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Gewalt gegen Senioren

Im September 2017 drangen im hessischen Rodgau vier Männer in das Wohnhaus eines Senioren-Ehepaars ein. Sie überwältigten und fesselten die 67 und 68 Jahre alten Bewohner. Anschließend durchsuchten sie die Wohnräume nach Wertgegenständen und flohen mit der Beute. Eine solche Tat ist kein Einzelfall: Immer wieder werden ältere Menschen zum Opfer von Diebstahl, der auch unter Gewaltanwendung stattfinden kann – zuhause und auf offener Straße.

Vor Trickbetrug und Raubüberfall schützen


Am Telefon sollten keine persönlichen Informationen preisgegeben werden

© highwaystarz, fotolia

 

Im September 2017 drangen im hessischen Rodgau vier Männer in das Wohnhaus eines Senioren-Ehepaars ein. Sie überwältigten und fesselten die 67 und 68 Jahre alten Bewohner. Anschließend durchsuchten sie die Wohnräume nach Wertgegenständen und flohen mit der Beute. Eine solche Tat ist kein Einzelfall: Immer wieder werden ältere Menschen zum Opfer von Diebstahl, der auch unter Gewaltanwendung stattfinden kann – zuhause und auf offener Straße.

Täter werden brutaler

„2016 sind 62.000 Seniorinnen und Senioren Opfer einer Straftat geworden – 31 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor“, erklärt Wolfgang Spies, der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. Besorgniserregend ist für den Kripoexperten auch die Zahl der Raubüberfälle in Wohnungen. Sie lag 2016 bei 2.638 Fällen. 17 Prozent der Opfer waren über 60 Jahre alt. Auffällig ist zudem die zunehmende Brutalität, mit der die Täter vorgehen. „Insgesamt kann man in der Gesellschaft einen zunehmenden Mangel an Respekt feststellen und niedrigere Hemmschwellen, Gewalt auszuüben. Das spiegelt sich dann auch in diesem Bereich wider. Die Täter scheuen sich weniger, auch gegenüber älteren und gebrechlichen Menschen gewalttätig zu werden“, so Spies. Der Übergang vom Trickbetrug zu brutaleren Vorgehensweisen sei dabei fließend – vor allem, wenn die Opfer Gegenwehr leisten.

Aus Trickbetrug wird Raub

Auch wenn es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen kommt, steht der Trickbetrug im Vordergrund. Die Täter sind einfallsreich und geben sich als Postbote, Stromableser oder Mitarbeiter anderer offizieller Stellen aus. Manchmal klingeln sie auch und fragen, ob sie zur Toilette dürfen. Während ein Komplize die Senioren ablenkt, stehlen die Täter dann Schmuck und Bargeld. „Häufig werden ältere Menschen auch im Vorfeld per Telefon ausgehorcht. Die Täter versuchen auf diese Weise herauszufinden, ob dort etwas zu holen ist. Sie geben sich etwa als Mitarbeiter der Bank aus und fragen zum Beispiel nach, ob und wie viel Geld angelegt wurde“, erklärt der Experte. Viele ältere Menschen würden am Telefon bereitwillig Auskunft zu persönlichen Dingen geben und machten sich somit zum leichten Ziel. Im Anschluss tauchen die Täter bei dem Opfer auf und nehmen nicht nur Bargeld und Schmuck mit, sondern beharren auch auf Zugangsdaten zu Konten oder Safes – weil sie wissen, dass es etwas zu holen gibt. Wolfgang Spies: „Besonders ältere Menschen versuchen in so einer Situation vielfach zu schweigen, weil sie verständlicherweise Angst um ihr oftmals schwer erarbeitetes Hab und Gut haben. Dann haben viele Täter aber keine Hemmungen, auch Gewalt anzuwenden.“ Manche Täter beobachten auch Geldautomaten und folgen Seniorinnen und Senioren anschließend. „Manche ältere Dame macht sich für den Besuch bei der Bank noch extra schick und legt all ihren Schmuck an. Auch damit spielt man den Tätern in die Hände.“

Wolfgang Spies

Stellvertretender Landesvorsitzender NRW der Gewerkschaft der Polizei, © GdP

Keine Gegenwehr leisten

Um sich zu schützen, rät der GdP-Experte, Ruhe zu bewahren und in keinem Fall Gegenwehr zu leisten. Außerdem sollte man den Tätern alle geforderten Informationen zur Verfügung zu stellen: „Die Gesundheit geht in jedem Fall vor, man sollte hier kein Risiko eingehen. Denn die meisten Gegenstände lassen sich ersetzen, und für entstandene Schäden tritt in der Regel die Versicherung ein“, betont Spies. Oft schwerwiegender als der Sachschaden ist jedoch die psychische Belastung, die durch solch ein traumatisches Erlebnis entstehen kann. Viele haben nach einem Überfall Angst, einige sind sogar kaum noch in der Lage, alleine zu Hause zu bleiben. „Wer nach einem Überfall Probleme hat, das Geschehene zu verarbeiten, sollte sich an eine Opferschutzorganisation wenden. Der „Weiße Ring“ zum Beispiel bietet in solch einer Situation schnelle Hilfe an und kann etwa eine psychologische Betreuung vermitteln“, erklärt der Experte.

Richtiges Verhalten üben, Übergriffen vorbeugen

In vielen Städten gibt es Selbsthilfeorganisationen, die zum Beispiel mit den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen oder dem Weißen Ring zusammenarbeiten und spezielle Sicherheitsberatungen anbieten. Dort werden Infos zum richtigen Verhalten vermittelt und wichtige Fragen geklärt: Wie verhalte ich mich, wenn ich Geld abheben möchte? Wie empfängt man fremde Personen sicher an der Haustür? Was mache ich, wenn mich jemand am Telefon um persönliche Infos bittet? Oftmals werden diese Veranstaltungen von älteren Menschen selbst geleitet. „Die Hemmschwelle, eine solche Veranstaltung zu besuchen, ist dann oft niedriger, weil die Teilnehmer das Gefühl haben, sie können auf Augenhöhe mit jemandem sprechen. Außerdem haben sie weniger Hemmungen, Fragen zu stellen und fühlen sich weniger hilflos“, weiß Spies.

Türen und Fenster sichern

Neben dem richtigen Verhalten kommt es auch auf eine gute Sicherung der eigenen vier Wände an. „Besonders für ältere Menschen sind Türspione und Sperrriegel wichtig, damit sie direkt sehen, wer vor der Tür steht und die Tür nicht einfach so aufgedrückt werden kann“, betont der GdP-Experte. Aber auch die Unterstützung von Angehörigen ist gefragt: Ältere Menschen sollte man immer wieder darauf hinweisen, keine persönlichen Informationen am Telefon herauszugeben oder die Tür nicht vorschnell für Fremde zu öffnen. Wolfgang Spies: „Familienmitglieder oder gute Freunde können sich auch selbst einbringen, indem sie zum Beispiel anbieten, mit zum Geldautomaten zu kommen oder Überweisungen online zu tätigen. Großeltern freuen sich sicher auch darüber, wenn der Enkel oder die Enkelin sie unterstützen und zum Beispiel mit ihnen zusammen an einer Informationsveranstaltung zum Schutz von Senioren teilnehmen.“

MW (27.10.2017)

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