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Volle Dröhnung

Stefan (18), Toni (18) und Mesud (17) geben beim Feiern richtig Gas. Ohne Drogen läuft da nichts.

Willkommen auf dem Horrortrip

Das Schnupfen von Speed gehört für viele zum Wochenend-Ausgeh-Ritual dazu.

© iwstock, fotolia

Stefan (18), Toni (18) und Mesud (17) geben beim Feiern richtig Gas. Ohne Drogen läuft da nichts.

20.10 Uhr: Stefan hastet die Rolltreppe der U-Bahn-Station hoch. Tonis Wohnung liegt am Straßenende, 25 verwinkelte Quadratmeter in einem Mehrfamilienhaus, aber wenigstens hat der eine eigene Bude. Stefan erreicht das Haus und klingelt. Zur Sicherheit tastet er nochmal nach dem kleinen Beutel in seiner Hosentasche, dann geht der Summer und Stefan betritt den Flur und hört schon die wummernden Hip-Hop-Bässe. "Warum so spät", fragt Toni drinnen ohne vom Fernsehbildschirm aufzusehen. Er und Mesud spielen Playstation, auf dem Tisch vor ihnen steht eine angebrochene Flasche Wodka. "Hab noch Pep (Speed, Anmerkung d. Redaktion) besorgt", antwortet Stefan und lässt sich zu seinen Freunden ins Sofa fallen.

22.00 Uhr: Die Stimmung bei den Jungs ist super. Auch Stefan hat inzwischen ein paar Gläser Wodka getrunken, dazu gibt es einen süßen Cola-Bier-Mix um den scharfen Geschmack des Hochprozentigen runterzuspülen. Das Vorglühen bei Toni ist ein kleines Ritual, das sich jeden Samstag wiederholt. Später soll es noch weitergehen, ins "Nightbox", dem angesagtesten Club in der Stadt.

Mesuds Körper meldet:

Alkohol hat sich im Körper verteilt ++ Nervensystem wird manipuliert ++ Gehirnleistung nimmt schnell ab ++ Hemmschwelle wurde herab gesetzt ++ Sichtfeld ist eingeengt ++ Reaktionsfähigkeit nur noch bei 70 Prozent

23.02 Uhr: Angeknockt vom Wodka rangeln Toni und Mesud am CD-Spieler um die Musikauswahl. Stefan unterbricht die Streithähne und packt sein Speed auf den Tisch. "Zwei Lines für jeden", verkündet er und bildet aus dem weißen Pulver sechs feine Linien. Nacheinander schnupfen die Jungs das Zeug durch einen zusammengerollten 20-Euro-Schein. Danach geht es los. An der frischen Luft wirkt das Pep besonders heftig. Toni bekommt einen Laberflash und kann einfach die Klappe nicht mehr halten. Stefan hört nicht hin. Er fühlt sich wie Superman persönlich. Trotz des Alkohols ist er wach, frisch und topfit. Die drei Jungs fliegen in Schlangenlinien durch die Innenstadt bis sie nach wenigen Minuten ihr Ziel erreicht haben.

Stefans Körper meldet:

Speed bewirkt Ausschüttung von Glückshormonen und Adrenalin ++ Blutdruck stark angestiegen ++ Pulsfrequenz erhöht ++ Müdigkeit durch Alkohol wird verdrängt ++ Herz-Kreislauf-Belastung steigt ++ Reizbarkeit überdurchschnittlich

23.20 Uhr: Mit Pupillen groß wie Murmeln stehen Stefan, Toni und Mesud in der Schlange vor dem "Nightbox". Mesud trippelt von einem Fuß auf den anderen. "Ich will endlich abgehen", sagt er grinsend zu seinen Kumpels und macht auf den Sohlen eine 360-Grad-Drehung. Das Warten auf den Einlass geht den Jungs schnell auf die Nerven und obwohl es gar nicht warm ist, steht ihnen der Schweiß auf der Stirn. Das Drängeln der Hintermänner verschärft die Situation: "Alter, pass auf", fährt Stefan einen jungen Mann an, der ihm aus Versehen in die Hacken gelaufen ist. 

