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Was kann ich gegen Cybermobbing tun?

Jan ist 13 Jahre alt und geht in die siebte Klasse. Seit einigen Wochen machen ihm ein paar Klassenkameraden das Leben zur Hölle. Blöde Sprüche auf dem Schulhof und gemeine Nachrichten und Drohungen sind zu Jans Alltag geworden. Außerdem posten sie peinliche Bilder von ihm auf Facebook und setzen Gerüchte über ihn in die Welt. Als er eines Montags die Schule schwänzt, kommt er zufällig beim Jugendamt vorbei. Der Aushang „Was kann ich gegen Cybermobbing tun?“ lässt ihn innehalten. Er kommt näher und betrachtet ihn genauer. Dabei trifft er auf Petra Kogelheide. Sie ist Jugendpsychologin und hat schon viele Kinder und Jugendliche zu Cybermobbing beraten. Die beiden kommen ins Gespräch:



Jan: Liegt das denn an mir, dass die anderen mich ärgern? Hätte ich irgendwas anders machen können, um zu verhindern, dass die mich so behandeln?

Petra Kogelheide: Nein, das liegt auf keinen Fall an dir! Aus meinem Arbeitsalltag weiß ich: Immer mehr Kinder und Jugendliche versuchen, ihren eigenen Frust, ihre Angst und ihren ziellosen Hass zu kompensieren, indem sie andere schikanieren. Das machen übrigens auch viele Erwachsene. Es ist oft wie ein Ventil, das ihnen vorübergehend ein Gefühl von Macht verschafft, sie aber trotzdem nicht glücklich macht oder erleichtert. Es ist gefährlich, nichts dagegen zu tun oder es einfach zu ertragen. Denn der Hass oder die Lust, andere zu quälen, verstärken sich, wenn die Mobber merken, dass sie damit durchkommen. Man muss ihnen klare Grenzen setzen.

 

Petra Kogelheide

Abteilungsleiterin Jugendpsychologisches Institut beim Jugendamt Essen, © W. Möller/privat

Jan: Was bedeutet das? Soll ich vielleicht einfach zurückärgern und Lügen über die in die Welt setzen?

Petra Kogelheide: „Einfach zurückärgern“ ist keine gute Lösung. Das löst den Konflikt nicht. Dadurch kann eher eine Art Wettrennen der Gemeinheiten und gegenseitigen Attacken beginnen. Wenn du einer gegen viele bist, bringt das nichts. Du kannst dich aber verteidigen, indem du in der Öffentlichkeit möglichst keine Gefühle wie Wut oder Angst zeigst. Denn das wollen die Mobber erreichen. Gehe aus der Situation heraus oder formuliere ganz einfach und klar „Weißt du, wie verletzend das ist?“ oder „Ich will, dass du sofort aufhörst!“. Du hast doch auch von deinen Freunden gesprochen, die das irgendwie doof finden. Sprich mit ihnen darüber und beziehe sie mit ein. Sie sollten sich auf deine Seite stellen – neben dir stehen.

 

Auch wenn du gemeine Nachrichten am liebsten sofort löschen würdest – tu es nicht! Wenn du zur Polizei gehen willst, um die Mobber anzuzeigen, ist es wichtig, diese „Beweise“ zu speichern, also Screenshots von fiesen Nachrichten zu machen. Du kannst Beleidigungen auch direkt in den Diensten, in denen sie auftauchen, melden, etwa bei Facebook. Dann kannst du diejenigen, die dir das schicken, blockieren.

Jan: Meine Noten werden immer schlechter, weil ich Angst habe, aufzuzeigen. Mit meiner Lehrerin will ich aber eigentlich nicht sprechen. Meine Mutter merkt natürlich auch, dass irgendwas nicht stimmt, aber ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll. Ich habe das Gefühl, wenn ich das irgendwem sage, stehe ich als Petze da…

Petra Kogelheide: Such dir Hilfe bei einem Menschen, dem du dich anvertrauen kannst. Mütter verteidigen ihre Kinder manchmal wie eine Löwin und Lehrer kennen Methoden, um etwas zu unternehmen. Du kannst dich auch an die Polizei wenden und dich beraten lassen oder in eine Familienberatungsstelle gehen. Sie unterstützen dich, wenn es sein soll, auch anonym, ohne deine Eltern zu informieren. Die Beratung kostet nichts, du bekommst schnell einen Termin und nichts wird weitergesagt. Die Fachleute dort sind sehr gut vernetzt und können, wenn du es möchtest, auch für dich mit der Schule, der Polizei oder Schulberatungsstellen Kontakt aufnehmen.

Weitere Tipps bei Cybermobbing

 

FL (28.09.2018)

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