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< Gezielt gegen Gewalttäter im Fußball vorgehen

Fußball ist nicht unser Leben, aber unser Alltag!

Spieler wechseln die Vereine, Trainer werden entlassen und Vorstände nicht wiedergewählt. Einzig die Zuschauer und die polizeilichen Einsatzkräfte scheinen immer präsent zu sein. Fußball ist nicht nur in Deutschland das mit Abstand größte gesellschaftliche Ereignis. Mehr als zwanzig Millionen Zuschauer verfolgen pro Saison bei Wind und Wetter in den Stadien die Spiele der Mannschaften aller Klassen. In den Fußballvereinen wird gesellschaftlich wertvolle Arbeit geleistet. Niemandem kann es daher gleichgültig sein, wenn Schatten auf die „schönste Nebensache der Welt“ fallen; wenn nach einem Spiel mehr über feige Gewalt als über mutige Doppelpässe berichtet wird.

Fanblock Schalke 04

© Liedtke, VDP

Die Einsatzbelastung der Polizei

In Abwandlung des Fußballliedes „Fußball ist unser Leben“ stellt manche Einsatzkraft für sich fest: „Fußball ist nicht mein Leben, aber mein Alltag“. Polizisten aus allen Bundesländern haben in der Saison 2015/2016 anlässlich der 1.159 in der Statistik erfassten Spiele der ersten beiden Bundesligen und der dritten Liga zur unmittelbaren Einsatzbewältigung 2.089.601 Arbeitsstunden geleistet. Das entspricht einem Rückgang von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Durchschnittlich wurden bei jedem Bundesligaspiel 1.954 Arbeitsstunden von der Landespolizei und 529 Arbeitsstunden von der Bundespolizei geleistet. Während der Einsatz der Landespolizei konstant geblieben ist, ist der Einsatz der Bundespolizei für anlassbezogene Arbeitsstunden um rund 27 Prozent zurückgegangen. Grund dafür war die im Jahr 2016 zunehmende Einsatzbereitschaft der Bundespolizei bei Migrationsangelegenheiten.

Ultras und Pyrotechnik

Über die letzten Jahre ist die Zahl der gewaltbereiten Menschen unter den Anhängern der Vereine von Bundes- bis Regionalliga mit etwa 13.650 Personen konstant geblieben. Die meisten Mitglieder der sogenannten „Ultra“-Gruppierungen sind männlich und zwischen 21 und 25 Jahre alt. Die Polizei beobachtet eine Steigerung der Aggressivität von Angehörigen der „Ultra“-Gruppierungen sowie eine Solidarisierung untereinander, wenn Mitarbeiter der Ordnungsdienste und Einsatzkräfte der Polizei gegen die Mitglieder einer „Ultra“-Gruppe einschreiten. Diese Verhaltensweisen, die der Polizei bereits aus der Vergangenheit bekannt waren, wurden auch im Berichtszeitraum der Saison 2015/2016 vermehrt beobachtet. Häufig wird im Stadion Pyrotechnik gezündet – insbesondere im Stehplatzbereich und zu Beginn beider Spielhälften. Gezündelt wird im Sichtschutz übergroßer, teilweise den ganzen Fanblock überspannender Fahnen und Transparente. Dadurch werden Videoüberwachungsmaßnahmen der Sicherheitskräfte unterlaufen und die Ermittlung und Identifizierung von Tatverdächtigen erheblich erschwert. Zusätzlich verstecken sich die Täter mit hochgezogenen Schals bzw. ins Gesicht heruntergezogenen Kapuzen. Durch die starke Rauchentwicklung kommt es regelmäßig zu teilweise erheblichen Gesundheitsschädigungen, von denen auch viele unbeteiligte Stadionbesucher betroffen sind.

Das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“

Es wird viel getan, um Fußballereignisse zu aufregenden, aber friedlichen Erlebnissen zu machen, bei denen außer dem Rasen niemand zu Schaden kommt. Der „Nationale Ausschuss für Sport und Sicherheit“ (NASS) entwickelt seit 1993 fortlaufend das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“. Hier werden Maßnahmen beschrieben, die von der Fanbetreuung im Rahmen der Sozialarbeit über bundesweit abgestimmte Stadionordnungen bis hin zur Erarbeitung von Rahmenrichtlinien für Ordnerdienste und bauliche Sicherheitsstandards für Stadien reichen. Die NASS ist als Allianz gegen Gewalt breit aufgestellt: Ihr gehören der Deutsche Fußballbund, der Deutsche Sportbund, der Deutsche Städtetag, die Innenministerkonferenz, die Jugendministerkonferenz, die Sportministerkonferenz, das Bundesministerium des Innern und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Die Beteiligten sehen vor allem die Gefahr, dass Jugendliche unter dem Einfluss gewaltbereiter Personen oder Gruppen aggressive Verhaltensmuster lernen bzw. festigen. Ausschreitungen bei Fußballspielen schaden nicht nur dem Ansehen einzelner Vereine, sondern dem Sport allgemein und der staatlichen Gemeinschaft insgesamt, insbesondere wenn zum Beispiel bei Fußballspielen im Ausland deutsche Gewalttäter auftreten.

FL (31.03.2017)

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