Drogen wie Ecstasy sind in der Partyszene weit verbreitet.

© DWP, fotolia

23.45 Uhr: Endlich drin. Im flackernden Licht der Discobeleuchtung und mit Blick auf die Tanzfläche genehmigen sich die drei ihre Drinks. "Ist das wirklich Tequilla?", fragt Toni mit skeptischem Blick. "Ich merke auch nichts", sagt Stefan und geht an der Bar eine neue Runde bestellen. Dann stürmen die Partylöwen den Dancefloor. House- und Techno-Beats sorgen dafür, dass eine Stunde lang der Schweiß in Strömen fließt. Mesud checkt gerade zwei Blondinen ab, als er aus dem Augenwinkel Stefan und Toni Richtung WC verschwinden sieht. "Wohin?", ruft er Toni zu. Der antwortet nicht, sondern legt nur vielsagend den Zeigefinger an die linke Nasenseite. Auf dem Klo sniffen die Jungs den Rest von Stefans Pep.

Tonis Körper meldet:

Müdigkeit und Durst werden vollständig unterdrückt ++ Hoher Feuchtigkeitsverlust ++Typische Alkoholwirkung wird durch Kokain abgeschwächt ++ Hemmschwelle auf Minimum gesunken ++ Nasenschleimhäute stark gereizt ++ Warnung: Hohe Herz-und Kreislaufbelastung

01.32 Uhr: Der Club kocht. Auf der Tanzfläche herrscht Gedränge, die lasergrünen Strahlen der Deckenbeleuchtung durchschneiden die dampfende Luft. Ungeniert grapscht Toni einer vor ihm tanzenden Frau an den Po und fängt sich eine saftige Ohrfeige. Nur mit Mühe kann Mesud ihn aus dem entstandenen Handgemenge befreien. An der Bar treffen sie Stefan: "Bock auf Teile?", fragt er grinsend und öffnet seine Handfläche. Drinnen liegen etwa ein dutzend gelber Ecstasy-Tabletten. Toni zögert. Seit seiner peinlichen Aktion auf der Tanzfläche fühlt er sich plötzlich extrem niedergeschlagen und gar nicht mehr in Feier-Laune. "Komm, die bringen dich wieder auf Touren", muntert Stefan ihn auf. Er drückt Toni sein Glas in die Hand, füttert ihn mit einer Tablette, und Toni spült sie mit einem kräftigen Schluck herunter. Dann werfen auch die beiden anderen Pillen ein.

Stefans Körper meldet:

Neuerliche Ausschüttung von Glückshormonen läuft++ Schlaf-Wach-Rhythmus wird verändert ++ Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen sich weiter ++ Warnung: Körpertemperatur hat 38,5 Grad Celsius überschritten: Tendenz steigend Warnung: Flüssigkeit unbedingt erforderlich ++ 

02.15 Uhr: Stefan, Toni und Mesud könnten nicht glücklicher sein. Im Discolicht werden alle zu Stars, die gemeinsam eine rauschende Party feiern. Stefan bewegt sich nur noch springend über die Tanzfläche. Sein T-Shirt ist klitschnass, Schweißtropfen spritzen von den Armen. Währenddessen macht Mesud seine Moves genau vor dem pulsierenden Boxenturm. Bei der lauten Musik hört niemand das Knirschen seiner Zähne.

Mesuds Körper meldet:

Ausschüttung von Glückshormonen überlagert lebenswichtige Reize (Durst) ++ Kiefermuskulatur völlig verkrampft ++ Warnung: Körpertemperatur nähert sich 40 Grad Celsius ++ Warnung: Flüssigkeitsverlust im kritischen Bereich ++ Warnung: Herzkreislauf-System an Belastungsgrenze

03.47 Uhr: Toni fühlt sich als könnte er Bäume ausreißen. Er schiebt Optics, sieht die Basswellen praktisch durch den Raum wabbern und hat noch nie in seinem Leben so gut getanzt wie gerade. Sein glasiger Blick geht ins Nichts, das blasse Gesicht und die unkontrolliert zuckenden Bewegungen sorgen schon fast für einen gespenstischen Anblick. 

