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Telefonreanimation unterstützt Ersthelfer vor Ort

Einen Erste-Hilfe-Kurs hat fast jeder irgendwann einmal absolviert, meistens im Rahmen der Führerscheinprüfung. Wie fit ist man jedoch, wenn man Jahre später bei einem akuten Notfall helfen will? Viele trauen sich in solch einem Fall nicht, die lebensrettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen – aus Angst, etwas falsch zu machen oder weil sie sich schlichtweg nicht mehr daran erinnern. Die so genannte „Telefonreanimation“ soll Ersthelfer vor Ort bei der Durchführung einer Herzdruckmassage unterstützen. Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst und Leiter der Arbeitsgruppe Telefonreanimation Bayern, erklärt, wie die Maßnahme dabei helfen kann, Leben zu retten.

Erste Hilfe per Anleitung


Per Telefon werden Anweisungen für die Erste Hilfe gegeben

© Miriam Dörr, fotolia

 

Einen Erste-Hilfe-Kurs hat fast jeder irgendwann einmal absolviert, meistens im Rahmen der Führerscheinprüfung. Wie fit ist man jedoch, wenn man Jahre später bei einem akuten Notfall helfen will? Viele trauen sich in solch einem Fall nicht, die lebensrettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen – aus Angst, etwas falsch zu machen oder weil sie sich schlichtweg nicht mehr daran erinnern. Die so genannte „Telefonreanimation“ soll Ersthelfer vor Ort bei der Durchführung einer Herzdruckmassage unterstützen. Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst und Leiter der Arbeitsgruppe Telefonreanimation Bayern, erklärt, wie die Maßnahme dabei helfen kann, Leben zu retten.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern wird in Bayern die Telefonreanimation bereits seit dem Jahr 2014 flächendeckend in allen 26 Leitstellen eingesetzt. Geht in der Zentrale ein Notruf ein, bei dem eine Person als bewusstlos mit Atemstillstand gemeldet wird, kommt bei Bedarf die telefonische Anleitung zur Herzdruckmassage zum Einsatz. „Wird von den Leitstellendisponenten durch gezieltes Nachfragen die Diagnose „Herz-Kreislauf-Stillstand“ bei der betreffenden Person gestellt, folgt eine genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung – sofern der Anrufer sich in der Lage fühlt, diese durchzuführen“, erklärt Kersting. Parallel dazu werden Rettungswagen und Notarzt an die angegebene Adresse geschickt.

Wiederbelebung nach festgelegtem Schema

Die Anleitung zu den Wiederbelebungsmaßnahmen folgt dabei einer genauen Reihenfolge. Der Mitarbeiter in der Leitstelle stellt etwa bestimmte Fragen, die der Anrufer nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Je nach Antwort wird der Gesprächsleitfaden dann entsprechend weitergeführt. Alle Anweisungen werden grundsätzlich abgelesen. „Es ist wichtig, dass der so genannte „Algorithmus“ strikt eingehalten und Schritt für Schritt nach vorgegebenem Muster abgefragt wird. Greift der Disponent auf eigene Formulierungen zurück, kann es schnell unpräzise werden. Es wird vielleicht etwas vergessen oder es kommt zu Nachfragen, die unnötig Zeit kosten“, erklärt der Notarzt. Der Leitfaden ist so aufgebaut, dass man ihm gut folgen und auch als Laie die wichtigsten Handgriffe ausführen kann. „Würde der Disponent jedes Mal eine eigene Anleitung zur Herzdruckmassage geben, wäre das sehr anstrengend für ihn und seine Konzentration würde auf Dauer darunter leiden.“

Telefonreanimation rettet Leben

Im Idealfall sollte die Wiederbelebung dann so lange durchgeführt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft – das ist in der Regel nach acht bis zehn Minuten der Fall. „Es gilt, diesen Zeitraum zu überbrücken. Denn bereits nach drei Minuten können irreversible Schäden auftreten. Bekommt ein Patient sechs Minuten lang keine Hilfe, drohen gravierende Hirnschäden“, erklärt Kersting. Der Fokus liegt bei der Telefonreanimation ausschließlich auf der Herzdruckmassage, die Beatmung wird außen vor gelassen. „Bei einem erwachsenen Menschen reicht die bestehende Sauerstoffkonzentration im Blut aus, um diesen Zeitraum auch ohne zusätzliche Beatmung zu überbrücken. Deshalb konzentrieren wir uns auf die Herzdruckmassage.“ Derzeit wird an einem weiteren Leitfaden gearbeitet, der bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden kann. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen muss hier parallel eine Beatmung durchgeführt werden.

Jeder sollte sich mit Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut machen

© pixelaway, fotolia

Schulung für Disponenten nötig

Was sich leicht anhören mag, ist auch für die Mitarbeiter der Leitstellen am anderen Ende der Telefonleitung nicht selbstverständlich. Denn auch sie müssen sich erst vor dem ersten Einsatz mit dem Leitfaden vertraut machen und das Szenario kennenlernen. „Es gibt zu dem Algorithmus ausführliche Schulungen mit praktischen Übungen, denn es ist erst einmal sehr ungewohnt, für solche Situationen Anweisungen zu geben, da man den Patienten ja nicht sieht“, erklärt der Experte. Insgesamt seien die Erfahrungen mit der Telefonreanimation sehr gut, momentan wird an einer Evaluation dazu gearbeitet. „Wir wissen, dass die Maßnahme erfolgreich ist, möchten das Ganze jetzt aber noch statistisch auswerten, damit wir wissen, wie viele Menschenleben letztendlich wirklich gerettet werden können.“ Auch das Feedback der Menschen, die die Reanimation dank der telefonischen Unterstützung durchgeführt haben, sei sehr gut. „Für viele ist es zwar eine sehr belastende Situation – aber im positiven Sinne. Die meisten sind froh, dass sie helfen konnten, anstatt hilflos danebenzustehen und auf den Rettungsdienst zu warten“, betont Kersting.

Erste-Hilfe-Kurs auffrischen

Generell empfiehlt Joaquin Kersting jedem, sich mit den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut zu machen, um im Notfall schnell selbst helfen zu können – auch ganz ohne telefonische Unterstützung. Auffrischungskurse gibt es von verschiedenen Anbietern wie etwa dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter Unfallhilfe, dem Malteser Hilfsdienst oder dem Arbeiter-Samariter-Bund. „Wünschenswert wäre natürlich, dass solche Maßnahmen wie die Telefonreanimation gar nicht nötig wären. Wenn jeder Erste Hilfe leisten könnte, dann wäre dieses Angebot überflüssig. Das wäre ideal“, so der Experte.

SW (27.05.2016)

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