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„Wir dürfen nicht nachlassen!“

In Deutschland lebt etwa jedes fünfte Kind in einer suchtbelasteten Familie. Kinder suchtkranker Eltern sind besonders anfällig dafür, irgendwann in ihrem Leben selbst eine Sucht zu entwickeln. Deswegen stehen Kinder aus suchtkranken Familien beim diesjährigen Drogen- und Suchtbericht besonders im Fokus. Im Interview mit PolizeiDeinPartner spricht Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, über die aktuellen Ergebnisse des Drogen- und Suchtberichts, die Gefahren des globalisierten Drogenmarktes und die neuen Herausforderungen für die Drogenprävention.

Marlene Mortler

Drogenbeauftragte der Bundesregierung, © Elaine Schmitt

Welche Zielgruppe liegt Ihnen bei der Drogen- und Suchtprävention besonders am Herzen?

Ich habe immer gerade Kinder und Jugendliche im Blick. Sie sind einfach am verwundbarsten. Da haben wir in den letzten Jahren extrem viel angeschoben, aber das ist auch nötig. Denken Sie nur daran, wie schwierig es für viele Jugendliche ist, einen gesunden Medienkonsum zu erlernen. Internetabhängigkeit ist heute leider ein Breitenphänomen geworden. Eine Studie der Deutschen Allgemeinen Krankenkasse (DAK) von 2016 zeigt etwa, dass jeder zwölfte junge Mann zwischen 12 und 25 Jahren auf eine krankhafte Weise nicht mehr von Computerspielen loskommt. Viele sehen die Antwort allein beim Erlernen von Medienkompetenz. Das ist fast richtig. Was wir aber auch brauchen, ist die Bereitschaft der Spielewirtschaft, weniger suchtgefährdende Spiele herzustellen. Außerdem müssen die Alterseinstufungen für Spiele endlich auch das Thema Sucht berücksichtigen. Woran sollen sich Eltern sonst orientieren?

Marlene Mortler wurde am 16. Oktober 1955 im fränkischen Lauf an der Pegnitz geboren. Die Politikerin ist seit 2002 Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Seit dem 15. Januar 2014 ist sie als Drogenbeauftragte der Bundesregierung im Amt. Sie koordiniert die Arbeit der Bundesressorts und vertritt sie gegenüber der Öffentlichkeit. Gleichzeitig setzt sie sich mit Initiativen für die Weiterentwicklung der Suchtprävention und des Hilfesystems ein.

Auf welche erfreulichen Entwicklungen blicken Sie hinsichtlich des Drogen- und Suchtberichts zurück?

Da gibt es eine Menge. Hier nur ein paar Beispiele: Wir haben in den letzten Jahren beim Alkohol- und Tabakkonsum junger Leute ganz klar eine Trendwende geschafft. Die Zahl der jugendlichen Raucher ist in den letzten 20 Jahren sogar um zwei Drittel zurückgegangen. Das ist wichtig, denn unter dem Strich sterben in Deutschland ja mehr als hundert Mal so viele Menschen an diesen Drogen als an allen anderen zusammen. Erfreulich finde ich auch, dass es uns in den letzten Jahren gelungen ist, bei der Prävention und Behandlung von Chrystal Meth-Abhängigkeiten einen Riesenschritt voranzukommen. Damit ist die Gefahr nicht gebannt, wir stehen ihr aber auch nicht mehr hilflos gegenüber.

FL (29.09.2017)

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