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Kriminalitätsmonitor NRW

Die Polizeilichen Kriminalstatistiken sowohl des Bundes als auch des Landes NRW weisen einen Rückgang der Anzahl der Wohnungseinbrüche aus. Dennoch sind immer noch unzählige Menschen betroffen: Bundesweit wurde im Jahr 2018 rund 98.000 Mal in Häuser oder Wohnungen eingebrochen, davon fast 30.000 Mal in Nordrhein-Westfalen.

Einbruch Studie

Erste deutsche Dunkelfeldstudie zum Wohnungseinbruchdiebstahl


Gescheiterte Wohnungseinbrüche werden häufig nicht angezeigt

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Die Polizeilichen Kriminalstatistiken sowohl des Bundes als auch des Landes NRW weisen einen Rückgang der Anzahl der Wohnungseinbrüche aus. Dennoch sind immer noch unzählige Menschen betroffen: Bundesweit wurde im Jahr 2018 rund 98.000 Mal in Häuser oder Wohnungen eingebrochen, davon fast 30.000 Mal in Nordrhein-Westfalen. Der im Mai 2015 veröffentlichte „Kriminalitätsmonitor NRW – Wohnungseinbruch: Risikofaktoren, Anzeigeverhalten und Prävention“ der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle (KKF) berücksichtigt im Gegensatz zur PKS auch Fälle, die nicht zur Anzeige gebracht wurden und liefert wertvolle Hinweise für die Entwicklung von neuen Präventionskonzepten.

Unterschiede zwischen Hell- und Dunkelfeld

Der Kriminalitätsmonitor NRW ist die erste deutsche Dunkelfeldstudie, die repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren eines gesamten Landes ist. Er umfasst insgesamt vier Umfrageperioden aus den Jahren 2007, 2008, 2009 und 2011 und kann die Kriminalitätsentwicklung innerhalb von fünf Jahren abbilden. Zentrales Anliegen der Studie war es, strukturelle Differenzen zwischen Hell- und Dunkelfelddaten aufzuzeigen. Dazu wurden Bürger befragt, ob sie bereits Opfer von Wohnungseinbruch geworden sind. Auf diese Weise war es möglich, auch über nicht angezeigte Delikte Erkenntnisse zu gewinnen und festzustellen, ob diese sich bezüglich der Tatumstände und der Tatschwere von den angezeigten und in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) verzeichneten Delikten unterscheiden.
Dargestellt werden außerdem zeitliche Entwicklungen, Risikofaktoren, das Anzeigeverhalten der Geschädigten, deren Zufriedenheit mit der polizeilichen Bearbeitung von Anzeigen sowie mit der Prävention von Wohnungseinbrüchen.

Methode

Die periodische, das heißt wiederholt durchgeführte Befragung der deutschsprachigen NRW-Bürger erfolgte telefonisch anhand von sogenannten computer assisted telefone interviews (CATI), bei denen die Interviewer die Fragen vom Bildschirm eines PC ablesen und die Antworten der Befragten dort direkt eingeben. Die Befragung verlief stichprobenartig. Dazu wurde in jedem der Erhebungsjahre unabhängig von der vorangehenden Befragung erneut eine Stichprobe aus den Einwohnern von NRW gezogen. So wurden in den Jahren 2007, 2008, 2009 und 2011 jeweils verschiedene Personen befragt.

Zentrale Ergebnisse zu den Risikofaktoren

  • Menschen, die in Wohnungen leben, sind stärker von Wohnungseinbrüchen betroffen als diejenigen, die in Ein- oder Zweifamilienhäusern leben.
  • Wohnungen, die im Erdgeschoss von Mehrfamilienhäusern liegen, sind stärker von Wohnungseinbrüchen betroffen als Wohnungen, die in höheren Stockwerken von Mehrfamilienhäusern liegen.
  • Gemeinden mit mehr Einwohnern sind stärker von Wohnungseinbrüchen betroffen als Gemeinden mit weniger Einwohnern.
  • Jüngere Menschen zwischen 18 und 34 Jahren sind stärker von Wohnungseinbrüchen betroffen als ältere Menschen.

Wohnungseinbrüche werden bevorzugt im Winterhalbjahr verübt

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Zentrale Ergebnisse zum Anzeigeverhalten

  • Tendenziell nimmt die Anzeigequote zwischen den Erhebungsjahren ab, was insbesondere auf den Rückgang der Anzeigen von versuchten Delikten zurückzuführen ist.
  • Ist die persönliche Belastung durch einen Wohnungseinbruch hoch, ist die Anzeigequote höher, als wenn keine oder eine geringe Belastung vorliegt.
  • Unterschiede von Personengruppen hinsichtlich der Anzeigequote werden oft besonders bei den versuchten Delikten deutlich: Bewohner größerer Mehrfamilienhäuser mit neun oder mehr Wohnungen, Personen ohne Berufsausbildung und jüngere sowie ältere Befragte zeigen versuchte Einbrüche seltener an. Im Falle von vollendeten Delikten ist die Anzeigequote durchgehend als hoch zu bezeichnen.
  • Die häufigsten Gründe für den Verzicht auf eine Anzeige sind die Einschätzung des Schadens als zu gering und die Vermutung, dass es nur geringe Erfolgsaussichten für eine Tataufklärung gibt. Geschädigte versuchter Wohnungseinbrüche gehen außerdem gelegentlich davon aus, die Polizei würde nicht tätig werden und schätzen teilweise den versuchten Wohnungseinbruch als nicht strafbar ein.

