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Medikamentenmissbrauch im Fitnessstudio

Den Begriff „Doping“ verbinden viele Menschen ausschließlich mit dem Profisport – dass jedoch auch Freizeitsportler häufig leistungssteigernde Substanzen einsetzen, ist vielen nicht bewusst. Vorsichtigen Schätzungen zufolge greifen in Deutschland jedoch rund 450.000 Freizeitsportler zu verbotenen Anabolika oder anderen gesundheitsschädlichen Substanzen, um leistungsfähiger zu werden, ihre Muskelmasse zu erhöhen oder den Körperfettanteil zu senken.

Fatale Nebenwirkungen

Besonders Anabolika, auch anabole Steroide oder kurz „Roids“ genannt, haben starke Nebenwirkungen. Diese werden häufig unterschätzt, manchmal aber auch bewusst in Kauf genommen. Von schwerer Akne („Steroid Akne“), starkem Schwitzen, Haarausfall, Schlafstörungen, aggressivem Verhalten, Bluthochdruck, Leberschäden, Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzinfarkt reicht die Palette. Eine weitere typische Nebenwirkung bei Männern: schrumpfende Hoden oder Erektionsstörungen. „Was viele nicht wissen: Als Abbauprodukt von Anabolika bzw. dem darin enthaltenen künstlichen Testosteron, entsteht unter anderem das weibliche Sexualhormon Östrogen. Das kann bei Männern zur Bildung von Brüsten führen, die dann in der Regel nur operativ wieder entfernt werden können“, erklärt Hörning. Die eigene Hormonproduktion wird während der Einnahme von Anabolika zum Teil komplett eingestellt. Setzt man die Mittel ab, fällt man zunächst in ein „Hormonloch“, denn es kann mehrere Wochen dauern, bis die eigene Hormonproduktion wieder anläuft. Hörning: „In dieser Zeit sind die Betroffenen hormonell wie ein Säugling eingestellt. Sie leiden sehr unter den Entzugserscheinungen. Häufig kommt es zu Depressionen oder extremen Stimmungsschwankungen.“ 

Prof. Dr. Dr. Martin Hörning

Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen © privat

Kaum Präventionsangebote

„No roids inside“ will da ansetzen, wo die meisten Konsumenten trainieren – direkt in den Fitnessstudios. Während der zweijährigen Projektphase besuchte das Team von Martin Hörning 15 Studios in ganz Deutschland und führte dort eine Seminarreihe rund um das Thema „Natural Training“ durch, bestehend aus Theorie und Praxis. Auch nach Beendigung der Studie läuft das Projekt weiter. „Wir bieten in den Seminaren Infos rund um das „natürliche Training“ ohne illegale Substanzen sowie zur gesunden Ernährung an. Begleitet werden die Seminare außerdem von Sportlerinnen und Sportlern, die selbst auf gesunde Weise trainieren und den Teilnehmern wichtige Tipps geben können“, so Hörning. Als einziges niederschwelliges Angebot in Deutschland liefert außerdem die Webseite „Naturaltraining.info“ wichtige Hintergrundinfos zum Thema Medikamentenmissbrauch, Nebenwirkungen sowie Hilfsangebote für Betroffene. „Man kann sich anonym per E-Mail oder telefonisch bei uns melden, wenn man konkrete Fragen hat oder Unterstützung beim Absetzen der Substanzen benötigt“, so der Experte.

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