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Gänsehaut-Feeling im neuen Polizeimuseum Hamburg

Die Säge des Frauenmörders Fritz Honka, die vermeintlichen Hitler-Tagebücher und die präparierte Streusandkiste des Kaufhauserpressers „Dagobert“: All das konnten bisher nur Polizeischüler betrachten. Doch ab Anfang 2014 ist die Lehrmittelsammlung der Hamburger Polizei auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Im neuen interaktiven Polizeimuseum kann dann nicht nur ein Blick auf rund 200 Jahre Polizeigeschichte in Hamburg geworfen werden. Die Besucher können auch selbst auf Spurensuche gehen, Fälle lösen oder mit dem Polizeihubschrauber eine Runde drehen – im Flugsimulator.

Tatwaffen-Ausstellung, Flugsimulator und kriminaltechnisches Labor 

Das neue Polizeimuseum in einer ehemaligen Militärkaserne in der Carl-Cohn-Straße 39 in Hamburg 

© Polizeimuseum Hamburg

 

Die Säge des Frauenmörders Fritz Honka, die vermeintlichen Hitler-Tagebücher und die präparierte Streusandkiste des Kaufhauserpressers „Dagobert“: All das konnten bisher nur Polizeischüler betrachten. Doch ab Anfang 2014 ist die Lehrmittelsammlung der Hamburger Polizei auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Im neuen interaktiven Polizeimuseum kann dann nicht nur ein Blick auf rund 200 Jahre Polizeigeschichte in Hamburg geworfen werden. Die Besucher können auch selbst auf Spurensuche gehen, Fälle lösen oder mit dem Polizeihubschrauber eine Runde drehen – im Flugsimulator. 

Die Säge des Frauenmörders 

Im Inneren der ehemaligen Militärkaserne und späteren Ausbildungsstätte der Polizei ist Gänsehaut garantiert: Im Dachgeschoss des neuen Polizeimuseums werden acht spektakuläre Hamburger Kriminalfälle gezeigt. Zum Beispiel die Säge des Serienmörders Fritz Honka. Mit ihr zerlegte er in den 1970er Jahren vier Frauen, die er zuvor ermordet hatte. Die Leichenteile versteckte er in seiner Wohnung. Beschwerden von Nachbarn wegen des starken Leichengeruchs blieben folgenlos. „Kommissar Zufall“ löste 1975 den Fall: Während der Mörder nicht zuhause war, brach im Haus, in dem Honka wohnte, ein Feuer aus. Bei den Löscharbeiten entdeckte ein Feuerwehrmann dann Leichenteile, woraufhin die Wohnung genauer durchsucht wurde. 

 

„Um die Fälle plastischer zu machen, werden im Museum Werkzeuge und Gegenstände ausgestellt, die von den Tätern benutzt wurden“, sagt Museumsleiter und Kriminalhauptkommissar Ernst Auch. Da wäre auch die Original-Streusandkiste des Karstadt-Erpressers Arno Funke alias „Dagobert“. Durch deren Boden hatte der für seine technische Raffinesse bekannte Erpresser 1993 von einem Regenwasserkanal aus das Geldpaket an sich genommen. Auch ein selbst konstruiertes U-Boot von Funke, das allerdings nie zum Einsatz kam, ist im Polizeimuseum ausgestellt. „Das zeigt, welches technische Geschick dieser Mann besessen hat“, sagt der Museumsleiter. „Dagoberts“ Taten gingen als längster und aufwendigster Erpressungsfall in die deutsche Kriminalgeschichte ein. 
Ausgestellt sind auch die Waffen, die Auftragsmörder Werner „Mucki“ Pinzner benutzte. Der „St.-Pauli-Killer“ erschoss 1986 während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den ermittelnden Staatsanwalt, seine eigene Frau (die den Revolver im Slip hineingeschmuggelt hatte) und schließlich sich selbst. Neben all den Waffen und Werkzeugen wirken die drei ausgestellten Bücher auf den ersten Blick eher unscheinbar. Dabei gingen die Originalfälschungen in die deutsche Pressegeschichte ein: Es sind die berühmten „Hitler-Tagebücher“, die von dem Fälscher Konrad Kujau 1983 erstellt und vom Nachrichtenmagazin „Stern“ veröffentlicht wurden – in der Annahme, sie seien echt. Das Ergebnis der zu diesem Zeitpunkt bereits laufenden Echtheitsuntersuchung des Bundeskriminalamts widerlegte die Annahme. 
Nicht zu sehen gibt es im Museum indes blutrünstige Fotos, Bilder von Opfern zum Beispiel. „Wir legen Wert auf den korrekten Umgang mit beteiligten Personen“, sagt der Museumsleiter. Die Auswahl der Ausstellungsstücke und genannten Fakten im Museum erfolgte nach ethisch-moralischen Gesichtspunkten und den gängigen Standards der Museen. 

