< Sicher unterwegs auf der Skipiste

Ablenkung am Steuer

Kurz aufs Handy geschaut, mit dem Auto auf die Gegenfahrbahn gekommen und schon ist es passiert: Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit passieren schnell. Die Gefahr der Ablenkung durch das Bedienen von technischen Geräten während der Fahrt wird von vielen Autofahrern unterschätzt.

Unterschätzte Gefahr und steigende Unfallzahlen


Telefonieren am Steuer kann zu folgenschweren Unfällen führen

© grafikplusfoto, fotolia

 

Kurz aufs Handy geschaut, mit dem Auto auf die Gegenfahrbahn gekommen und schon ist es passiert: Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit passieren schnell. Die Gefahr der Ablenkung durch das Bedienen von technischen Geräten während der Fahrt wird von vielen Autofahrern unterschätzt. Heutzutage nutzen immer mehr Autofahrer die Fahrt dazu, wichtige Telefonate zu erledigen oder E-Mails zu beantworten. Die Polizei warnt immer wieder vor der Ablenkung durch mobile Kommunikation am Steuer. Auch eine Verkehrssicherheitsstudie des Allianz Zentrums für Technik hat festgestellt, dass Handykommunikation während der Fahrt inzwischen mehr Unfälle verursacht als verminderte Verkehrstüchtigkeit nach Alkoholkonsum.

Ablenkung als Unfallursache nicht ausgeschlossen

Auch wenn die Unfallursache „Ablenkung durch mobile Kommunikation“ offiziell nicht existiert oder als solche in den Statistiken aufgeführt wird, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Verkehrsunfälle, bei denen Ablenkung als Unfallursache nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Polizei geht in diesem Bereich von einer hohen Dunkelziffer aus. In Köln stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle ohne spezifisch festgestellte Ursache von 7.909 im Jahr 2008 auf 13.899 im Jahr 2016. Das ist ein Anstieg von rund 76 Prozent. Die Polizei Köln stellt Mobiltelefone nach schweren Verkehrsunfällen als Beweismittel sicher, wenn keine Unfallursache erkennbar ist und nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Ablenkung des Fahrzeugführers mitursächlich gewesen sein könnte. Über eine tatsächliche Auswertung der sichergestellten Geräte und der vorhandenen Nutzungsdaten entscheidet die zuständige Staatsanwaltschaft. Im Jahr 2016 wurden im Stadtgebiet Köln 14 Mobiltelefone nach Verkehrsunfällen mit schweren Folgen sichergestellt.

Umfragen bestätigen Ablenkungsursachen

Der Allianz-Studie zufolge stellt die Ablenkung durch Smartphone und Navigationsgerät heutzutage eine bedeutendere Unfallursache dar als die verminderte Verkehrstüchtigkeit nach Alkoholkonsum. Der Studie zufolge starben im Jahr 2016 rund 3.500 Verkehrsteilnehmer auf deutschen Straßen. Während bei 256 Fällen einer der Unfallbeteiligten alkoholisiert war, kamen etwa 350 Menschen ums Leben, weil einer der Unfallbeteiligten abgelenkt war. Laut der repräsentativen Umfrage begeht rund jeder zweite Fahrer Handyverstöße. Etwa drei Viertel der Befragten sind regelmäßig durch die Benutzung verbauter Technik im Fahrzeug abgelenkt. Dazu gehören zum Beispiel die Bedienung des Navigationssystems (39 Prozent) und die Musiksteuerung (58 Prozent). 15 Prozent aller Fahrer tippen, und knapp jeder Vierte liest Textnachrichten auf dem Smartphone. Bei den Befragten zwischen 18 und 24 Jahren ist dieser Anteil deutlich höher, als bei den 25- bis 64-Jährigen.

Junge Autofahrer lassen sich am Steuer häufiger ablenken als ältere

© lightpoet, fotolia

Fälle von Handynutzung am Steuer nehmen zu

Von 2008 bis 2016 führte die Kölner Polizei regelmäßige Vergleichszählungen im Stadtgebiet durch. Dabei wurde die Häufigkeit unzulässiger Mobiltelefonnutzung durch Fahrzeugführer festgehalten, ohne dass diese es bemerkten oder eine spätere Ahndung erfolgte. Die Erhebung zeigte, dass die Anzahl der Fälle von unzulässiger Mobiltelefonnutzung am Steuer in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr 2016 wurden die Vergleichszählungen eingestellt, weil sie zwar Daten zur reinen Telefonie lieferten, aber nicht berücksichtigten, was „unterhalb der Fensterkante“ am Mobiltelefon passiert. Die Polizei schätzt insbesondere die Kommunikation in sozialen Netzwerken und die Nutzung von Kurznachrichtendiensten während der Autofahrt als eine ernst zu nehmende Gefahrenquelle ein. Dabei seien die Autofahrer nicht nur geistig, sondern auch visuell abgelenkt, da sie den Blick von der Straße weg auf ihr Handy richteten. Im Jahr 2016 ahndete die Kölner Polizei insgesamt 9.400 Verstöße im Stadtgebiet, bei denen Autofahrer unerlaubterweise während der Fahrt ihr Handy nutzten.

Prävention und Bußgelder

Weil die Höhe der Bußgelder die Autofahrer bislang nicht ausreichend abgeschreckt hat, wurden die Strafen für die unerlaubte Nutzung elektronischer Geräte am Steuer in den letzten Jahren immer wieder verschärft. Wer während der Fahrt ein elektronisches Gerät zur „Kommunikation, Information oder Organisation“ verwendet, muss aktuell mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro und einem Punkt rechnen. Das Verbot bezieht sich nicht mehr nur auf Mobil- und Autotelefone, sondern auf alle elektronischen Geräte – also auch Navigationssysteme, Tablets, Laptops und sonstige Kleincomputer. Im Gefährdungsfall oder bei einer Sachbeschädigung kann das Bußgeld auch zwischen 150 und 200 Euro betragen und der Autofahrer muss mit zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot rechnen. Die höheren Strafen sollen Autofahrer nachhaltig für ein verantwortungsbewussteres Verhalten am Steuer sensibilisieren. Die Polizei NRW macht unter dem Motto „Lenk dich nicht app“ auf ein Fahren ohne Handy am Steuer aufmerksam. Sie fordert Autofahrer dazu auf, Telefonate und wichtige E-Mails sowie die Navigations- und Musiksteuerung immer vor der Fahrt zu erledigen, damit man seine Aufmerksamkeit während der Fahrt ausschließlich dem Straßenverkehr widmen kann.

FL (27.10.2017)

Weitere Infos für Eltern

Im Einsatz gegen Drogenmissbrauch und Diebstahl

Rock am Ring ist das wohl bekannteste Musikfestival Deutschlands, das...[mehr erfahren]

Wie Autofahrer reagieren sollten

Sofort anhalten oder noch bis zum nächsten Parkplatz fahren? – So...[mehr erfahren]

Die fatale Presseflut nach Amoktaten in Schulen

Prof. Dr. Herbert Scheithauer, Entwicklungs- und Klinischer...[mehr erfahren]

Zwischen Datenschutz und Kinderpornographie

Sexting“ setzt sich zusammen aus den Worten „Sex“ und „Texting“. Es...[mehr erfahren]

Wie man das Auto ordnungsgemäß abstellt

Viele Autos, wenig Platz: Vor allem in deutschen Großstädten sind...[mehr erfahren]