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Gewalt in der Partnerschaft

Zwei Jahre lang wurde Angelika von Jörg, der eigentlich anders heißt, kontrolliert und gedemütigt. Erst dann schaffte sie es, ihre Sachen zu packen und ihren gewalttätigen Partner zu verlassen. Die heute 52-Jährige ist kein Einzelfall. Wie die Kriminalstatistische Auswertung des Bundeskriminalamts zeigt, nimmt die Partnerschaftsgewalt in Deutschland zu. 2016 wurden etwa 133.000 Fälle registriert, in denen Opfer durch Ehepartner, Lebensgefährten oder ehemalige Partner verletzt, vergewaltigt, sexuell genötigt, bedroht, gestalkt oder getötet wurden.

Opfer suchen Schuld bei sich

Es gibt viele Gründe, weshalb die Opfer ihr Martyrium zum Teil über Jahre erdulden. „Oft schweigen sie aus Angst oder Scham. Sie schweigen, weil die Täter ihnen nahestehen, sie unter Druck setzen, sie manipulieren oder ihnen einreden, sie selbst seien schuld an der Situation“, sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin der Opferhilfeorganisation „Weißer Ring“. Täter schafften es, ihre Opfer völlig zu isolieren und schließlich die einzige Bezugsperson zu sein. „Die Situation wird für Opfer dann immer unerträglicher“, so Biwer. „Häusliche Gewalt bricht Persönlichkeiten und frisst die Seele auf.“ Darüber hinaus gelte das Sprechen über häusliche Gewalt noch immer als Tabu. Niemand gebe gern zu, dass die heile Welt der Familie gar nicht so heil ist wie sie scheine, erklärt die Bundesgeschäftsführerin. „Wir wünschen uns, dass Opfer häuslicher Gewalt konkret dabei ermutigt werden, sich aus der vermeintlich ausweglosen Spirale zu befreien, indem sie sich öffnen und sich die Hilfe holen, die sie so dringend brauchen.“

Bianca Biwer

Bundesgeschäftsführerin der Opferhilfeorganisation „Weißer Ring“, © Weißer Ring

Hilfe für Betroffene

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rät Opfern von Partnerschaftsgewalt, sich möglichst kurzfristig nach der Tat bei der Polizei zu melden. Spuren einer Vergewaltigung und andere körperliche Verletzungen werden dann durch die Rechtsmedizin oder einen Arzt gesichert. Grundsätzlich ist immer zu empfehlen, bei jedem Angriff den Zeitpunkt und die Art der Gewaltausübung zu notieren und sichtbare Verletzungen zu dokumentieren, beispielsweise durch ein Foto. Solche Informationen untermauern in straf- und zivilrechtlichen Verfahren die eigene Glaubwürdigkeit. Für den Fall, dass Kinder vor dem gewalttätigen Partner geschützt werden müssen, sollten sich Opfer an das Jugendamt wenden. „Das Jugendamt hilft in allen Fällen von Kindeswohlgefährdung. In ganz schwerwiegenden Fällen erheblicher Gefahr von Leib und Leben von Kindern ist es sogar möglich, dass Kinder und ein Elternteil an einen sicheren Ort gebracht werden und dort mit einer neuen Identität weiterleben. Das ist, Gottlob, sehr selten, kommt aber vor“, erklärt Sascha Braun, Justiziar bei der GdP. Opfer können zudem juristische und psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Organisationen wie der „Weiße Ring“ beraten anonym und stellen Kontakt zu den entsprechenden Institutionen her.

MW (26.01.2018)

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