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Bei Demonstrationen vermitteln

Die Versammlung von linken Gruppen am 1. Mai, Demos für artgerechte Tierhaltung oder öffentliche Kundgebungen von Atomkraftgegnern: In wohl keiner anderen deutschen Stadt wird häufiger vom Grundrecht der Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht als in Berlin. Das stellt die Polizei vor eine besondere Herausforderung. Denn sie hat sowohl die Aufgabe, für die Sicherheit aller Anwesenden zu sorgen, als auch auf Unruhen oder Straftaten zu reagieren. In Berlin setzt man daher auf polizeiliche Kommunikationsteams, die zusätzlich zu den regulären Einsatzkräften vor Ort sind. Sie suchen den Kontakt zu Demoteilnehmern und anderen Anwesenden. Dadurch will man Konflikten vorbeugen, aber auch Verständnis für die teils hohe Polizeipräsenz schaffen.

Die Kommunikationsteams der Polizei

Bei Demonstrationen ist immer auch die Polizei vor Ort

© Photocreatief, fotolia

Die Versammlung von linken Gruppen am 1. Mai, Demos für artgerechte Tierhaltung oder öffentliche Kundgebungen von Atomkraftgegnern: In wohl keiner anderen deutschen Stadt wird häufiger vom Grundrecht der Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht als in Berlin. Das stellt die Polizei vor eine besondere Herausforderung. Denn sie hat sowohl die Aufgabe, für die Sicherheit aller Anwesenden zu sorgen, als auch auf Unruhen oder Straftaten zu reagieren. In Berlin setzt man daher auf polizeiliche Kommunikationsteams, die zusätzlich zu den regulären Einsatzkräften vor Ort sind. Sie suchen den Kontakt zu Demoteilnehmern und anderen Anwesenden. Dadurch will man Konflikten vorbeugen, aber auch Verständnis für die teils hohe Polizeipräsenz schaffen.

Akzeptanz durch Bürgernähe

Mit ihren neongelben Westen sind die Kommunikationsteams der Berliner Polizei kaum zu übersehen. In der Bundeshauptstadt zählen derzeit etwa 250 Beamtinnen und Beamten zum Mitarbeiterstab. Wie viele von ihnen bei einer öffentlichen Versammlung zum Einsatz kommen, hängt von der Größe der Veranstaltung ab. „Bei den Demonstrationen am 1. Mai sind zum Beispiel alle mit dabei, die nicht krank oder anderweitig verhindert sind“, erklärt Sebastian Noack, der die Einsätze der Kommunikationsteams koordiniert. Bereits Ende der 1960er Jahre wurden in Berlin die ersten Versammlungen durch Einsatzkräfte begleitet, die den Dialog mit den Beteiligten suchten. Mittlerweile sind die Teams ein fester Bestandteil der polizeilichen Präventionsarbeit. Denn häufig besteht bei Versammlungsteilnehmern eine große Unsicherheit bezüglich der Rolle der Polizei. „Viele fragen sich, warum wir hier überhaupt präsent sind oder wieso gleich so viele“, erläutert Noack. Die Kommunikationsteams erklären den Anwesenden auch, weshalb bestimmte Maßnahmen wie beispielsweise Personenkontrollen von der Polizei durchgeführt werden. Durch die auffällige Westenfarbe soll vermittelt werden, dass sie nicht zu den regulären Einsatzkräften gehören, sondern begleitend tätig sind – und während einer solchen Veranstaltung jederzeit für Fragen und Gespräche zur Verfügung stehen. „Ihre Dienstwaffe tragen sie trotzdem bei sich, die gehört zur Polizeiausrüstung. Natürlich wäre das Tragen des Einsatzhelms bei der Kommunikation nicht förderlich, von daher wird von den Kommunikationsteams darauf verzichtet“, führt der Beamte weiter aus. Dass die Bürgernähe im Vordergrund steht, beweist auch der Name „Kommunikationsteam“, der seit einigen Jahren den Begriff „Anti-Konflikt-Team“ ersetzt. „Einige Teilnehmer demonstrativer Aktionen hatten durch den alten Namen das Gefühl, einen Konflikt zu verursachen, ohne etwas getan zu haben. Der neue Name zeigt: Die Teams sind schon tätig, bevor überhaupt ein Konflikt entstanden ist“, so Noack weiter.

Proaktive Kommunikation

Die Mitarbeit im Kommunikationsteam ist eine freiwillige Zusatzaufgabe zum regulären Dienst, die nicht selten mit Überstunden verbunden ist. Wer dabei sein will, muss proaktiv kommunizieren können und Spaß daran haben, mit den Versammlungsteilnehmern ins Gespräch zu kommen. „Dafür muss man gemacht sein. Das kann nicht jeder“, erklärt der Mitarbeiter der Polizeidirektion Einsatz. Besondere Zugangsvoraussetzungen bestehen jedoch nicht. Daher sind die Teams in Berlin breit aufgestellt. „Das Ganze ist eine gesamtbehördliche Aufgabe. Derzeit beteiligen sich sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Funkwageneinsatzdienstes und des Bereichs der Sachbearbeitung, als auch Mitarbeiter des LKA oder der Polizeiakademie“, führt Noack aus. Neue Teammitglieder absolvieren zunächst einen fünftägigen Grundlehrgang, bei dem sie in Sachen Konfliktkommunikation und Krisenintervention geschult werden. Jährlich stattfindende Aufbauseminare dienen dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch sowie der Aufarbeitung neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den Dynamiken von öffentlichen Versammlungen und Massenphänomenen.

Sebastian Noack

Mitarbeiter in der Polizeidirektion Einsatz in Berlin, © Polizei Berlin

„Zu einem Gespräch gehören immer zwei“

Von Seiten der Berliner Polizei wurde bereits versucht, das Konzept „Kommunikationsteam“ auf andere Großveranstaltungen zu übertragen – beispielsweise auf Fußballspiele. Hier zeigte sich die Maßnahme jedoch weniger erfolgreich. Nach Einschätzung von Sebastian Noack liegt das unter anderem an der Gewaltbereitschaft einiger Fans, die gezielt den Konflikt mit den Einsatzkräften suchen. Wiederum andere verhalten sich der Polizei gegenüber ablehnend, ohne gewaltbereit zu sein. „Zu einem Gespräch gehören immer zwei. Wenn einer nicht dazu bereit ist, ist der Kommunikation eine Grenze gesetzt“, führt der Beamte aus. Der Einsatz der Teams im Rahmen von Versammlungen zeigt sich hingegen weitaus erfolgreicher, wie Noack berichtet: „Auch hier gibt es natürlich diejenigen, die nicht mit uns reden wollen. Grundsätzlich wird die proaktive Kommunikation, die von den Teams ausgeht, aber als sehr positiv empfunden. Die Leute haben das Gefühl, dass ihnen jemand erklärt, was hier gerade passiert.“

MW (31.03.2016)

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