< Welche Auswirkungen hat Mobbing auf Kinder?

„Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht viel Spaß!“

Martin Kobusynski macht seit vierzehn Jahren Präventionsunterricht an Hamburger Schulen und ist seit August 2009 für die gesamte Koordination und Planung des Präventionsprogramms „Kinder- und Jugenddelinquenz“ der Polizei in Hamburg verantwortlich.

 

Welche Themen werden in den Klassen denn konkret besprochen?

Die Themen sind nach Klassenstufen orientiert. Klasse fünf startet mit dem Thema „Opfer“. Hier soll den Kindern deutlich gemacht werden, wie man verhindern kann, selbst Opfer zu werden. Wir machen hier natürlich keinen Frontalunterricht, sondern versuchen, die Inhalte möglichst facettenreich zu vermitteln. Die Beamten bekommen Materialien an die Hand, die sie dann flexibel einsetzen können. Manchmal nutzen sie einen aktuellen Zeitungsartikel oder einen Kurzfilm als Einstieg. Man kann in kleinen Gruppen arbeiten oder mit Rollenspielen. In den sechsten Klassen ist dann die große Überschrift „Zeuge und Helfer“. Da werden die Themen „Was ist ein Zeuge?“ oder „Worauf muss ich achten, wenn ich einen Notruf absetze?“ besprochen. Da rufen wir dann zusammen mit den Schülern in der Notrufzentrale der Polizei an und spielen einen Notruf durch – natürlich nachdem wir es dort angekündigt haben. Den Kindern soll verdeutlicht werden, dass sie ganz viel machen können, um zu helfen, ohne sich selbst zu gefährden. Es soll eine Kultur des Hinschauens gefördert werden, in der man selbst aktiv wird, wenn andere in Gefahr sind. In Klasse sieben geht es dann um die Themen Gewalt, Umgang mit Gewalt, Verantwortung, Bewaffnung und Notwehr. Waffen spielen in dieser Altersgruppe erfahrungsgemäß eine große Rolle – besonders bei Jungs. Die zentrale Botschaft soll hier sein, dass Waffen einen nur selbst in Gefahr bringen, auch wenn man sie zur Selbstverteidigung bei sich führt. Man muss den Jungs erstmal klar machen, dass sie durch das Tragen von bestimmten Waffen Ordnungswidrigkeiten oder sogar Straftaten begehen. In der achten Klasse geht es dann um das Thema Strafmündigkeit, Strafrecht, Gerichtsverhandlung, Zivilrecht, also im Prinzip „Folgen von Straftaten“. Dies ist hier wichtig, weil die Jugendlichen in der achten Klasse 14 Jahre alt sind, also strafmündig. Wir spielen das dann an ganz konkreten Beispielen durch, um zu zeigen, was zum Beispiel die Staatsanwaltschaft genau macht. Hier ist Graffiti immer ein schönes Beispiel. Nur weil etwa ein Strafverfahren eingestellt wird, heißt das ja noch lange nicht, dass der Jugendliche den verursachten Schaden nicht bezahlen muss. Insgesamt soll Aufklärung und nicht Abschreckung im Vordergrund stehen. Man möchte über die Folgen aufklären, die manche Dinge eben nach sich ziehen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

Schüler nutzen die Möglichkeit offen mit einem Polizisten reden zu können

© CC-Verlag

Was bringt der Präventionsunterricht?

An den Reaktionen der Schüler, Lehrer und Eltern kann man schon sehen, dass der Unterricht unter anderem zu weniger Gewalt beiträgt. Alleine der Ansatz, dass die Polizei einfach so in die Schule kommt, ohne dass konkret etwas vorgefallen ist, kann eine frühe Vertrauensbasis schaffen, was für alle Beteiligten eine wichtige Chance ist. Außerdem werden die Kinder für den Themenbereich „Gewalt“ im Laufe der Zeit stärker sensibilisiert. Auch Anspucken und Beleidigen ist eine Art von Gewalt – das ist Vielen nicht klar. Wenn man ihnen aber einmal die Augen geöffnet hat, was Gewalt ist und was diese bei den Opfern anrichtet, ist man schon einen großen Schritt weiter. Was sich auf jeden Fall verändert hat, ist das Anzeigeverhalten von Opfern von Gewalttaten. Es gibt mehr Kinder und Jugendliche, die Straf- und Gewalttaten anzeigen. Das ist ein Erfolg.

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