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Sicherheit in Arztpraxen

Arztpraxen sind in Deutschland seit der Einführung der Praxisgebühr verstärkt ins Visier von Einbrechern geraten. Waren die Täter bei ihren Raubzügen bis dahin vor allem auf technische Geräte, Blanko-Rezepte, Medikamente und Betäubungsmittel aus, werden sie nun zusätzlich durch das in den Praxen eingenommene Bargeld angelockt.

Diagnose: Hohe Einbruchsgefahr

Arztpraxen sind besonders einbruchsgefährdet

© Christian Albert, MEV-Verlag

 

Arztpraxen sind in Deutschland seit der Einführung der Praxisgebühr verstärkt ins Visier von Einbrechern geraten. Waren die Täter bei ihren Raubzügen bis dahin vor allem auf technische Geräte, Blanko-Rezepte, Medikamente und Betäubungsmittel aus, werden sie nun zusätzlich durch das in den Praxen eingenommene Bargeld angelockt.

 

Welche Schadensdimension der Einbruch in Arztpraxen bundesweit hat, ist unklar. Die Landeskriminalämter und auch das Bundeskriminalamt in Wiesbaden betrachten Arztpraxen und Apotheken statistisch als Warenhäuser und Verkaufsräume. Die in der Kriminalstatistik ausgewiesenen Fallzahlen sind somit wenig aussagekräftig, denn sie beziehen auch Einbrüche in Kaufhäuser oder Supermärkte mit ein. Konkret erfasst sind lediglich Diebstähle von Betäubungsmitteln aus Arztpraxen, Apotheken oder Kliniken. Demnach wurden 2014 bundesweit bei gerade einmal 127 Einbrüchen Betäubungsmittel aus Arztpraxen gestohlen. Angesichts der Unvollständigkeit der Gesamtzahlen muss in der Realität von einer weit kritischeren Gefährdungslage ausgegangen werden: Bargeld oder Wertgegenstände können als Motivation für einen Einbruch deutlich größer sein, als die Statistik vermittelt. „Schließlich liegt die Praxisgebühr in bar herum, bei viel Betrieb sind das dreistellige Euro-Summen. Und die meisten Praxen leeren ihre Kassen nicht wie Geschäfte zum Feierabend“, so Michael Ahrens, Pressesprecher der Berliner Polizei, gegenüber der Goslarschen Zeitung.

Wertsachenliste erleichtert die Fahndung

Für niedergelassene Ärzte und deren Mitarbeiter stellt sich somit die Frage: „Wie kann ich Praxisräume effektiv schützen?“ Das Polizeipräsidium Berlin, das Ärzten auch Schulungen und Beratungen zum Thema Einbruchschutz anbietet, empfiehlt unterschiedliche organisatorische Maßnahmen: So sollten die Bargeldbestände immer möglichst gering gehalten werden. Eingenommene Praxisgebühren gehören auf die Bank und nicht ins Vorzimmer. Ist ein zügiger Transport zur Bank nicht ohne weiteres möglich, kann ein geprüfter Tresor mit Zahlenschloss helfen. Der Vorteil zu Geldkassetten ist dabei nicht nur das höhere Gewicht und die stabilere Verriegelung: Tresore lassen sich in den meisten Fällen auch versteckt einbauen und sollten fest in Wand und Boden verankert werden. Schwerer als Bargeld ist die Sicherung von Wertsachen, z. B. technischen Ausrüstungsgegenständen. Um bei einem Einbruch oder Diebstahl den entstandenen Verlust dokumentieren zu können, hält die Polizei Berlin eine Wertsachenliste für sinnvoll. Auf ihr können alle Wertgegenstände der Praxis notiert und durch ein Foto abgebildet werden. Außerdem empfiehlt sich eine individuelle Kennzeichnung, etwa durch Markierung mit eigenen Initialen. Bei Diebstahl erleichtert man den Fahndern so auch die Suche nach dem Diebesgut.

