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Für Spielzeuge gelten keine Verkehrsregeln

Die Spielzeugindustrie hat ein waches Auge auf die geltenden Sicherheitsstandards von Bobbycars, Laufrädern, Rollern oder Dreirädern. Aber wie steht es mit der Verkehrssicherheit? Andreas Bergmeier ist Referent für Kinder und Jugendliche beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Bonn.

Gute Spielzeugfahrzeuge bereiten auf das Fahrradfahren vor 

Spielfahrzeuge für Kinder müssen Sicherheitsstandards einhalten

© jörn buchheim, fotolia 

 

Die Spielzeugindustrie hat ein waches Auge auf die geltenden Sicherheitsstandards von Bobbycars, Laufrädern, Rollern oder Dreirädern. Aber wie steht es mit der Verkehrssicherheit? Andreas Bergmeier ist Referent für Kinder und Jugendliche beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Bonn.

Herr Bergmeier, wie verkehrssicher sind Fortbewegungsmittel für kleine Kinder in Deutschland? 

Ganz allgemein muss man sagen: Das sind Spielzeuge – und keine Fahrzeuge im Sinn der Straßenverkehrsordnung. Die werfen auch viele Erwachsene durcheinander. Es ist aber ein wichtiger Unterschied: Kinder bis zum Alter von acht Jahren dürfen nur als Fußgänger am Straßenverkehr teilnehmen. Sie müssen sich, egal mit welchem Fahrzeug, auf dem Gehweg oder auf privatem Grund und Boden bewegen. Das gilt für das Fahrrad und erst recht für Dreiräder, Bobbycars und andere Spielgeräte. 

Worauf müssen Eltern im Umgang mit diesen Spielfahrzeugen besonders achten? 

Für Spielfahrzeuge gelten keine Verkehrsregeln. Die Eltern sollten sich allerdings fragen, ob ihre Kinder schon sicher genug im Umgang damit sind. Das hängt zum Beispiel von den örtlichen Gegebenheiten ab. Ein Bobbycar lässt Kinder zum ersten Mal das Gefühl für Geschwindigkeit erleben und ist an sich völlig ungefährlich. Aber wenn ich an einer stark abschüssigen Straße wohne, muss ich auch beim Bobbycar aufpassen. Denn es besteht die Gefahr, dass das Kind auf der abschüssigen Straße die Kontrolle über das Spielfahrzeug verliert. 

Wann darf ein Kind denn nun mit welchem Fortbewegungsmittel auf die Straße? 

Wenn die Kinder acht Jahre alt sind, dürfen sie mit dem Fahrrad auf der Straße oder dem Fahrradweg fahren; ab einem Alter von 10 Jahren müssen sie Straße oder Radweg benutzen. Dann gilt das Fahrrad auch nicht mehr als Spielfahrzeug, sondern als Verkehrsmittel und muss den Anforderungen der StVZO genügen: mit einer Klingel, zwei voneinander unabhängigen Bremsen, Reflektoren und Beleuchtung. Mit einem Spielfahrzeug dürfen aber auch ältere Kinder nicht auf der Straße fahren, denn das Spielen auf der Straße ist grundsätzlich nicht zulässig. Es darf nur auf dem Bürgersteig gespielt werden. 

Sollten denn Kinder auf diesen Spielzeugfahrzeugen einen Helm tragen? 

Wichtig ist, dass die Kinder beim Fahrradfahren immer einen Helm tragen. Aber wenn das Kind vom Fahrzeug absteigt und spielt, sollte es den Helm immer absetzen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass sich das Kind mit dem Kinnriemen beispielsweise an einem Klettergerüst stranguliert. Da es fraglich ist, ob etwa eine Fünfjährige, die mit Helm im Bobbycar auf dem Spielplatz herumfährt, ihn in jedem Fall abnehmen wird, wenn sie ein Klettergerüst besteig, rät der DVR: auf Spielfahrzeugen keinen Helm anlegen, beim Fahrrad auf jeden Fall. 

Andreas Bergmeier, Referent Jugendliche und Kinder beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR)

© DVR 

Worauf sollten Eltern achten, die ihren Kindern sichere Spielfahrzeuge kaufen wollen? 

Bei einem kleinen Spielfahrrad sollten die Eltern beispielsweise darauf achten, dass es gepolsterte Griffe hat und dass auch der Bereich, wo Lenker und Lenkstange zusammentreffen, gepolstert ist. Die Eltern müssen selbst ein Auge darauf haben, dass sie Spielzeug von guter Qualität kaufen. 

Welche Spielfahrzeuge machen denn aus der Sicht der Verkehrserziehung besonders viel Sinn? 

Ganz wichtig sind für Kinder als Vorbereitung auf das Fahrradfahren zwei Dinge: einmal das Gefühl für Geschwindigkeit und dann das Gleichgewichtsgefühl. Und das wird zum Beispiel durch Rollerfahren erreicht. In der Verkehrssicherheitsarbeit gilt der Roller als ein ideales Vorbereitungsfahrzeug für das Fahrrad. Allerdings empfehlen wir nicht die Kick-Roller mit den kleinen Rädern, sondern Roller mit soliden Gummirädern. Damit können die Kinder das Fahren mit einem Zweirad lernen. Dazu gehört auch, sich umzudrehen und gleichzeitig lenken zu können. Kleine Laufräder ohne Pedale sind auch gut geeignet, um Kinder auf das Fahrradfahren vorzubereiten. Es ist am Ende auch Geschmackssache der Eltern und des Kindes, wofür sie sich entscheiden. 

Kontakt: 

Deutscher Verkehrssicherheitsrat Andreas Bergmeier 

E-Mail: abergmeier@dvr.de 

Tel.: 0228 4001 0 

Gibt es Broschüren, in denen man etwas zu diesem Thema nachlesen kann? 

Der DVR hat ein Projekthandbuch „Kind und Verkehr“ entwickelt, das er Kindergärten, aber auch interessierten Eltern kostenlos zur Verfügung stellt. Die Deutsche Verkehrswacht hat Ähnliches im Angebot. WL (22.11.2013) 

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