04.09 Uhr: Stefan versteht nicht, warum die Leute um ihn herum plötzlich so komisch drauf sind. Er spürt die stechenden Blicke. Er dreht sich um die eigene Achse und fühlt sich fast erdrückt von den schwitzenden Körpern der anderen Tänzer. Angst steigt in ihm auf. In seiner Panik wirft er sich in die Menge und rammt sich den Weg frei.

04.15 Uhr: Alles dreht sich. Taumelnd und mit Sternen vor den Augen sucht Mesud nach Halt, findet auf der Tanzfläche aber nur Hände, die ihn wieder wegstoßen. Nach einer gefühlte Ewigkeit findet er einen Weg aus dem Getümmel und sucht wankend eine ruhigere Ecke.

05.00 Uhr: Nach einem fluchtähnlichen Abgang aus der Disco chillen die drei Jungs in einem Schnellimbiss. Hunger hat keiner, aber Toni hat eine Runde Cola ausgegeben. "Das Nightbox ist voll psycho", flüstert Stefan. Er reibt ständig an seinen Beinen. Die kribbeln als wäre Kohlensäure drin. "Echt. Ich komm auch gar nicht mehr klar auf diesen Laden", pflichtet ihm Mesud bei. "Ihr müsst einfach mal runterkommen", sagt Toni, der auf seinem Hocker selbst zappelt wie ein Fisch am Haken. "Am besten wir ballern einen". Mit diesen Worten angelt er hektisch einen fertig gedrehten Joint aus seiner Jackentasche und zeigt ihn triumphierend in die Runde.

05.20 Uhr: Auf einer Bank rauchen Mesud, Stefan und Toni das Gras. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten: Die Jungs beruhigen sich schnell und auch Stefans Angstgefühl lässt nach. Nach drei kräftigen Zügen und einem kurzen Hustenanfall lehnt sich Mesud zurück und legt den Kopf in den Nacken. Seine Kiefermuskulatur entspannt sich und sein Körper wird schwer. Minutenlang sitzen die Freunde schweigend nebeneinander. Sie spüren den frischen Luftzug und die Farben der Leuchtreklamen strahlen unwirklich intensiv. "Und? Was machen wir jetzt?", fragt Toni. "Ist doch klar", sagt Stefan kämpferisch. "Im ‚Clash' ist doch jetzt After-Hour." Das Flackern vor seinen Augen und das Hämmern in seinen Schläfen nimmt er nicht ernst.

Stefans Körper meldet:

++ Fatal Error: Herzkreislauf-System bricht zusammen

Drogen können Dich töten

© Richard Villalon, fotolia

05.21 Uhr: Stefan wird schwindelig, die Bilder in seinem Kopf wackeln wie der Film einer Handycam. Auch die Beine machen schlapp. Er fühlt sich kurz schwerelos, dann fällt er. Ungebremst knallt sein Kopf auf den Bordstein. Mesud lacht wiehernd. Dann sieht er das Blut. Panisch zerrt Toni an seinem gefallenen Freund, doch Stefan zuckt nur noch. "Alter, ruf nen Krankenwagen", schreit Toni. Mesud tastet zitternd seine Klamotten ab. Das Handy ist weg. Es muss in der Jacke sein und die hat er nicht an der Garderobe des Nightbox abgeholt. "Nimm deins", ruft Mesud zurück, doch Toni hört ihn nicht. Der Schock hat in außer Gefecht gesetzt. Mesud stürzt heran und durchkramt Stefans Hosentasche. Er zieht das Handy hervor, doch das Display ist schwarz. Kein Akku. "Gib mir dein Handy", brüllt Mesud Toni ins Ohr. Der fasst sich hinten an seine Hose, greift in die Tasche und fährt mit den Fingern durch die offenen Nähte. "Kaputt, weg", ist das Einzige, was er stammelnd heraus bekommt. Mesud steht auf und schreit verzweifelt.

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