 Prozent), sich geschminkt, sich rasiert, die Nägel gepflegt, Schmuck oder Uhr an- oder abgelegt. Demnach entsteht der überwiegende Teil an Verkehrsunfällen nicht aufgrund von externen Faktoren wie etwa Witterung oder Materialfehlern, sondern aufgrund menschlichen Verhaltens. Dazu zählt auch die Unaufmerksamkeit. Jeder zehnte Verkehrsunfall soll der Allianz-Sicherheitsstudie nach maßgeblich durch Ablenkung verursacht worden sein. 

Gesetzeslage und Bußgeld 

Laut Straßenverkehrsordnung erfordert die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht (§1 StVO). Jeder Verkehrsteilnehmer muss sich so verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet, behindert oder belästigt wird. Wer ein Fahrzeug steuert, hat noch mehr Verantwortung. Er muss dafür sorgen dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Mitfahrer, Tiere, Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. 

Nach Paragraph 23 1a der Straßenverkehrsordnung ist dem Fahrzeugführer „die Benutzung eines Mobil- oder Autotelefons untersagt, wenn er hierfür das Mobiltelefon oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält“. Wer diese Ordnungswidrigkeit begeht, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro und einem Punkt rechnen. In Wiederholungsfällen haben Gerichte auch einmonatige Fahrverbote verhängt. Steht das Fahrzeug und ist der Motor des Kraftfahrzeugs ausgeschaltet, darf telefoniert werden. 

(ks) (28.03.2014) 

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