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Wie verlässlich messen Blitzer?

Man ist auf der Autobahn unterwegs. Plötzlich blitzt es – und ein paar Wochen später hat man den Bußgeldbescheid im Briefkasten. Aber wie funktionieren die unterschiedlichen Blitzer? Und messen sie immer richtig? Dr. Frank Märtens ist Leiter der Arbeitsgruppe „Geschwindigkeitsmessgeräte“ bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und zuständig für die Zulassung der Geräte. Er erklärt, wie die Blitzer auf Herz und Nieren geprüft werden, bevor sie zum Einsatz kommen.

Hersteller müssen ihre Technologien offenlegen

Bevor ein Gerät überhaupt in die Produktion gehen kann, wird es von der PTB zunächst auf seine Zuverlässigkeit überprüft. In aufwändigen Mess- und Prüfverfahren wird kontrolliert, ob das Gerät verlässlich misst, alle geforderten Normen erfüllt und es keine Abweichungen von den vorgeschriebenen Grenzwerten gibt. „Jedes Gerät hat für seine Bauart bestimmte Eigenschaften und Anforderungen zu erfüllen. Die Hersteller müssen außerdem ihre Technologie komplett offenlegen und sämtliche Bau- und Schaltpläne einreichen. Wir suchen dann gezielt nach möglichen Schwachstellen“, erklärt Frank Märtens.

 

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ist die oberste Instanz bei allen Fragen des richtigen und zuverlässigen Messens in Deutschland. Sie ist die technische Oberbehörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und beschäftigt an den beiden Standorten Braunschweig und Berlin insgesamt rund 1.800 Mitarbeiter.

Zur Prüfung der Geräte gehört unter anderem der Abgleich mit der hochpräzisen Referenzanlage der PTB im Straßenverkehr unter Realbedingungen. Damit wird überprüft, um wie viel die gemessene Geschwindigkeit eines Fahrzeugs bei dem jeweiligen Prototyp abweicht. Insgesamt werden mehr als 10.000 Messungen vorgenommen, die einzeln analysiert werden. „Wir fordern dabei eine statistische Sicherheit von fünf Sigma. Das heißt: Von zehn Millionen Messungen dürfen nur drei in den Bereich der Fehlergrenzen kommen. Die Fehlergrenze liegt zum Beispiel bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h bei den Geräten bei 3 km/h Abweichung“, betont der Experte. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird dann der Toleranzwert von 3 km/h grundsätzlich bei jeder Messung im Straßenverkehr abgezogen – auch wenn fehlerhafte Messungen extrem unwahrscheinlich sind. Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h werden drei Prozent abgezogen. Bis ein Gerät von der PTB für die Produktion zugelassen wird, können bis zu zwei Jahre vergehen.

Fehler durch menschliches Versagen

Auch wenn man die Technik bereits gut im Griff hat – der Faktor Mensch muss ebenfalls berücksichtigt werden. Aber auch in diesem Bereich steigen die Anforderungen an die Messgeräte, um menschliches Versagen weitgehend ausschließen zu können. „Früher musste der Anwender zum Beispiel selbst darauf achten, dass die Geräte nur bei bestimmten Außentemperaturen eingesetzt werden. Heute müssen die Geräte mit einer automatischen Temperaturüberwachung ausgestattet sein – ist es zu kalt oder zu warm, misst das Gerät nicht“, erklärt Märtens. Insgesamt werden die Fehlerquellen, die durch falsche Handhabung auftreten können, immer weiter eingeschränkt.

Einrichten eines Messfahrzeugs

© PTB

Verpflichtende Schulungen für alle Anwender und regelmäßige Überprüfungen durch das Eichamt sorgen unter anderem dafür, dass verlässliche Werte gemessen werden. Märtens: „Wenn ein Prototyp von uns zugelassen und nach Gebrauchsanweisung eingesetzt wird, dann ist ein Versagen extrem unwahrscheinlich.“ Auch defekte Geräte kämen sehr, sehr selten vor. Aber auch an dieser Möglichkeit wird gearbeitet, indem in die Geräte Mechanismen eingebaut werden, die dafür sorgen, dass ein Gerät bei einem Defekt den Messbetrieb komplett einstellt.

 

Hat jemand doch einmal berechtigte Zweifel, dass eine Messung wirklich korrekt ist, dann kann eine so genannte Befundprüfung durchgeführt werden. Dabei prüft das Eichamt das Gerät und wiederholt die Messung an der gleichen Stelle noch einmal. „Dazu muss aber wirklich eine berechtigter Verdacht vorliegen, dass eine inkorrekte Messung vorliegt – und das kommt nur selten vor“, so der Experte.

SW (29.10.2015)

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