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Betrügerische Spendensammler

Vor allem in den Sommermonaten, wenn sich viele Menschen in der Fußgängerzone, im Einkaufszentrum oder in Cafés tummeln, zieht es sie nach draußen: „Klemmbrett-Betrüger“, die arglose Passanten mit einer gefälschten Spendenliste ansprechen und behaupten, für einen gemeinnützigen Zweck zu sammeln. Hier ist Vorsicht geboten – denn schnell gelangt nicht nur das gespendete Kleingeld, sondern gleich der gesamte Inhalt der Geldbörse oder das teure Smartphone in die Hände der Betrüger. Wie es so weit kommt, wer die Täter sind und wie Bürgerinnen und Bürger der Betrugsmasche ausweichen können, erklärt Klaus Tigges vom Bochumer Kriminalkommissariat Kriminalprävention / Opferschutz.

Mit dem Klemmbrett durch die Fußgängerzone

Klemmbrett-Betrüger haben es häufig auf ältere Menschen abgesehen

© Gerhard Seybert, fotolia 

 

Vor allem in den Sommermonaten, wenn sich viele Menschen in der Fußgängerzone, im Einkaufszentrum oder in Cafés tummeln, zieht es sie nach draußen: „Klemmbrett-Betrüger“, die arglose Passanten mit einer gefälschten Spendenliste ansprechen und behaupten, für einen gemeinnützigen Zweck zu sammeln. Hier ist Vorsicht geboten – denn schnell gelangt nicht nur das gespendete Kleingeld, sondern gleich der gesamte Inhalt der Geldbörse oder das teure Smartphone in die Hände der Betrüger. Wie es so weit kommt, wer die Täter sind und wie Bürgerinnen und Bürger der Betrugsmasche ausweichen können, erklärt Klaus Tigges vom Bochumer Kriminalkommissariat Kriminalprävention / Opferschutz.

Die kriminelle Masche 

Das Vorgehen der Täter ist im Prinzip immer gleich. Es gibt verschiedene „Maschen“, die sich ähneln und alle über ein geschicktes Ablenkungsmanöver funktionieren. Die gängigste Methode ist, Passanten auf der Straße oder in der Fußgängerzone anzusprechen. Auch Einkaufszentren und Supermärkte sind beliebte Orte. Die Klemmbrett-Betrüger tauchen meistens in kleinen Gruppen auf, von denen eine Person ein Klemmbrett mit einer Spendenliste bei sich trägt. Die Gruppe behauptet, für einen gemeinnützigen Zweck oder eine unbekannte Hilfsorganisation zu sammeln. „In der Regel stehen schon zwei bis drei gefakte Eintragungen auf der Spendenliste, die den Anschein erwecken sollen, dass man nicht der Erste ist und stattdessen denkt, aha, da wird schon fleißig gespendet!“, so Tigges. Sobald ein Passant gefunden ist, der bereit ist zu spenden und seine Geldbörse aus der Tasche holt, wird er mit besagtem Klemmbrett abgelenkt, indem ihm das Formular erklärt oder er gebeten wird, seinen Namen auf die Liste zu schreiben. Diesen Moment der Ablenkung nutzt ein anderer Täter der Gruppe, um blitzschnell mehrere Geldscheine aus dem Portemonnaie des Opfers zu ziehen oder andere Wertgegenstände zu entwenden. Die Klemmbrett-Betrüger entscheiden spontan wie weit sie gehen, je nachdem, wie sich das Opfer verhält und ob die Gelegenheit günstig ist. „Manchmal geben sie sich mit der illegalen Spendensammlung zufrieden. Wenn es die Situation zulässt, kommt dann zusätzlich das Klemmbrett als Sichtschutz zum Einsatz, um an noch mehr Geld zu kommen“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Klemmbrett-Betrüger halten in der Fußgängerzone bevorzugt nach älteren Menschen Ausschau, die grundsätzlich als spendenwilliger gelten und oft leichter abzulenken sind – prinzipiell kann es aber jeden treffen. Eine Alternative zu den klassischen Klemmbrett-Betrügern sind die so genannten „Rosenverschenker“. Für die Rose, die man angeblich geschenkt bekommen hat, wird, sobald man sie angenommen hat, massiv eine Spende eingefordert – teilweise wieder verbunden mit Gelbörsen- oder Handydiebstahl. „Spenden Sie, werden Sie als Dank dafür häufig freudig umarmt und merken währenddessen natürlich nicht, wenn Ihnen das Portemonnaie aus der Jackentasche gezogen wird“, warnt Tigges. 