 

Bargeld sollte möglichst in einem Tresor aufbewahrt werden

© CC-Verlag

Effektiver Einbruchschutz: Der wachsame Nachbar

Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte im Umfeld einer Arztpraxis ein gewisses sicherheitsbewusstes Verhalten etabliert werden. Dazu gehört etwa, dass man Bargeld hinter verschlossenen Türen zählt und bündelt, und beim Verlassen der Praxis immer Türen und Fenster verschließt. Das gilt auch für gekippte Fenster, die für Einbrecher schnell zu öffnen sind. Wer verdächtige Personen bemerkt, sollte nicht zögern, die Polizei zu verständigen. In diesem Zusammenhang weist die Berliner Polizei auch auf die Möglichkeit der Nachbarschaftshilfe hin: Es lohne sich immer, den Kontakt zu Nachbarn zu pflegen, denn in einer aufmerksamen Hausgemeinschaft hat das Treiben von Einbrechern und Dieben kaum Aussicht auf Erfolg. Für den Fall, dass aber dennoch ein Einbrecher unbemerkt Zugang zu Praxisfenstern oder -türen bekommt, rät die Zentralstelle für Prävention zu einer ausreichenden mechanischen Grundsicherung. Das bedeutet, dass Bauelemente wie Fenster und Türen einen Einbruchsversuch generell so schwer wie möglich machen sollten.

Einbruchhemmende Bauelemente schrecken ab

Das normale Vorgehen eines Einbrechers sieht so aus: Er kundschaftet das Objekt seiner Wahl aus und versucht in einer günstigen Gelegenheit hineinzukommen. Dabei wird in den meisten Fällen ein Hebelwerkzeug benutzt, um ein Fenster oder eine Tür aufzubrechen. Typische Hilfsmittel für Einbrecher sind beispielsweise Schraubendreher oder Stemmeisen. Sind in der Arztpraxis jedoch einbruchhemmende Türen und Fenster montiert, kostet das Aufbrechen sehr viel mehr Kraft und Zeit. Das Risiko, entdeckt zu werden, steigt an und führt in vielen Fällen zum Abbruch des Einbruchversuchs. Die Berliner Polizei rät Arztpraxen deshalb zur Montage von Türen und Fenstern der Widerstandsklasse 3 gemäß Euro-Norm DIN V ENV 1627. Auch die Schlösser von Fenstern und Türen sollten den Anforderungen des Einbruchschutzes genügen. Empfehlenswert sind Schlösser mit Bohrschutz sowie Schutzbeschläge und Zylinderabdeckungen.

 

Einbruchhemmende Türen können vor Diebstahl schützen

© CC-Verlag

Technik als Hilfsmittel

Ergänzend zu den genannten mechanischen Sicherheitsmaßnahmen können auch technische Schutzvorkehrungen Sinn machen. Alarmanlagen melden etwa ein unbefugtes Eindringen frühzeitig und haben offen angebracht eine abschreckende Wirkung. Bei Arztpraxen in allein stehenden Häusern kann auch eine Videoanlage sinnvoll sein. Dadurch kann man sich aus den Praxisräumen einen Eindruck davon verschaffen, wer das Grundstück betritt oder an der Tür steht. Automatisch geschaltete Bewegungsmelder, die für Licht an der Hausaußenseite sorgen, sind ebenfalls ein wirkungsvolles Mittel der Einbruchsprävention. Bei der Auswahl der geeigneten Maßnahmen muss nur beachtet werden, dass die individuelle Situation der Räumlichkeiten genau berücksichtigt wird. Denn jedes Haus oder jede Immobilie hat ihre besonderen Schwachstellen. Ärzte sollten sich deshalb bei einer Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in ihrer Nähe informieren, welche technischen und mechanischen Schutzvorkehrungen für ihre Praxis sinnvoll sind. 

Wie verhalte ich mich im Ernstfall?

Sollten Sie einmal in die Situation geraten, einem Einbrecher gegenüber zu stehen, sollten Sie folgendes beachten:

  • Bleiben Sie ruhig und gehen Sie kein Risiko ein – Sie können nicht wissen, ob der Täter Ihnen gegenüber gewalttätig wird.
  • Prägen Sie sich wichtige Erkennungsmerkmale des Täters wie Größe, Kleidung, Haar- und Augenfarbe, Sprache etc. und sonstige Auffälligkeiten gut ein.
  • Folgen Sie den Anweisungen des Täters. Informieren Sie – sobald dies gefahrlos möglich ist – die Polizei

Einbruchschutz

Auf unserem Präventionsportal finden Sie eine Datenbank mit Fachanbietern aus dem Bereich Einbruchsschutz , die Ihnen bei der Sicherung Ihrer Praxis behilflich sein können. 

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