Sie sind hier >  /  /  
< Gewalt gegen Lehrer

Hells Angels gegen Bandidos

Hells Angels, Bandidos oder Gremium: Diese Motorradclubs zählen zu den in Deutschland bekannten Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG oder OMC), umgangssprachlich auch als „Rocker“ bezeichnet. Von einer unbedenklichen Gruppe freiheitsliebender Hobby-Biker sind sie weit entfernt. Die meist international organisierten Clubs sind Teil der Organisierten Kriminalität und in Drogengeschäfte, Waffenschieberei sowie in Geldwäsche oder Menschenhandel verwickelt. Oft kommt es auch zu aggressiven Machtkämpfen zwischen Rockergruppen, um das eigene Einflussgebiet zu verteidigen – wenn es sein muss, auch durch Mord und Totschlag. Die OMCGs, die auch als „1-Prozenter“ bezeichnet werden, sehen sich selbst als „Outlaws“, also als Gesetzlose. Sie lehnen das bestehende Rechtssystem ab.

Hierarchieebenen

Derzeit wird die Zahl der Mitglieder von Rockergruppen auf etwa 10.000 geschätzt. Für sie herrschen strenge Regeln. Bei Verstößen drohen zum Teil harte Strafen. Zudem sind die OMCGs hierarchisch organisiert. Wer „Bruder auf Lebenszeit“ werden möchte, muss sich erst als Handlanger beweisen. Es besteht meist folgende Rangordnung:

  • Hangaround: Unterstützer (Reinigungsdienst, Chauffeurdienste etc.).
  • Prospect: Anwärter, der von einem Mitglied vorgeschlagen wird. Er muss sich beweisen und bis zu drei Jahre auf die Aufnahme warten.
  • Member: normales Mitglied. Manche haben eigene Geschäfte, über die Geldwäsche betrieben wird.
  • Treasurer: Schatzmeister, der für die Finanzen des Clubs zuständig ist.
  • Secretary: Buchhalter bzw. Büroleiter, der für die Kommunikation verantwortlich ist.
  • Road Captain: Straßenchef, der die Motorrad-Ausfahrten und die Treffen mit anderen Clubs organisiert.
  • Sergeant at Arms: Waffenbeauftragter, der sich um den Schutz des Clubs und die Bewaffnung kümmert.
  • Vice President: erledigt meist repräsentative Aufgaben.
  • President: steht an der Spitze. Straftaten sind dem Präsidenten schwer nachzuweisen, weil oft andere die Schuld auf sich nehmen.

Als „Supporter“ werden befreundete Clubs bezeichnet, die mit den größeren sympathisieren bzw. diesen zuarbeiten. Häufig tragen sie gleiche Clubfarben. Ein „Left“ ist ein Aussteiger, der die Gruppe freiwillig verlässt. Lefts sind verpflichtet, Stillschweigen über interne Informationen zu bewahren. „Outs“ sind hingegen Mitglieder, die wegen Verfehlungen entlassen wurden. „Out in Bad Standing“ bedeutet darüber hinaus, dass ein rausgeworfenes Mitglied als vogelfrei erklärt wird – der Club seinen Mitglieder also „erlaubt“, Gewalt gegen diese Person auszuüben.

Organisationsstruktur

Die kleinste Organisationseinheit ist der Ortsverein. Dieser wird bei den Hells Angels als „Charter“ bezeichnet, bei allen anderen Clubs als „Chapter“. Der Charter- bzw. Chaptername bezieht sich meist auf die Region oder die Stadt, in der der Club ansässig ist. Dem Bundeslagebild Organisierte Kriminalität zufolge soll es in der deutschen Motorradclub-Szene derzeit etwa 700 davon geben. Chapter oder Charter agieren mehr oder weniger unabhängig, jedoch bestehen starke nationale und internationale Bindungen innerhalb der Gesamtorganisation. Viele Charter bzw. Chapter sind mittlerweile verboten. Nach Angaben des Landeskriminalamts NRW lässt sich vermehrt feststellen, dass Rocker Online-Medien und soziale Netzwerke zur Bekanntgabe von Interna, aber auch zur Mitgliederwerbung nutzen. Auffällig sei, dass sie sich in ihren Internetauftritten oft als bedeutender darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. So falle insbesondere bei rockerähnlichen Gruppierungen auf, dass diese schnell entstehen und sich ausbreiten, aber oft nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Verbot von Vereinsabzeichen