Vorsicht an Außentischen von Cafés und Lokalen 

Häufig gehen Klemmbrett-Betrüger gezielt auf Menschen zu, die in Straßencafés oder an Außentischen von Restaurants und Gaststätten sitzen. Hier haben sie es vor allem auf hochwertige Smartphones abgesehen, die achtlos auf den Tischen abgelegt worden sind. Auch hier wird das Klemmbrett als Sichtschutz verwendet, um in einem unbemerkten Moment an das Smartphone zu gelangen. „Gerade draußen können die Täter schnell wieder in der Menschenmenge verschwinden, bevor der Verlust auffällt“, meint Tigges. „Anders als beim Schlendern durch die Fußgängerzone haben es die Betrüger hier vor allem auf jüngere Opfer abgesehen, die mit den neusten mobilen Geräten ausgestattet sind.“ Auch wenn der Trend der Betrugsmasche derzeit eher zurück geht und die Fallzahlen insgesamt gesunken sind, sollte man wachsam bleiben. „Wie viele Klemmbrett-Betrüger unterwegs sind, hängt teilweise von der Saison ab. Man muss abwarten, wie sich der Trend im Laufe des Sommers weiterentwickelt. Wenn die Leute wieder öfters draußen sind und in der Fußgängerzone Cafés und Lokale bevölkern, kann es gut sein, dass die Fallzahlen wieder steigen“, vermutet Tigges. 

In Straßenlokalen sollte man keine Wertgegenstände wie Smartphone oder Portemonnaie auf den Tisch legen

© berc, fotolia

Am Geldautomaten 

Nicht selten tauchen Klemmbrett-Betrüger auch an Geldautomaten auf. Die Opfer werden gezielt ausgesucht – nachdem die PIN eingegeben wurde, folgt das Ablenkungsmanöver mittels Klemmbrett oder Flyer. Die Leute werden dabei teilweise massiv vom Automaten weggedrängt. Entweder wird „nur“ das frisch gezogene Geld aus dem Geldschacht gestohlen oder es wird blitzschnell der Höchstbetrag eingegeben. „Es steht deshalb die Forderung im Raum, alle Geldautomaten so einzustellen, dass erst der Geldbetrag eingegeben werden muss und anschließend die PIN, damit der Betrüger den Betrag nicht noch schnell selbst erhöhen kann. Leider sind die Geldautomaten immer noch unterschiedlich programmiert, was diesen Ablauf betrifft“, bemerkt Klaus Tigges. 

Das Schicksal der jungen Täter 

Bei den Tätern handelt es sich meistens um junge Frauen und Männer südosteuropäischer Herkunft, die in der Regel nicht älter als 25 Jahre alt und in vielen Fällen noch minderjährig sind. „Beim Betteln um Spenden sind es häufiger Mädchen, die auf die Passanten zugehen, während wir es beim Bedrängen am Geldautomaten eher mit männlichen Tätern zu tun haben – hier geht es ja auch um den höheren Kraftaufwand“, erklärt Tigges. 

Es liegt außerdem die Vermutung nahe, dass die jungen Täterinnen und Täter von Hintermännern – möglicherweise Familienmitgliedern – gesteuert werden, die sich versteckt halten und die Mädchen und Jungen zu den Betrugstaten zwingen. „Es ist schwierig, in diesem Bereich genaueres festzustellen. Die Aussagebereitschaft der festgenommenen Täter ist erwartungsgemäß nicht sonderlich hoch“, so Tigges. „Nach der Vernehmung werden die Jugendlichen an eine Jugendschutzstelle übergeben und sind danach relativ schnell wieder verschwunden.“ Vor allem wenn sie noch strafunmündig sind, seien weitere polizeiliche Maßnahmen schwierig. 

Wie man sich am besten schützen kann 

„Das oberste Gebot lautet in jedem Fall ‚Abstand halten!‘ und schon gar nicht die Geldbörse rausholen“, empfiehlt Klaus Tigges. „Es ist immer besser, über den schriftlichen Weg von zuhause aus an eine bekannte Organisation zu spenden. Wenn man dennoch gerne auf der Straße einem armen Menschen ein paar Münzen schenkt, sollte man vorbereitet sein und für solche Fälle loses Kleingeld in Hosen- oder Jackentasche bereithalten.“ 

Wird man massiv bedrängt, etwa am Geldautomaten, sei es wichtig, Öffentlichkeit herzustellen und für Aufmerksamkeit zu sorgen, indem man beispielsweise Bankangestellte oder andere Kunden ganz gezielt anspricht und um Hilfe bittet. „Senioren wird generell empfohlen, beim Geldabholen am Automaten eine Vertrauensperson mitzunehmen – vor allem bei größeren Geldbeträgen. Diese kann den Vorgang überwachen und schreckt mögliche Täter ab.“, rät der Kriminalhauptkommissar. 

KL (25.04.2014) 

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