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„Back up“ gegen Rechtsextremismus

„Back up“ ist eine von zwei Beratungsstellen für Opfer von rechter Gewalt in Nordrhein-Westfalen. Sie ist für den Bereich Westfalen zuständig, während die Opferberatung Rheinland in dem anderen Landesteil die Anlaufstelle ist. Seit November 2011 unterstützen fünf Back Up-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Menschen, die entweder selbst Opfer von rechtsradikalen Übergriffen geworden sind, deren Angehörige sowie Zeuginnen und Zeugen.

Franca Ziborowius

Teamleitung „Back up”, © Back up

Bei den rechtsextremen Übergriffen handelt es sich oft um Handlungen unterhalb des Straftatbestands wie Beleidigungen, Drohungen oder Einschüchterungen. Aber auch Körperverletzungen oder sogar Mord kommen vor. Franca Ziborowius: „Für die Betroffenen ist es zunächst wichtig ihre Geschichte in einem geschützten Rahmen erzählen zu können und dass sie ernst genommen werden. Danach erst klären wir weitere Fragen. Für eine Beratung bei Back Up ist es nicht notwendig, dass eine Anzeige gestellt wurde.“ Die Beraterinnen und Berater von Back Up überlegen, wie das Opfer in seiner individuellen Situation am besten unterstützt werden kann. Diese Hilfe kann ganz unterschiedlich aussehen. „Wir vermitteln zu Traumaambulanzen oder niedergelassenen Psychologinnen und Psychologen, machen Öffentlichkeitsarbeit, stellen Entschädigungsanträge, sprechen mit den Eltern, Lehrern oder Arbeitgebern, um für die Situation der Betroffenen zu sensibilisieren.“ Möchte die betroffene Person Anzeige erstatten, kann sie auf Wunsch zur Polizei begleitet werden. Ist es bereits zu einer Anzeige gekommen, unterstützt Back Up das Opfer bei der Suche nach einem Anwalt für die Nebenklage. „Wir beraten die Opfer auch in Fragen rund um eine Anzeigenstellung. Es ist natürlich wichtig, diese Taten aus dem Dunkelfeld zu holen, um zu zeigen, dass rechte Gewalt immer noch ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt. Jedoch gibt es auch wichtige Faktoren die gegen eine Anzeige sprechen können“, meint Ziborowius. Gerade wenn Täter und Opfer sich gut kennen, was besonders bei Jugendlichen oder Nachbarn häufiger der Fall ist, schreckt die betroffene Person oft vor einer Anzeige zurück. „Wir beraten nach einem systemischen Ansatz, dabei ist es wichtig, dass das ganze soziale Umfeld des Opfers mit einbezogen wird“, so die Expertin. Die betroffene Person dürfe nicht allein gelassen werden, sondern brauche die Unterstützung und den Rückhalt von Familie, Freunden und Nachbarn. „Jedoch leidet häufig die gesamte Familie, wenn ein Mitglied in den Fokus der Rechtsextremen gerät. Wir beraten daher ebenfalls die Angehörigen der Betroffenen, aber auch Zeuginnen und Zeugen.“ Kommt es nach einer Anzeige zu einem Prozess, begleitet Back Up das Opfer bei der Nebenklage, damit die Betroffenen nicht nur passive Zeugen, sondern aktiv am Prozess beteiligt sind. „Wir begleiten die Betroffenen zu erfahrenen Anwälten, erklären die Abläufe vor Gericht und sind von Anfang bis Ende bei der Gerichtsverhandlung anwesend“, so die Teamleiterin.

Keine langfristige Finanzierung

Bislang hat Back Up über 300 von rechtsextremer Gewalt Betroffene betreut und beraten. Der zivilgesellschaftliche Trägerverein „Back Up-Comeback e. V.“ hat zudem ein zweites Projekt im Bereich der Multiplikatorenbildung und Deradikalisierung mit dem Namen „Coba-Yana“ ins Leben gerufen. Ein großes Problem ist jedoch die stetige Finanzierung beider Projekte. Momentan erhält Back Up vom Bund, Land NRW und von der Stadt Dortmund projektbezogene Finanzmittel. Die Fördergelder müssen jedoch jedes Jahr neu beantragt werden. Coba-Yana erhält ebenfalls Mittel vom Bund und von der Stadt Dortmund, ist jedoch aufgrund seines Modellcharakters auf drei Jahre befristet. Hartmut Anders-Hoepgen, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins, weiß um diese Problematik, die zur Unsicherheit und prekären Beschäftigungsverhältnissen führt. „Außerdem brauchen auch die Opfer die Gewissheit, dass sie langfristig betreut werden. Eine langfristige Förderung wäre ein wichtiges Signal für die Zivilgesellschaft, dass die Problematik Rechtsextremismus und rechte Gewalt auch einen nachhaltigen staatlichen Widerstand erfährt“, so Anders-Hoepgen.

KL (29.09.2017)

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