 

In unserer Bildergalerie am Ende des Artikels sehen Sie einige der spannenden Ausstellungsstücke.

Vom Nachtwächter bis zum Cybercrime 

Die Fälle sollen die Ermittlungsarbeit der Hamburger Polizei dokumentieren und erklären. Eine 200 Jahre zurückreichende Zeitreise erwartet die Besucher im Erdgeschoss des Hamburger Polizeimuseums. „Hier wird die Geschichte der Hamburger Polizei, die Anfänge und Entwicklungen, gezeigt: vom Nachtwächterwesen über die Errichtung einer einheitlichen Polizeibehörde, die der Senat 1814 beschloss, bis hin zur heutigen Polizei“, sagt Ernst Auch. „Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle der Hamburger Polizei im Dritten Reich: Die sogenannten Polizeibataillone, die im Osten an Erschießungen beteiligt waren, werden in einem Sonderbereich thematisiert.“ Auch die jüngere Geschichte der Polizei wird aufgegriffen: Beginnend mit der großen Sturmflut 1962, bei der der damalige Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt eigenmächtig die Bundeswehr zur Hilfe geholt und in der Katastrophenhilfe einsetzt hatte. Nicht nur die Schwierigkeiten bei der Bewältigung dieses Katastropheneinsatzes in Zusammenarbeit mit der Polizei und anderen Hilfsorganisationen werden thematisiert. 
„Auch die daraus hervorgegangenen neuen Strukturen, die Neukonzeption des Katastrophenschutzes und die Gründung der Hamburger Innenbehörde, werden dokumentiert – auch durch Zeitzeugeninterviews und Filme“, erklärt der Museumsleiter. Die Rolle der Polizei sei über die Jahrhunderte immer wieder geprägt worden von politischen und sozialen Entwicklungen. Im politischen Bereich etwa durch die NS-Geschichte, im gesellschaftlichen Bereich spiele die soziale und technische Entwicklung eine große Rolle. „Sie fordert die Polizei immer wieder aufs Neue und veranlasst zur Neuausrichtung“, sagt Auch. Ein zentrales Thema in jüngster Zeit ist „Cybercrime“, also die Kriminalität im Internet. Aber auch im realen Leben ist Hamburg ein Drehkreuz zwischen den Welten: Durch den Hafen ist die Hansestadt für Kriminelle besonders interessant. Das ist eine Besonderheit der Polizeiarbeit in Hamburg.

Kriminalhauptkommissar Ernst Auch ist Leiter des Polizeimuseums in Hamburg

© Polizeimuseum Hamburg 

Fälle lösen und Hubschrauber fliegen 

In einer kompletten Etage des Polizeimuseums Hamburg befindet sich ein kriminaltechnisches Labor. „In dem können vornehmlich Kinder und Jugendliche – aber auch Erwachsene – versuchen, Kriminalfälle mit technischen Mitteln zu lösen“, erklärt Museumsleiter Ernst Auch. „Dadurch möchten wir unseren Besuchern zeigen, wie die Polizei anhand von Spuren und Dingen, die sie am Tatort findet, einen Fall aufklärt.“ Wenn der Fall gelöst ist, muss natürlich der Täter „erkennungsdienstlich behandelt werden“, wie es bei der Polizei heißt. Das von den Besuchern aufgenommene „Verbrecherfoto“ dürfte zu einem begehrten Andenken an den Museumsbesuch werden. Wer mehr Action möchte, dem empfiehlt Auch einen Flug mit dem Polizeihubschrauber über Hamburg: „Wir haben einen Flugsimulator, in dem man ein Einsatzszenario zwischen dem Hubschrauber und zwei Hafenstreifenbooten im Hamburger Hafen erleben kann“, sagt Auch.  Gezeigt werden soll, wie vielfältig Polizeiarbeit sein kann. Der Beruf des Polizisten sei sehr vielseitig, erzählt der Museumsleiter: „Sie können Hubschrauberpilot sein, Biologe, Chemiker, Psychologe, Taucher, Hundeführer oder auch Museumsleiter, so wie ich.“

Polizeimuseum Hamburg Carl-Cohn-Straße 39 22297 Hamburg Tel. 040/4286-680 80 
Mail: polizeimuseum@
polizei.hamburg.de

Web: http://www.hamburg.de/
polizeimuseum/
 

Damit aber erst gar nichts passiert, was die Polizei auf den Plan ruft, ist Prävention gefragt. „Wir haben einen speziellen Raum im Museum, in dem die Polizei Hamburg interaktive Präventionsangebote macht.“ Verknüpft werden diese mit aktuellen Themen, zu denen es für die Besucher Seminare und Fachvorträge geben wird. (ks) (01.08.2013)


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