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Kritische Medienkompetenz entwickeln

Im Internet werden täglich Falschmeldungen verbreitet, um gezielt Fehlinformationen zu streuen. Dazu kommen Shitstorms und populistische Hetzkampagnen, die in der Bevölkerung Ängste schüren und verfassungs- und fremdenfeindliche Ansichten in Umlauf bringen. Viele Menschen sind im Umgang mit Fake News oftmals noch unerfahren und insbesondere Kinder und Jugendliche gelten als stark beeinflussbar. Daher ist es wichtig, dass sie eine Methode entwickeln, die tägliche Informationsflut kritisch zu hinterfragen. Aber wie können junge Menschen für das Thema sensibilisiert werden und wie können sie lernen, seriöse Inhalte von unseriösen zu unterscheiden?

Einfluss von Fake News auf Kinder und Jugendliche


Kinder und Jugendliche müssen lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen

© stacestock/stock.adobe.com

 

Im Internet werden täglich Falschmeldungen verbreitet, um gezielt Fehlinformationen zu streuen. Dazu kommen Shitstorms und populistische Hetzkampagnen, die in der Bevölkerung Ängste schüren und verfassungs- und fremdenfeindliche Ansichten in Umlauf bringen. Viele Menschen sind im Umgang mit Fake News oftmals noch unerfahren und insbesondere Kinder und Jugendliche gelten als stark beeinflussbar. Daher ist es wichtig, dass sie eine Methode entwickeln, die tägliche Informationsflut kritisch zu hinterfragen. Aber wie können junge Menschen für das Thema sensibilisiert werden und wie können sie lernen, seriöse Inhalte von unseriösen zu unterscheiden?

Die emotionale Gehirnhälfte ansprechen

Um Kinder und Jugendliche für den Umgang mit Fake News, Hetzkampagnen und Shitstorms zu schulen, haben Medienpädagogen des „ServiceBureau Jugendinformation“ in Bremen das Projekt #denk_net entwickelt. Dabei handelt es sich um Workshops, die sich an Jugendliche ab 14 Jahren richten. Mit Modulen wie „Wahr oder Fake“, „Social Bots“ oder „Phrasen-Trasher“ sollen die Heranwachsenden sensibilisiert werden. „Das Besondere am Projekt #denk_net ist, dass wir die Themen nicht nur intellektuell, sondern auch emotional angehen. Wir gehen davon aus, dass Hass und Falschmeldungen die emotionale Gehirnhälfte erreichen. Dementsprechend wollen wir die Kinder und Jugendlichen auch auf dieser Ebene ansprechen“, erklärt Markus Gerstmann, Medienpädagoge und Koordinator des Projekts.

Eine Spürnase für Fake News entwickeln

Um Fake News zu erkennen, benötigen Kinder und Jugendliche eine Methode, wie sie eine Nachricht auf ihre Seriosität hin überprüfen können. In den Workshops des Projekts #denk_net werden dazu gezielt Fragen gestellt, mit deren Beantwortung entschieden werden kann, ob eine Meldung wahr oder falsch ist. Zunächst gilt es zu untersuchen, auf welcher Seite die Meldung veröffentlicht wurde: Wer ist der Betreiber der Webseite? Was steht im Impressum? Im nächsten Schritt werden die Fotos zur Meldung untersucht. Handelt es sich um Originalbilder? Stimmen die Quellen? Erhält man dieselben Fotos, wenn man sie über eine einfache Google-Suche recherchiert? Anschließend wird die Person, die die Meldung geschrieben hat, unter die Lupe genommen. Wer ist die Person, die die Meldung veröffentlicht hat? Ist sie glaubwürdig oder womöglich ein Social Bot oder jemand, der nur für eine Kampagne einen Account erstellt hat? „Diesen Teil des Workshops nennen wir Spürnasen. Wir wollen dabei den kleinen Detektiv in den Kindern und Jugendlichen wecken. Das soll sie dazu befähigen, Inhalte im Internet kritisch zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen“, so Gerstmann.

Markus Gerstmann

Leiter des ServiceBureau Jugendinformation Bremen und Koordinator des Projekts #denk_net, © privat

Vorbildfunktion der Eltern

Im Rahmen des Projekts besucht das Team um Markus Gerstmann seit Februar 2018 weiterführende Schulen, um den Workshop gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der achten bis zehnten Klasse durchzuführen. Auch für die Eltern wird vorab eine Informationsveranstaltung angeboten. Gerstmann schreibt Eltern bei der Mediennutzung eine wichtige Vorbildfunktion zu. „Kinder lernen über die Art, wie sich ihre Eltern in Konfliktsituationen und in der Mediennutzung verhalten, wie sie selbst damit umgehen. Gerade hier ist es wichtig, dass Kinder lernen, Dinge differenziert zu sehen und nicht immer mit einer Plattitüde zu reagieren“, erklärt er. Natürlich sei klar, dass nicht alle Eltern diesen kritischen Diskurs erfüllen können: „Einige Eltern haben es nicht anders gelernt, andere haben keine Kapazitäten dafür. Genau deswegen brauchen Kinder ein zusätzliches Bildungsangebot, um sich mit dem Thema Fake News und Hass im Internet auseinanderzusetzen.“

Politisches Framing
Der Begriff geht auf die Sprachforscherin Elisabeth Wehling zurück. Framing beschreibt, wie über Sprache Assoziationen geweckt, Meinungen gelenkt und Handlungen bestimmt werden können: Die Abgabe von Steuern als Grundlage staatlichen Gemeinwohlhandelns kann beispielsweise mit den Begriffen Steuerlast und Steueroase sehr unterschiedlich behaftet und wahrgenommen werden.

Die Wirkung von Worten

Weil Falschmeldungen oder Hetzkampagnen sich rasant verbreiten und dadurch viele Menschen erreichen, will Gerstmann, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit der Wirkung von Worten auseinandersetzen. Um ein Gefühl für die tägliche Nachrichten- und Berichterstattung zu bekommen, gibt Gerstmann den Schülerinnen und Schülern im Anschluss an den Workshop die Aufgabe, von 18 bis 20 Uhr die Nachrichten im Fernsehen zu gucken und dabei zu reflektieren, welche Themen behandelt werden, was davon interessant und nützlich ist, oder was nur dem Entertainment dient. „Es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen ein Gefühl dafür bekommen, was Politik und wie alles organisiert ist. Dabei ist auch die Wortwahl und das politische Framing wichtig“, erklärt er.

Fake News der Zukunft?

Da sich das Internet rasant weiterentwickelt, werden Fake News wohl auch künftig ein Thema bleiben. „Ich denke sogar, dass es noch komplizierter wird, sie zu erkennen. Aktuell wird nur die Verschriftlichung verändert, wenn falsche Informationen erstellt werden. Inzwischen gibt es aber auch die ersten Tools, um Bilder und Videos so zu verändern, dass der Laie das kaum noch überprüfen kann. Damit können ganze Videos mit dem Gesicht eines Politikers manipuliert werden“, so Gerstmann. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, werden auch künftig Angebote wie das Projekt #denk_net gefragt sein, um jungen Menschen die Kompetenz zur Medienkritik zu vermitteln. Weitere Informationen und Materialien zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Fake News bietet die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“sowie die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz „klicksafe.de“.

 

FL (25.05.2018)

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