Die Angehörigen der Clubs demonstrieren ihre Zugehörigkeit durch das Tragen von gleicher Kleidung oder Symbolen, was in der Szene als „Colours“ bezeichnet wird. Seit einer Verschärfung des Vereinsgesetzes zur öffentlichen Darstellung von Abzeichen oder Insignien verbotener Vereine im März 2017 ist das jedoch nicht mehr möglich. Das Tragen der typischen Kutte – meist eine schwarze Lederweste mit Vereinssymbol-Aufnähern – ist seither nicht mehr gestattet.

Task Force „Rocker“

In den vergangenen Jahren sind die Sicherheitsbehörden immer rigoroser gegen die Clubs vorgegangen. So wurde beispielsweise 2012 in Berlin die Task Force „Rocker“ gegründet. Dabei wird mit aller Härte vorgegangen: Selbst bei minderschweren Fällen, die die Rockergruppen betreffen, wird ermittelt. Eine Einstellung von Verfahren gegen die Clubs wird in der Regel nicht mehr in Betracht gezogen. Auch in anderen Bundesländern wurden schon Sondereinsatzkommandos gegründet, um der Rockerkriminalität den Kampf anzusagen. So rief das LKA Hamburg die Soko „Rocker“ ins Leben, nachdem es auf der Reeperbahn zu einer Schießerei zwischen Hells Angels und Mongols kam.

MW (26.09.2018)

Seite: << zurück 1 2

Weitere Infos zum Thema Gewalt in der Gesellschaft

Initiative fordert Überarbeitung des Stalking-Paragrafen

Der Gesetzgeber hat die Rechtslage für Stalking-Opfer verbessert....[mehr erfahren]

Rechtsstaatsklassen für Geflüchtete in Hessen

Geflüchtete, die nach Deutschland kommen, stehen vor einer Vielzahl...[mehr erfahren]

Waffenimitate haben in der Öffentlichkeit nichts verloren

Außerhalb der eigenen vier Wände ist das Führen von Anscheinswaffen –...[mehr erfahren]

Respektlosigkeit und Gewalt gegen Polizeibeamte

Ein Streifenwagen fährt die Straße entlang. Ohne jeglichen...[mehr erfahren]

Die polizeilich registrierten Fallzahlen nehmen zu

Zwei Jahre lang wurde Angelika von Jörg, der eigentlich anders heißt,...[mehr erfahren]

Aktivitäten

Service

Über diese Suchfunktion finden Sie bundesweit kriminal-polizeiliche Beratungsstellen
Beratungsstellensuche

Newsletter

Unterstützer

Hier finden Sie unsere Unterstützer nach Themengebiet sortiert

Audio Podcast

Hier finden Sie weitere Podcasts

Präventionsvideos

"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte". Und gerade mit bewegten Bildern werden wir alle viel leichter erreicht als mit nüchternen Informationsmaterialien, die nur den Verstand ansprechen. Hier finden Sie die Präventionsvideos.

Schützen Sie Ihre Immobilie gegen Einbruch!

In diesem Video gibt Hauptkommissar Peter Werkmüller von der Kriminal-polizeilichen Beratungsstelle in Düsseldorf Tipps zum Einbruchschutz.

Erklärung einschlägiger Präventions-Begriffe

Beliebte Artikel zum Thema Gewalt in der Gesellschaft

Abstimmung

Sind Sie für eine Videoüberwachung auf allen öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen?
JA, denn Kameras erhöhen das Sicherheitsgefühl von Anliegern und Passanten und verunsichern zugleich Straftäter. Kleine Straftaten werden verhindert, große schneller aufgeklärt.
Ich bin für Videoüberwachung, jedoch eingeschränkt auf die Bereiche, wo sie Sinn macht, z.B. in Bahnhöfen oder Geschäften, wo allein die Drohung mit der Kamera Straftäter abschreckt. Videoüberwachung ja, wenn sie begrenzt ist, aber nicht flächendeckend!
NEIN, dadurch wäre das Recht des Passanten auf das eigene Bild, auf Anonymität und Privatsphäre in Gefahr. Flächendeckende Aufzeichnungen führen zu einem Überwachungsstaat.