Zentrale Ergebnisse zur Zufriedenheit mit der polizeilichen Bearbeitung

  • Insgesamt ist die Zufriedenheit mit der polizeilichen Bearbeitung von Anzeigen wegen Wohnungseinbruchs innerhalb der Referenzzeiträume recht hoch.
  • Unzufriedenheit von Geschädigten versuchter Einbrüche resultiert insbesondere aus dem empfundenen mangelnden Interesse von Polizeibeamten und dem nicht als ausreichend empfundenen Tätigwerden. Unzufriedenheit von Geschädigten vollendeter Einbrüche resultiert vor allem daraus, dass die Polizei das Eigentum nicht wiedererlangen und den Täter nicht fassen konnte, aus Sicht der Geschädigten nicht ausreichend tätig wurde und im Schadensfall nach deren Meinung zu langsam am Tatort war.

Zentrale Ergebnisse zur Verbreitung und Einschätzung von Schutzmaßnahmen

  • Insgesamt sind Präventionsmaßnahmen zum Einbruchschutz recht weit verbreitet; dazu zählen vor allem gesonderte Schlösser oder Gitter, Außenbeleuchtungen und Bewegungsmelder.
  • Der wichtigste Beweggrund für die Installation von Einbruchschutzmaßnahmen sind Informationen über deren schützende Wirkung (z. B. aus Gesprächen mit vertrauten Personen oder Anregungen aus Fernsehsendungen).
  • Personen, die keine Einbruchschutzmaßnahmen installiert haben, schätzen die bereits ergriffenen Maßnahmen als ausreichend ein oder sind von den vermuteten hohen Kosten abgeschreckt.

Zentrale Ergebnisse zur Installation von technischen Schutzmaßnahmen

  • Insgesamt sind Ein- oder Zweifamilienhäuser besser durch technische Präventionsmaßnahmen gegen Wohnungseinbruch gesichert als Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Wohneigentum verfügt ebenfalls über einen besseren technischen Einbruchschutz als gemieteter Wohnraum.
  • Mehrpersonenhaushalte verfügen über einen besseren technischen Einbruchschutz als Einpersonenhaushalte. Je höher das Nettoeinkommen von Haushalten ist, desto besser sind sie mit technischen Präventionsmaßnahmen ausgestattet.
  • Wenn Präventionsmaßnahmen als wirksam eingestuft werden, kommen sie deutlich eher zum Einsatz.

Mehr Präsenz in Sozialen Netzwerken

Die Ergebnisse des Kriminalitätsmonitors NRW in Sachen Wohnungseinbruch zeigen, dass Maßnahmen des polizeilichen Opferschutzes und der polizeilichen Nachsorge konsequent fortgeführt werden müssen – jedoch ohne bei den Bürgern überzogene Ängste zu schüren. Eine Personengruppe, deren Opferrisiko auf der Basis von Hellfelddaten aus der PKS bislang eher unterschätzt wurde, sind vor allem junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise die aktive Präsenz in Sozialen Netzwerken, um diese Zielgruppe unmittelbar ansprechen zu können. Die geringe Anzeigequote versuchter Delikte sollte sowohl auf Seiten der Bürger als auch der Polizei stärker in den Fokus gerückt werden. Die Bürger sollten darüber aufgeklärt werden, dass auch die Anzeige versuchter Delikte zur Ermittlung von Tätern von Bedeutung ist und von der Polizei ernst genommen wird. Trotz der verhältnismäßig guten Ausstattung der NRW-Bürger mit privaten, technischen Sicherungsmaßnahmen, sollte die Aufklärung über die Unverzichtbarkeit von Sicherungsmaßnahmen weiter mit Nachdruck vorangebracht werden. Bei der verstärkten Sicherung von gemietetem Wohnraum sind weniger die Mieter als vielmehr die Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften gefordert. Da Haushalte, die über ein geringeres Nettoeinkommen verfügen, schlechter durch technische Präventionsmaßnahmen gesichert sind, ließe sich durch eine verstärkte Information der Bürger bezüglich verhältnismäßig kostengünstiger und dennoch wirksamer Maßnahmen Abhilfe schaffen und möglicherweise übersteigerte Kostenerwartungen entkräften.

MW (26.04.2019)

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