< Orientierung durch Präventionsunterricht

Hart am Limit – konkret vor Ort

Der Arbeitskreis „Suchtprävention“ in Greifswald bildete sich 2009 für die lokale Umsetzung des bundesweiten Präventionsprojekts „Hart am Limit (HaLT)“. Es versteht sich als niedrigschwelliges, zeitlich begrenztes Projekt zur Frühintervention bei übermäßigem Alkoholkonsum. Ziel von „HaLT“ ist es, die Bevölkerung für die Gefahren eines unkontrollierten Alkoholkonsums zu sensibilisieren und sie zu einem maßvollen und verantwortlichen Umgang mit alkoholischen Getränken zu motivieren. Greifswald begann hier nicht bei Null. Schon seit Beginn der Neunziger Jahre leistet die Regionalstelle für Konfliktbewältigung und Suchtvorbeugung (RSK) unersetzliche Arbeit im Bereich der Gewalt- und Suchtprävention.

Aktionswochen im Mai

Zu den Schwerpunkten gehört die Alkoholprävention in den 6. und 7. Klassen. In den Unterricht gehen Fachleute aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen und stellen ihre ganz persönliche Sicht auf die Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums bis hin zum sogenannten Komasaufen dar. Eine Ärztin berichtet aus dem Alltag der Notfallaufnahme. Fachberaterinnen aus der Ambulanz für Alkohol- und Drogenkranke sprechen darüber, wer bei ihnen Rat und Hilfe sucht. Der Präventionsbeauftragte der Polizei berichtet von seinen Erfahrungen mit alkoholisierten Tätern. Sie alle stellen konkrete Fälle aus eigenem Erleben vor. „Diese Vorträge und die Beantwortung der Fragen, die sich daraus ergeben, haben sich als viel eindrucksvoller und nachhaltiger erwiesen als das Vermitteln von theoretischem Wissen im Chemie- oder Sozialkundeunterricht“, meint Christine Dembski, die den Arbeitskreis im Greifswalder Rathaus koordiniert. In allen Neunten Klassen der Greifswalder Schulen setzen sich die Jugendlichen dann noch einmal kreativ mit dem Thema Alkoholmissbrauch auseinander: Es entstehen Comics, Songs oder Kurzgeschichten, die dann am Ende des Schuljahres vorgestellt und prämiert werden.

Die Polizei in Greifswald informiert im Rahmen des „Arbeitskreises Suchtprävention“ zum Thema Alkohol und Nikotin

© C. Dembski, Universitäts- und Hansestadt Greifswald

Als Alko-Tester unterwegs

Zu besonders heiklen Anlässen wie dem „Vatertag“ oder zum Schuljahresabschluss sind in Sachen Prävention ausgebildete Studentinnen und Studenten an den Orten unterwegs, wo die Jugendlichen feiern. Sie haben Alkohol-Testgeräte dabei, wie sie auch von der Verkehrspolizei eingesetzt werden, und fordern die Kinder und Jugendlichen auf, doch mal hinein zu pusten und ihren Alkoholpegel zu messen. Christine Dembski: „Danach kommt meist ein Gespräch über ihren Alkoholkonsum zustande. Weil die Studierenden nicht als autoritäre Vertreter des Staates oder der Polizei angesehen werden, reden die Jugendlichen oft offen über ihren Alkoholkonsum und sind für die Präventionsbotschaften erreichbar.“

Die Schülervorlesung

Alle zwei Jahre findet für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 11 außerdem eine sogenannte „Schülervorlesung“ statt. In diesem Rahmen referieren drei Fachleute jeweils zwanzig Minuten lang über ihren fachlichen Zugang zum Thema Alkoholmissbrauch. „Ein Rechtsanwalt berichtet dann über die rechtlichen Folgen von Taten, die unter Alkoholeinfluss verübt werden. Ein Arzt erklärt, welche Folgen der Alkoholmissbrauch für den Körper hat und ein Epidemiologe von der Universität Greifswald erläutert, welches Ausmaß der Alkoholmissbrauch in der Gesamtbevölkerung angenommen hat“, erläutert Christine Dembski. Im Anschluss wird mit den Schülerinnen und Schülern intensiv über die Materie diskutiert.

Feste Ansprechpartner – dauerhafte Sensibilisierung

In der Kombination dieser verschiedenen Elemente ist es in Greifswald gelungen, feste Strukturen zum Thema Suchtprävention speziell zum Thema Alkoholkonsum aufzubauen. So haben Eltern und Schulen verlässliche Ansprechpartner, wenn akute Beratung nötig ist. Die Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler zu ihrem Alkoholkonsum bleibt in Greifswald dauerhaft auf der Tagesordnung – das Thema wird konsequent in jeden Schuljahrgang hereingetragen.

Kontakt:

Universitäts- und Hansestadt Greifswald

Präventionsrat Dr. Christine Dembski

Postfach 3153 17461Greifswald

E-Mail: praevention@greifswald.de

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