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Straftäter – männlich, jung und zugewandert?

Seit 2015 kamen rund 1,67 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Es folgte eine öffentliche Debatte darüber, ob durch Zuwanderung die Kriminalitätsrate steigt. Stimmt diese Annahme? Welche Delikte haben ab- und welche zugenommen? Der Rechtswissenschaftler Dr. Christian Walburg von der Universität Münster rät zu einem differenzierten Blick auf aktuelle Kriminalstatistiken und Studien. Der überwiegende Teil der seit 2015 in Deutschland registrierten Asylsuchenden sei strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.

Was Statistiken und Studien über die Kriminalitätsentwicklung verraten


Die Mehrheit der Zugewanderten wird nicht straffällig

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Seit 2015 kamen rund 1,67 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Es folgte eine öffentliche Debatte darüber, ob durch Zuwanderung die Kriminalitätsrate steigt. Stimmt diese Annahme? Welche Delikte haben ab- und welche zugenommen? Der Rechtswissenschaftler Dr. Christian Walburg von der Universität Münster rät zu einem differenzierten Blick auf aktuelle Kriminalstatistiken und Studien. Der überwiegende Teil der seit 2015 in Deutschland registrierten Asylsuchenden sei strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.

Kriminalitätsentwicklung in Deutschland

Junge Männer stellen die größte Risikogruppe bei Gewalttaten dar

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Die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 löste Sorgen vor einem Anstieg von Straftaten durch Zuwanderer aus. Tatsächlich sind die Zahlen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) von 2015 bis 2016 angestiegen. So stieg der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer an der Gesamtzahl der registrierten Tatverdächtigen von 5,7 Prozent im Jahr 2015 auf 8,6 Prozent in 2016, während die Gesamtzahl aller ermittelten Tatverdächtigen mit rund zwei Millionen unverändert blieb. Inzwischen sind die Kriminalitätszahlen insgesamt aber wieder rückläufig, jedoch fallen Migranten insgesamt häufiger durch Straftaten auf als Nichtmigranten. Dabei sind aus kriminologischer Sicht unter anderem demografische Unterschiede eine Erklärung: „In der Gruppe der Zugewanderten ist der Anteil junger Männer viel höher als in der gesamten Bevölkerung“, erklärt Christian Walburg vom Institut für Kriminalwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Das ist bedeutsam, weil Männer unabhängig von Kultur und Herkunft mehr Straftaten als Frauen verüben. Vor allem bei Gewaltdelikten sind junge Männer für den überwiegenden Teil der Taten verantwortlich. Allerdings sind schwere Gewalttaten auch unter Migranten die Ausnahme, betont Christian Walburg: „Am häufigsten werden Diebstähle, Schwarzfahren oder Körperverletzungsdelikte geahndet. Nur ein ganz kleiner Teil der Zugewanderten fällt mit gravierenden Taten wie Mord, Totschlag oder Sexualstraftaten auf.“ Trotzdem spielen Zuwanderer nach wie vor eine überproportional große Rolle im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. So waren sie laut PKS 2019 für 5.802 Sexualstraftaten und damit rund zehn Prozent aller offiziell erfassten Sexualdelikte mitverantwortlich. Ihr Anteil bei vollendeten Tötungsdelikten lag im Jahr 2019 bei 8,7 Prozent, das Vierfache ihres Anteils von gut zwei Prozent an der Gesamtbevölkerung.

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