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Zivilcourage-Kurse für Solinger Schulklassen

Fast jeder war schon einmal in einer solch unangenehmen Situation: Zwei Gruppen geraten wegen einer Kleinigkeit in Streit – die Auseinandersetzung droht zu eskalieren. Wie man sich in einer solchen Lage am besten verhält, will die „Clearingstelle Solingen“ Schülerinnen und Schülern der siebten bis neunten Klasse mit einem ungewöhnlichen Projekt näherbringen: In einem öffentlichen Linienbus werden die Jugendlichen unerwartet mit einer vermeintlichen Gewaltszene konfrontiert.

Provokationstheater in Bussen


Beim Provokationstheater zeigen Jugendliche ihr schauspielerisches Können

© Christian Beier

Fast jeder war schon einmal in einer solch unangenehmen Situation: Zwei Gruppen geraten wegen einer Kleinigkeit in Streit – die Auseinandersetzung droht zu eskalieren. Wie man sich in einer solchen Lage am besten verhält, will die „Clearingstelle Solingen“ Schülerinnen und Schülern der siebten bis neunten Klasse mit einem ungewöhnlichen Projekt näherbringen: In einem öffentlichen Linienbus werden die Jugendlichen unerwartet mit einer vermeintlichen Gewaltszene konfrontiert.

Nadine Lieser, Beraterin bei der Clearingstelle Solingen und Betreuerin des Projekts „Provokationstheater in Bussen“ erklärt den Ablauf der Veranstaltung: „Der Klasse wird zunächst von ihrem Lehrer mitgeteilt, dass ein Ausflug zu den Stadtwerken Solingen ansteht. Diese gehören zu unseren Kooperationspartnern. Am Ausflugstag steigt die Klasse dann in einen Solinger Linienbus in Richtung Stadtwerke. Während der Fahrt kommt es im Bus vermeintlich zu einer Konfrontation zwischen zwei Gruppen von anderen Jugendlichen, die immer weiter eskaliert: Erst wird laut diskutiert, dann geschrien und es kommt sogar zu Handgreiflichkeiten. Ich bin als Beobachterin mit im Bus und verfolge die Reaktionen der Schulklasse, die nicht ahnt, dass das Ganze nur inszeniert ist.“ Verantwortlich für die Darbietung im Bus ist die Schauspielgruppe des Technischen Berufskollegs in Solingen, angeleitet vom Schauspiellehrer Volker Eigemann. „Die Gruppe denkt sich die gespielte Streitszene selbst aus und studiert sie dann über mehrere Wochen ein. Es ist somit quasi ein Projekt von Jugendlichen für Jugendliche. Die Vorführung im Bus ist jedes Mal sehr realistisch. Der Busfahrer und der Lehrer sind aber selbstverständlich eingeweiht“, erklärt Lieser.

Helfen sollte jeder – wegschauen ist keine Alternative!

© Marco2811

Wegsehen, einmischen, anfeuern

Ziel des Projektes ist, die Schülerinnen und Schüler für das Thema Zivilcourage zu sensibilisieren und ihnen Tipps an die Hand zu geben, wie sie sich in solchen Situationen richtig verhalten können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Nadine Lieser: „An den Reaktionen auf die gespielte Situation sieht man, dass viele verunsichert sind oder sich wenig hilfreich verhalten. Manche haben Angst und schauen weg, andere feuern an und filmen die ganze Szene sogar mit ihren Handys. Wieder andere mischen sich ein, gehen dazwischen oder sind bereit, selbst Gewalt anzuwenden.“ Am Ende der Szene wird das Ganze aufgelöst, meist, indem die Eingeweihten beginnen zu klatschen. „Das sorgt dann erstmal für große Verwirrung bei den Schülern – aber auch für Erleichterung, dass das Ganze nur gespielt war. In manchen Fällen müssen wir die Vorführung aber auch schon vorher abbrechen, etwa wenn einer der Schüler tatsächlich Gewalt anwenden will“, so die Präventionsexpertin.

Helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen

In Räumlichkeiten, die von den Stadtwerken zur Verfügung gestellt werden, wird im Anschluss das Erlebte noch einmal reflektiert: Was ist da überhaupt passiert? Wie sollte man reagieren – und wie nicht? Wie kann man Opfern beistehen, ohne sich selbst zu gefährden? „Die Jugendlichen beteiligen sich rege an der Diskussion, schließlich haben die meisten ähnliche Situationen zuvor auch schon erlebt. Wir versuchen, Handlungsstrategien zu erarbeiten, die ihnen beim nächsten Mal Sicherheit geben.“ Wichtig sei, nicht wegzuschauen, sondern sich Unterstützung zu suchen, andere Menschen gezielt anzusprechen und sie um Hilfe zu bitten, damit man gemeinsam etwas gegen einen Unruhestifter unternehmen kann. Auch die Polizei zu rufen, kann eine Möglichkeit sein. „Wichtig ist außerdem, dass man nicht den Helden spielt und sich dadurch selbst gefährdet. Besonders die Jungs gehen schonmal gerne dazwischen, was aber schnell nach hinten losgehen kann“, betont Lieser. „Diejenigen, die die Situation angefeuert oder gefilmt haben, werden im Nachgespräch direkt auf ihr Verhalten angesprochen. Warum hast du das gemacht? War das die richtige Reaktion? Sie sollen selbst darauf kommen, dass so ein Verhalten falsch ist.“

Erfolgreich seit sechs Jahren

Nach den Sommerferien findet in den teilnehmenden Klassen dann noch einmal ein Nachgespräch mit Nadine Lieser statt, um das Thema Zivilcourage weiter zu verfestigen. „Ich spreche dabei aber auch die Arbeit der Clearingstelle an und erkläre, dass man sich bei Problemen immer an unsere Berater wenden kann – auch mit anderen Themen.“ Das Solinger Projekt läuft nun schon im sechsten Jahr. Jedes Jahr wird von den Projektbeteiligten eine Solinger Schule ausgesucht, von der insgesamt vier Klassen teilnehmen können. Träger der Clearingstelle ist die Katholische Jugendagentur Wuppertal. Neben den Solinger Stadtwerken und dem Technischen Berufskolleg unterstützen auch der Jugendschutz der Stadt Solingen sowie das Friedrich List Berufskolleg das Präventionsprojekt. „Unsere ersten Ansprechpartner sind die Schulsozialarbeiter, die den Kontakt zu den Klassenlehrern herstellen – die finden das Projekt gut und sind immer gerne bereit, ihre Klasse daran teilnehmen zu lassen“, freut sich die Expertin.

SW (26.08.2016)

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