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Rechtsextremismus im Fußball

Sie skandieren rechte Parolen und zeigen Transparente mit ausländerfeindlichen oder antisemitischen Sprüchen – und das alles im Rahmen von Fußballspielen. Rechtsextremistische Gruppierungen innerhalb der Fußballfanszene sind zwar nicht neu, treten in letzter Zeit aber wieder vermehrt in Erscheinung. Betroffen sind große wie kleine Vereine gleichermaßen.

Konsequent gegen Fußballchaoten vorgehen 

Gewaltbereite Fans zerstören das friedliche Fußballerlebnis 

© adimas, fotolia

 

Sie skandieren rechte Parolen und zeigen Transparente mit ausländerfeindlichen oder antisemitischen Sprüchen – und das alles im Rahmen von Fußballspielen. Rechtsextremistische Gruppierungen innerhalb der Fußballfanszene sind zwar nicht neu, treten in letzter Zeit aber wieder vermehrt in Erscheinung. Betroffen sind große wie kleine Vereine gleichermaßen. 

Rechte Gesänge und Parolen 

Schon in den 1970er und -80er Jahren sorgte die so genannte „Borussenfront“ als rechtsextreme Gruppierung innerhalb der Fanszene von Borussia Dortmund bundesweit für Schlagzeilen. Und auch heute fallen Personen durch rechtsextremistische Äußerungen, Zeigen des Hitlergrußes oder eindeutige Spruchbänder auf. Ein Beispiel: Bei einem Landespokalspiel des TUS Sachsenhausen in Oranienburg, etwa 15 km nördlich von Berlin und in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen, entrollten rechtsextremistische Anhänger des Vereins ein Plakat mit der Aufschrift „Gas geben Sachsenhausen“. „Diese Personen waren an ihrer szenetypischen Kleidung und ihrem Auftreten eindeutig als Rechtsextreme zu erkennen. Hinzu kommt die generell staatsfeindliche Einstellung – besonders gegenüber der Polizei“, erklärt Sascha Braun, Justiziar der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Dies haben sie auch mit anderen gewaltsuchenden Fans gemein. „Wir reden in dem Bereich nicht von „Fans“, sondern der Begriff „Fußballchaoten“ setzt sich immer mehr durch. Das gilt allgemein für Menschen, die im Fußball gezielt Provokation, Eskalation und Gewalt suchen – und eben auch für solche mit rechtsextremer Einstellung“, so Braun. 

Fußball als Nachwuchsschmiede 

Die Fußballszene dient Rechtsextremisten aber auch zum Gewinnen von Nachwuchs, da viele Jugendliche in der Fanszene unterwegs sind. Auch wenn diese bislang nicht im rechtsextremistischen Milieu unterwegs sind, fällt die Ansprache oft nicht schwer. „Der Fußball wird von Rechtsextremisten als Schauplatz genutzt, um zu emotionalisieren, seine Staatsferne auszudrücken und Feindbilder zu generieren. Sie setzen das Thema Fußball quasi in ideologische Klammern und nutzen die Gewaltbereitschaft, die eventuell sowieso schon vorhanden ist“, so Sascha Braun. Inwieweit rechtsextreme Fans in den einzelnen Vereinen vertreten sind, lässt sich schwer sagen. Die Problematik ist den Vereinen bewusst, konkrete Zahlen lassen sich aber nur schwer nennen. „Die Erfahrung zeigt, dass es in den großen Bundesliga-Vereinen eine intensivere Fanarbeit gibt, weil sie finanziell einfach besser ausgestattet sind. Rechtsradikale Gruppierungen können sich hier nicht so leicht breit machen“, so der GdP-Justiziar. „Bei manchen kleineren Vereinen sieht das anders aus.“ 

Sascha Braun

Justiziar der GdP, © GdP

Fanarbeit gegen gewaltbereite Fußballchaoten 

Innerhalb der Vereine wird teilweise bereits einiges getan, um Fußballchaoten möglichst wenig Raum zu geben und um konkret gegen sie vorzugehen. Eine intensive Fanbetreuung sowie die Bildung von Fanprojekten und -netzwerken kann viel dazu beitragen, dass gewaltbereite oder rechtsextreme Gruppierungen gar nicht erst an Boden gewinnen. „Der GdP ist bewusst: Kein Verein kann per se etwas für seine Fans oder die individuellen Einstellungen Einzelner. Denn jeder Fan ist ein erwachsener Mensch, der sich selbstständig äußert. Aber: Wir fordern von den Vereinen eine glasklare und eindeutige Abgrenzung gegenüber allen gewalttätigen Verhaltensweisen von Fans, besonders, wenn diese zusätzlich politisch motiviert sind. Die deutliche Abgrenzung ist die Verantwortung, der die Vereine gerecht werden müssen. Und hier gibt es sicher noch weiteren Handlungsbedarf“, so Braun. Ein Verein hat es in der Hand, welche Fanprojekte wie betreut werden und welche Unterstützung geboten wird: Etwa, wie viele Züge für den Transport zu Spielen organisiert werden. „Man kann dann ja durchaus als Sicherheits- oder Fanbeauftragter oder Präsident eines Vereins klar kommunizieren: Wir akzeptieren gewalttätiges und menschenverachtendes Verhalten nicht und verurteilen das. Die Botschaft gegenüber Fußball-Chaoten, zumal vom rechten Rand, muss sein: Ihr seid hier nicht willkommen“, betont Braun. Das könne auch über die Vereinszeitungen oder Ansprachen vor Spielen klargemacht werden. Die Vereine hätten in diesem Bereich genügend Handlungsmöglichkeiten – bis hin zur Verweigerung logistischer Leistungen oder Ausschlüssen aus dem Verein. Wichtig sei, dass der Vereinsführung das Problem bewusst sei und man entsprechend konsequent handele. 

Sich von Krawallmachern distanzieren 

Auch als Fan kann man sich klar gegen Gewalt und Rechtsextremismus stellen, indem man sich in den Fanprojekten engagiert, die friedlich und kommunikationsbereit sind. „Diese Projekte setzen zum Beispiel auf Dialog und auf Kooperationsbereitschaft mit der Polizei. Die GdP lehnt die Fanorganisationen, ab, die Null-Kommunikation mit der Polizei vertreten und in erster Linie auf Krawall aus sind.“ Wer sich von diesen Chaoten abgrenzen wolle, könne sich in den Projekten engagieren, die Fanfreundschaften mit anderen Vereinen fördern und von sich sagen: Wir sind multinational und für alle offen. Unsere Liebe gilt dem Verein und dem friedlichen Fußball. „Natürlich kann man als einzelner Fan nicht auf eine Gruppe von zehn oder fünfzehn Problemfans, vielleicht auch noch mit rechtsextremistischem Hintergrund zugehen – das kann man von niemandem verlangen. Aber indem man sich in den friedlichen Vereinen engagiert und diese stark macht, schwächt man die anderen“, so der GdP-Justiziar. „Denn im Endeffekt handelt es sich immer noch um einen kleine Anzahl gewaltbereiter Personen, der eine große Masse an friedlichen Fans gegenübersteht.“ SW (07.03.2014) 

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