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Marken- und Produktpiraterie – ein profitables Geschäft

Die Zahlen der Fälle von Markenpiraterie steigen kontinuierlich, und das mit zweistelligen Zuwachsraten. Im Jahr 2015 führten die Zollbeamten 23.338 Grenzbeschlagnahmen gefälschter Waren durch. Die Anzahl der Zugriffe hat sich damit seit 2009 weit mehr als verdoppelt. Besonders besorgniserregend ist der hohe Zuwachs an gefälschten Schuhwaren namhafter Sportartikelhersteller. 2015 beschlagnahmte der Zoll gefälschte Sportschuhe im Wert von 6,8 Millionen Euro.

Wirtschaftsinitiativen klären Verbraucher auf


…oder doch in Südostasien?

© openwater, fotolia

 

Die Zahlen der Fälle von Markenpiraterie steigen kontinuierlich, und das mit zweistelligen Zuwachsraten. Im Jahr 2015 führten die Zollbeamten 23.338 Grenzbeschlagnahmen gefälschter Waren durch. Die Anzahl der Zugriffe hat sich damit seit 2009 weit mehr als verdoppelt. Besonders besorgniserregend ist der hohe Zuwachs an gefälschten Schuhwaren namhafter Sportartikelhersteller. 2015 beschlagnahmte der Zoll gefälschte Sportschuhe im Wert von 6,8 Millionen Euro.

Christine Lacroix

Geschäftsführerin der Plagiarius Consultancy GmbH © Aktion Plagiarius

 

Weil das Thema so brisant ist, haben die deutschen Wirtschaftsverbände schon Ende 1997 einen Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie gegründet, dem heute über 60 Mitgliedsunternehmen angehören. Der Aktionskreis macht Lobbyarbeit bei den politischen Institutionen und berät Unternehmen, die von Marken- und Produktpiraterie betroffen sind. Das sind vor allem Hersteller von Konsumartikeln wie Textilien, Merchandising-Artikeln (z. B. von Sportvereinen), Schuhen oder Gürteln. Aber auch hoch spezialisierte Betriebe aus dem Mittelstand, die mit ihren technischen Spezialgeräten und -maschinen Weltmarktführer sind, haben mit Markenpiraterie vor allem aus Hongkong und China zu kämpfen. Der Aktionskreis vernetzt die Betroffenen und gibt sein Wissen an die Behörden und den Zoll weiter: „Alle Beteiligten müssen wissen, was imitiert wird und auf welchen Wegen die Ware vertrieben wird. Nur so haben wir eine Chance, dass Markenpiraterie auch wirklich erkannt und verfolgt wird“, so Rechtsanwältin Doris Möller, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des APM e. V.

Auf das Verbraucherverhalten kommt es an

2015 prämiert: Original und Fälschung bei Heißluftgebläsen

© Aktion Plagiarius

Der APM schickt deshalb seit 2009 eine Wanderausstellung unter dem Titel »Schöner Schein – dunkler Schatten« in diverse deutsche Einkaufszentren. Über die Reaktionen der Verbraucher ist Doris Möller erfreut. Viele Menschen würden sich einfach keine Gedanken machen, wen sie unterstützen, wenn sie eine Markenuhr oder das Fan-T-Shirt ihres Fußballvereins zu offensichtlichen Dumpingpreisen kaufen. Die Ausstellung ändert das. „Wir führen den Menschen vor Augen, dass die organisierte Kriminalität dahinter steckt und stellen dar, dass selbst Teile der Drogenmafia zurzeit vom Drogenverkauf zur Markenpiraterie umschwenken, weil sie sich davon höhere Gewinne versprechen und weil die Strafandrohung auf diesem Gebiet niedriger ist. Vor diesem Hintergrund werden viele Verbraucher doch nachdenklich und geben an, dass sie künftig zumindest nicht mehr bewusst Fälschungen kaufen wollen.“

 

Negativ-Preis „Plagiarius“ für dreiste Fälschungen

Eine andere Initiative ist die Aktion Plagiarius, die einmal jährlich besonders dreiste Fälschungen durch die symbolträchtige Verleihung des Plagiarius-Preises öffentlich macht. Er wird auf der Messe „Ambiente“ in Frankfurt verliehen. Christine Lacroix, die Geschäftsführerin des dahinterstehenden Vereins, betont: „Von Fälschungen sind nicht nur die Hersteller von Luxusartikeln betroffen, sondern ganz massiv auch der deutsche Mittelstand.“ Durch den Kauf von Markenimitaten setzen sich die Verbraucher auch Risiken aus, die sie beim Kauf der Fälschungen nicht immer mit bedenken: Unfallgefahren, Gesundheitsgefahren und finanziellen Gefahren. Christine Lacroix: „Im Fall einer in China nachgeahmten Kniebandage, die wir mit einem Preis „ausgezeichnet“ haben, bleibt beim Imitat der erhoffte medizinische Effekt aus.“ Ein anderes Beispiel ist eine Badarmatur. „Wenn in einem gefälschten Wasserhahn billige Bleirohre eingesetzt werden, führt auch das zu einer gesundheitsschädigenden Belastung für die Verbraucher“. Im Museum Plagiarius in Solingen sind auch viele Alltagsgegenstände zu sehen, die von ihrem Design oder ihrer Funktionalität her so überzeugen, dass sich Plagiatoren von der Nachahmung Profit versprachen: Korkenzieher, Blumengießkannen, Türgriffe oder auch Kinderspielzeug. Die Hersteller der Marken haben durch die Plagiatoren aber nicht nur einen finanziellen Schaden: „Wenn viel plagiiert wird, verwässert das auch das Markenimage“, berichtet Christine Lacroix. Sie nennt als Beispiel den Besitzer einer wertvollen Rolex-Uhr, der das Schmuckstück entnervt wieder verkauft habe. Der Grund: Jeder fragte ihn, ob er ein Imitat tragen würde.

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