< Bürgerwehren auf Einbrecherjagd

Kriminalitätsmonitor NRW

Die Polizeilichen Kriminalstatistiken sowohl des Bundes als auch des Landes NRW weisen seit einigen Jahren einen Rückgang der Anzahl der Wohnungseinbrüche aus. Dennoch sind immer noch unzählige Menschen betroffen: Bundesweit wurde im Jahr 2019 rund 87.000 Mal in Häuser oder Wohnungen eingebrochen, davon fast 27.000 Mal in Nordrhein-Westfalen. Der im Mai 2015 veröffentlichte „Kriminalitätsmonitor NRW – Wohnungseinbruch: Risikofaktoren, Anzeigeverhalten und Prävention“ der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle (KKF) berücksichtigt im Gegensatz zur PKS auch Fälle, die nicht zur Anzeige gebracht wurden und liefert wertvolle Hinweise für die Entwicklung von neuen Präventionskonzepten.

Zentrale Ergebnisse zur Verbreitung und Einschätzung von Schutzmaßnahmen

  • Insgesamt sind Präventionsmaßnahmen zum Einbruchschutz recht weit verbreitet; dazu zählen vor allem gesonderte Schlösser oder Gitter, Außenbeleuchtungen und Bewegungsmelder.
  • Der wichtigste Beweggrund für die Installation von Einbruchschutzmaßnahmen sind Informationen über deren schützende Wirkung (z. B. aus Gesprächen mit vertrauten Personen oder Anregungen aus Fernsehsendungen).
  • Personen, die keine Einbruchschutzmaßnahmen installiert haben, schätzen die bereits ergriffenen Maßnahmen als ausreichend ein oder sind von den vermuteten hohen Kosten abgeschreckt.

Zentrale Ergebnisse zur Installation von technischen Schutzmaßnahmen

  • Insgesamt sind Ein- oder Zweifamilienhäuser besser durch technische Präventionsmaßnahmen gegen Wohnungseinbruch gesichert als Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Wohneigentum verfügt ebenfalls über einen besseren technischen Einbruchschutz als gemieteter Wohnraum.
  • Mehrpersonenhaushalte verfügen über einen besseren technischen Einbruchschutz als Einpersonenhaushalte. Je höher das Nettoeinkommen von Haushalten ist, desto besser sind sie mit technischen Präventionsmaßnahmen ausgestattet.
  • Wenn Präventionsmaßnahmen als wirksam eingestuft werden, kommen sie deutlich eher zum Einsatz.

Mehr Präsenz in Sozialen Netzwerken

Die Ergebnisse des Kriminalitätsmonitors NRW in Sachen Wohnungseinbruch zeigen, dass Maßnahmen des polizeilichen Opferschutzes und der polizeilichen Nachsorge konsequent fortgeführt werden müssen – jedoch ohne bei den Bürgern überzogene Ängste zu schüren. Eine Personengruppe, deren Opferrisiko auf der Basis von Hellfelddaten aus der PKS bislang eher unterschätzt wurde, sind vor allem junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise die aktive Präsenz in Sozialen Netzwerken, um diese Zielgruppe unmittelbar ansprechen zu können. Die geringe Anzeigequote versuchter Delikte sollte sowohl auf Seiten der Bürger als auch der Polizei stärker in den Fokus gerückt werden. Die Bürger sollten darüber aufgeklärt werden, dass auch die Anzeige versuchter Delikte zur Ermittlung von Tätern von Bedeutung ist und von der Polizei ernst genommen wird. Trotz der verhältnismäßig guten Ausstattung der NRW-Bürger mit privaten, technischen Sicherungsmaßnahmen, sollte die Aufklärung über die Unverzichtbarkeit von Sicherungsmaßnahmen weiter mit Nachdruck vorangebracht werden. Bei der verstärkten Sicherung von gemietetem Wohnraum sind weniger die Mieter als vielmehr die Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften gefordert. Da Haushalte, die über ein geringeres Nettoeinkommen verfügen, schlechter durch technische Präventionsmaßnahmen gesichert sind, ließe sich durch eine verstärkte Information der Bürger bezüglich verhältnismäßig kostengünstiger und dennoch wirksamer Maßnahmen Abhilfe schaffen und möglicherweise übersteigerte Kostenerwartungen entkräften. MW (26.04.2019)

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