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„Das „schwächere“ Geschlecht nicht unterschätzen!“

Frauen spielen in der rechten Szene eine immer wichtigere Rolle. Während vor zwanzig Jahren weibliche Skinheads, die so genannten „Reenies“, unterstützendes Beiwerk der männlichen Rechtsextremisten waren, sind die Frauen in der rechtsextremen Szene von heute deutlich aktiver und bestimmender. Gleichzeitig zweifeln aber auch zunehmend mehr Anhängerinnen an der rechtsextremen Ideologie. Ein Ausstieg ist für sie ohne fremde Hilfe aber kaum machbar. Frauen, die sich aus der Szene lösen wollen, sollten deshalb professionelle Unterstützung einer Ausstiegshilfe wie EXIT-Deutschland in Anspruch nehmen.

Der Wunsch, auszusteigen

Bernd Wagner, Kriminalist und Geschäftsführer der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH

© ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH

Viele Frauen stellen früher oder später fest, dass sie mit den Widersprüchen innerhalb der rechtsextremen Ideologie nicht klarkommen und machen sich Gedanken über ihre Perspektiven in der nicht-rechten Mehrheitsgesellschaft. Bernd Wagner: „Die Gründe, warum sich Frauen aus der rechtsextremen Szene lösen wollen, sind vielfältig und reichen von Bedrohungs- und Zukunftsängsten bis hin zu empfundenem Gerechtigkeitsverlust.“ Ein sehr starkes Motiv sei außerdem, sich von der Migration und ihren Wirkungen abgrenzen zu wollen, da sie als komplex und bedrohlich erscheint. Frauen, die sich entscheiden, aus der rechtsextremen Szene auszusteigen, werden mit besonderen Problemen konfrontiert, die Männer in einer vergleichbaren Situation nicht haben: „Der Ausstieg ist besonders für Frauen mit Kindern schwierig. Hier sind sehr komplexe Anforderungen zu erfüllen und es kommen viele Probleme auf die Frauen zu, die sich aus dem Familienrecht ergeben.“ Wie viele Beispiele von Aussteigerinnen deutlich machen, setzen manche Ehemänner ihre Frauen massiv unter Druck und drohen, das Sorgerecht der Kinder auf dem Rechtsweg zu erstreiten. Das Ziel ist dabei, zumindest die Kinder dauerhaft in der rechten Szene zu etablieren. Wagner: „Hier sind spezielle Erfahrungen der Ausstiegshilfen erforderlich, die bis in den Bereich der Sicherheit gehen. Gewalt ist in diesem Lossagungsprozess keine Seltenheit und oft werden die Frauen aggressiv gestalkt, sobald bekannt ist, dass sie die Szene verlassen wollen.“ Aussteigerinnen müssen daher für ihr rechtsextremes Umfeld unsichtbar werden, was in vielen Fällen einen Wechsel ihrer Identität und ihres Wohnortes erforderlich macht. Gerade für junge alleinerziehende Mütter ist dies kein einfacher Weg.

Wichtig ist, Hilfe wahrzunehmen

Kontakt für Ausstiegswillige

EXIT-Deutschland

www.exit-deutschland.de

E-Mail: info@exit-deutschland.de

Mobil: 0177 240 4592

Ohne fremde Unterstützung ist es ausstiegswilligen Frauen kaum möglich, die rechtsextreme Szene zu verlassen. Ihnen rät Bernd Wagner, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich an EXIT-Deutschland zu wenden: „EXIT ist die älteste Aussteigerinitiative in Deutschland und hat die meisten Erfahrungen mit ehemaligen Anhängern und Anhängerinnen.“ Wichtige Partner seien die Polizei, das Landeskriminalamt sowie der Verfassungsschutz, die bei Bedarf mit in den Ausstiegsprozess einbezogen werden können. Auch mit spezialisierten Anwälten und Ämtern arbeitet die Initiative zusammen – gerade wenn es um die Rechte und die Sicherheit von Frauen geht. Auf diese Weise entsteht ein Schutz- und Integrationskomplex, der konkret auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen und Müttern zugeschnitten ist. Zwar sollten Aussteigerinnen grundsätzlich bereit sein, mit staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten. Wichtig sei jedoch, dass sie kein Objekt fremder Entscheidungen werden. Keine leichte Übung, findet auch der Rechtsextremismus-Experte: „Dass der Weg machbar ist, beweisen jedoch zahlreiche Erfolgsbeispiele von Frauen, denen es gelungen ist, sich mit der Unterstützung von EXIT dauerhaft von der rechtsextremen Szene zu distanzieren.“

(KL 26.05.2017)

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