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Scientology in Deutschland

Die Scientology-Organisation ist seit einigen Jahren weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Dennoch steht die Organisation in Deutschland unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Welche Entwicklungen hat es bei Scientology in den letzten Jahren gegeben? Wie versucht die Organisation neue Mitglieder zu gewinnen? Dr. Stefan Schnöckel vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg erklärt Hintergründe und Zusammenhänge.

Wirtschaftsinteressen stehen immer im Mittelpunkt

Wer einmal Mitglied der Scientology-Organisation ist, findet nur schwer einen Weg hinaus

© CC-Verlag

Die Scientology-Organisation ist seit einigen Jahren weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Dennoch steht die Organisation in Deutschland unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Welche Entwicklungen hat es bei Scientology in den letzten Jahren gegeben? Wie versucht die Organisation neue Mitglieder zu gewinnen? Dr. Stefan Schnöckel vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg erklärt Hintergründe und Zusammenhänge.

Herr Schnöckel, warum wird Scientology überhaupt vom Verfassungsschutz beobachtet?

Die Beobachtung hat Ende der 1990er Jahre aufgrund der programmatischen Ausrichtung der Organisation gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung begonnen. Ziel von Scientology ist die Errichtung eines totalitären Systems, in dem Grundrechte wie Meinungs- oder Pressefreiheit eingeschränkt wären. Außerdem setzt sich die Organisation für eine Zweiteilung der Gesellschaft ein. Auf der einen Seite stehen die Scientologen, denen sämtliche Rechte zustehen, auf der anderen alle anderen Menschen, welche die Organisation als „Aberrierte“, also Geisteskranke ansieht, denen die Grundrechte entzogen gehören. All das sind verfassungsfeindliche Bestrebungen – daher greift die Zuständigkeit des Verfassungsschutzes. 

Scientology steht in Deutschland unter Beobachtung des Verfassungsschutzes

© Vege/adobe.stock.com

Wie kommt der Verfassungsschutz denn an Informationen?

Einerseits gewinnen wir Erkenntnisse aus öffentlich zugänglichen Quellen – etwa wenn sich Scientology selbst mit Informationen an die Öffentlichkeit wendet. Andererseits werden aber auch nachrichtendienstliche Mittel zur Informationsbeschaffung eingesetzt. Das kann etwa der Einsatz von Vertrauensleuten sein, mit denen man längerfristig zusammenarbeitet oder von so genannten Gewährspersonen, die einem eher punktuell behilflich sind. Dann kommen Observationen oder versteckte Bild- und Tonaufnahmen in Frage. Aus dieser Palette wählt man das aus, was gerade benötigt wird. Wer beobachtet wird, ändert sich – das hängt davon ab, wo die Organisation ihre aktuellen Schwerpunkte setzt.

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es derzeit bei Scientology?

Die Organisation expandiert nicht mehr so stark, wie das noch in den 1990er Jahren der Fall war. Damals verzeichnete Scientology exorbitante Zuwachsraten bei den Mitgliederzahlen. Heute stagnieren die Mitgliederzahlen. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass es bundesweit etwa 3.500 Mitglieder gibt. Diese sind auf wenige Ballungszentren konzentriert. Dazu gehört Baden-Württemberg, wo das organisatorische Netz am dichtesten ist, außerdem noch Bayern und Hamburg. In manchen Bundesländern spielt Scientology aber kaum eine Rolle – dort stehen sie auch nicht unter Beobachtung.

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