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< Therapie in der Suchtklinik

Die Arbeit hatte mich im Griff

Ich bin jetzt 67 Jahre alt, verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder und bin mittlerweile Rentnerin. Ich war lange als Lehrerin tätig und wie alle Berufe, die nicht klar abgegrenzt sind, bot dieser gute Voraussetzungen für meine Sucht. So konnte ich zu Hause noch arbeiten, auch bis in die späten Abendstunden.

Wieder genießen zu können ist ein wichtiges Ziel

© Peter Horn, MEV-Verlag

12-Schritte aus der Sucht

Geholfen hat mir das Programm der Anonymen Arbeitssüchtigen. Das ist ein 12-Schritte-Programm, angelehnt an das Programm der Anonymen Alkoholiker, bei dem sich die Betroffenen in Gruppen treffen. Dort wird jeder angehört, ob es ihm schlecht oder gut geht, auch wenn er einen Fehler gemacht hat. Es gibt keine Wertung in diesen Gruppen. Ich habe eine Sponsorin, das ist selbst eine Betroffene, die schon länger beim Programm dabei ist. Sie rufe ich jede Woche an. Und ich selbst bin auch Sponsorin für einen Betroffenen. Was mir vor allem geholfen hat, ist, dass ich reden konnte in einer nicht verurteilenden, sehr annehmenden Gemeinschaft. Und dass ich das erste Mal zugeben konnte, dass ich arbeitssüchtig bin und damit nicht mehr fertig werde. So konnte ich mich von dem hohen Anspruch lösen, dass ich alles alleine schaffen muss. Ich mache das jetzt seit 16 Jahren und ich hatte gedacht, wenn ich das ein paar Jahre mache, dann bin ich frei von Arbeitssucht. Das klappt natürlich nicht, es gab immer wieder Rückfälle. Aber dafür ist die Gruppe da, damit ich dort über solche Dinge reden kann.

Bei der praktischen Umsetzung haben mir die „Werkzeuge der Genesung“ der AAS geholfen und ich habe mir Regeln aufgestellt. Zum Beispiel, dass ich sonntags nicht arbeite und dabei auch keine Schuldgefühle habe. Das war am Anfang gar nicht so einfach, weil ich immer dachte: Ach, diesen Fachartikel kann ich noch lesen oder da noch schnell was machen. Ich bin richtig um den Schreibtisch rumgeschlichen. Eine weitere Regel ist, dass ich mir Pausen einplane. Dann legte ich mir in meiner berufstätigen Zeit auf den Schreibtisch einen Zettel: Nach 1,5 Stunden ist Pause. Ich orientierte mich nicht am Arbeitspensum, sondern an der Zeit. Das tat mir gut. Ich habe dann versucht, keine Überstunden mehr zu machen. Ich war auch in einigen Gremien nicht mehr drin und habe gute Angebote ausgeschlagen. Das war für mich nicht einfach, weil ich dadurch auch ein Stück an Einfluss verloren habe. Wenn ich jetzt zum Beispiel eine neue Arbeit anfange, schaue ich, wie es mit meiner Kraft aussieht und ob ich eine Pause brauche. Ich höre jetzt wieder mehr auf meinen Körper. Heute arbeite ich zum Beispiel im Garten auch wirklich nur solange meine Kraft geht und mache dann eine Pause. Und ich merke, es macht mir viel mehr Spaß. Jetzt ist wieder mehr Freude dabei. Eine weitere gute Regel ist: Immer nur eine Sache machen. Wenn ich zum Beispiel in der Pause Tee trinke, lese ich nicht nebenbei noch Zeitung. Dadurch ist das Leben wieder klarer. So nehme ich alles bewusster wahr und fühle mich nur noch selten so getrieben.

Für mich war das Programm der AAS wirklich lebensrettend, ich befürchte, ich hätte sonst ein Burn-out bekommen. Ich hätte so nicht mehr weiterarbeiten dürfen. Und jetzt führe ich ein viel freudvolleres, lebendigeres und erfülltes Leben. Es lohnt sich also wirklich das anzugehen.

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