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Doping im Spitzensport

Die Meldungen rund um das „Nike Oregon Project“ und seinen fragwürdigen Trainingsmethoden schüren die Diskussion über das Doping im weltweiten Spitzensport erneut an. Auch in Deutschland wird nicht immer mit legalen Mitteln gearbeitet, wie auch der Fall des Sportarztes Mark S. Anfang des Jahres 2019 zeigte. Er soll im großen Stil unter anderem Blut-Doping bei Athleten vorgenommen haben. Bei der „Operation Aderlass“ führt die Münchner „Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping“ die Ermittlungen gegen den Arzt. Kai Gräber ist der Leiter dieser Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Er erklärt, was das Aufdecken von Doping-Netzwerken so schwierig macht.

„Einer muss auspacken“


Blut-Doping ist schwer zu ermitteln

© Art of Success/stock.adobe.com

 

Die Meldungen rund um das „Nike Oregon Project“ und seinen fragwürdigen Trainingsmethoden schüren die Diskussion über das Doping im weltweiten Spitzensport erneut an. Auch in Deutschland wird nicht immer mit legalen Mitteln gearbeitet, wie auch der Fall des Sportarztes Mark S. Anfang des Jahres 2019 zeigte. Er soll im großen Stil unter anderem Blut-Doping bei Athleten vorgenommen haben. Bei der „Operation Aderlass“ führt die Münchner „Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping“ die Ermittlungen gegen den Arzt. Kai Gräber ist der Leiter dieser Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Er erklärt, was das Aufdecken von Doping-Netzwerken so schwierig macht.

Dopingproben leicht auszuhebeln

Auch wenn Doping-Verfahren aus dem Bereich Spitzensport im Vergleich zu den Gesamtfällen nur einen relativ geringen Anteil ausmachen: Doping ist auch in diesem Bereich ein ernstzunehmendes Problem. Denn die verbotenen Methoden und Verfahren, um Leistungen zu steigern, werden zunehmend professionalisiert und immer wieder angepasst. „Wie in anderen Kriminalitätsfeldern auch, ist es beim Doping so, dass die Täter uns immer einen kleinen Schritt voraus sind. Sobald man etwa eine Methode gefunden hat, um ein Doping-Mittel nachzuweisen, steigen die Täter auf ein neues Mittel um – und man beginnt wieder von vorne“, erklärt Kai Gräber. Ein weiteres Problem: Methoden wie Blut-Doping sind nicht nur schwer nachzuweisen – für die Athleten ist es auch relativ leicht, das Doping zu verschleiern. Kai Gräber: „Im Zuge der Ermittlungen der „Operation Aderlass“ haben wir etwa festgestellt, dass es nicht schwer ist, die Dopingproben auszuhebeln. So haben die betreffenden Sportler etwa erst zwei Stunden nach dem Rennen eine Blutprobe abgeben müssen. Innerhalb dieser zwei Stunden haben sie dann einfach viel Salzwasser getrunken – daraufhin waren die Blutwerte wieder völlig unauffällig.“

Was ist Blut-Doping?

Beim Doping mit Eigenblut werden dem Sportler in den Wochen vor dem Beginn der Wettkampfsaison bei mehreren Gelegenheiten jeweils zwischen einem halben Liter und einem Liter Blut abgenommen. Das Blut wird dabei direkt in eine Zentrifuge geleitet. Dort werden die roten Blutkörperchen und das Blutplasma voneinander getrennt. Das Blutplasma wird dem Sportler direkt wieder zurückgeführt, die roten Blutkörperchen werden mit Frostschutzmittel angereichert und bei minus 80 Grad tiefgefroren. Auf diese Weise wird bis zum Saisonbeginn ein Vorrat von bestenfalls fünf oder sechs Beuteln angelegt. Kurz vor dem Wettkampf werden dann in der Regel ein bis zwei Beutel aufgetaut, der Frostschutz getrennt und dem Athleten das Erythrozytenkonzentrat wieder reinfundiert. Das führt dazu, dass die Anzahl roter Blutkörperchen im Körper stark ansteigt und mehr Sauerstoff transportiert werden kann. Somit ist der Sportler leistungsfähiger.

Ermittlungen aufwendig

Doping-Netzwerke im Spitzensport aufzudecken, ist schwierig und aufwendig. Verdeckte Ermittlungen können aber dabei helfen, an die Beteiligten heranzukommen. Hat man genug Informationen gesammelt, kann es im Anschluss zu gezielten Durchsuchungen oder Festnahmen kommen. Die gesicherten Beweismittel wie genutzte Präparate, Handys und Rechner werden dann analysiert und ausgewertet. Reichen die Beweise aus, kann Anklage gegen die beteiligten Personen erhoben werden. Häufig kommt Doping im Hochleistungssport aber überhaupt nur dann ans Licht, wenn einer der Beteiligten von sich aus die Mauer des Schweigens durchbricht. „Man darf nicht vergessen: In diesen Kreisen haben alle viel zu verlieren. Es geht unter anderem auch um viel Geld. Es ist ein ganz geschlossener Kreis, in dem keiner den anderen anschwärzt“, weiß der Staatsanwalt.

Wer beim Doping auffliegt, hat viel zu verlieren

© 279photo

Beteiligten drohen unterschiedliche Strafen

Grundsätzlich machen sich alle strafbar, die am Doping beteiligt sind. Allerdings sind die Straftatbestände und auch die Strafrahmen unterschiedlich. Händler, Ärzte oder der Apotheker, die das Ganze gewerbsmäßig oder bandenmäßig betreiben, haben mit höheren Strafen zu rechnen als die Sportler. Nach dem Antidopinggesetz droht dem Leistungssportler im Falle des Selbst-Dopings etwa eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Der Arzt oder der Händler, der Doping durchführt oder bandenmäßig betreibt, hat mit Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und zehn Jahren zu rechnen. Einem Arzt kann außerdem ein Berufsverbot drohen.

Kronzeugenregelung auch für Sportler

Um gegen Doping-Netzwerke effizient vorgehen zu können, sind vor allem regelmäßige Dopingkontrollen notwendig. „Es wäre wünschenswert, Kontrollen unangekündigt und zeitnah, möglicherweise auch vor einem Wettkampf stattfinden zu lassen“, so Kai Gräber. „In meinen Augen ist die Nationale Anti-Doping-Agentur aber sehr engagiert. Wir stehen in einem engen Informationsaustausch und es wird versucht, Erkenntnisse, die wir aus unseren Ermittlungen gewinnen, in der Kontrollpraxis auch umzusetzen.“ Wichtig wäre es in seinen Augen, die so genannte Kronzeugenregelung, die rechtlich bereits für Händler und andere Beteiligte gilt, auf die Athleten auszuweiten. Im Rahmen dieser Regelung ist es möglich, durch eine Aussage Strafmilderung oder sogar Straffreiheit zu erreichen. „Wir sind auf Hinweise aus der Szene angewiesen. Es ist jedoch ein Stück weit ungerecht, dass sich die Hintermänner durch ihre Aussage Straffreiheit verdienen können, während der einzelne Sportler mit einer Strafe rechnen muss. Wird die Kronzeugenregelung auf Sportler erweitert, könnte das ein weiterer Anreiz sein, Dopingfälle zu melden.“ SBa (29.11.2019)

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