Einbruchschutz Intensiv


Einbrecher: Wer sind die Täter?

Meist Männer, aber auch viele Frauen und Kinder


Je anonymer das Wohnumfeld, desto erfolgreicher der Einbrecher

© Racle Fotodesign/stock.adobe.com

 

Im Jahr 2016 war die Zahl der Einbrüche im Privatumfeld in Deutschland erstmals seit langem wieder rückläufig. Der Trend setzt sich seither fort: 2019 wurden 87.145 Wohnungseinbruchdiebstähle angezeigt. Im Vorjahr waren es noch 97.504. Demnach sank die Fallzahl um rund 10 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt mit 17,4 Prozent etwas niedriger als im Vorjahr – Einbrüche in Wohnungen und Häuser gehören weiterhin zu den Straftaten, die am seltensten aufgeklärt werden. Viele Einzeltäter und Banden werden nie gefasst.

Täter zum Großteil männliche Erwachsene

In der Regel werden Einbrüche von Männern verübt, wie die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Von den 11.638 Tatverdächtigen im Jahr 2019 waren 10.047 Personen männlich und entsprechend 1.591 Personen weiblich. Die meisten Tatverdächtigen sind älter als 21 Jahre (9.007 Personen). Die Anzahl derjenigen, die zum Zeitpunkt des Einbruchs jünger als 21 Jahre alt waren, lag somit bei 2.631. Einige von ihnen sind noch keine 14 Jahre alt: 2019 wurden 181 Kinder verdächtigt, einen Einbruch verübt zu haben bzw. an einem Einbruch beteiligt gewesen zu sein. Auch wenn es sich bei einigen Taten vermutlich um Mutproben oder Dummejungenstreiche handelt, werden Kinder in einigen Fällen gezielt für Einbrüche instrumentalisiert. Hinter solchen Vorgehensweisen stecken meist organisierte Banden, die ausnutzen, dass Kinder noch nicht strafmündig sind.

Reisende Einbrecherbanden am Werk

Bei den Tatverdächtigen dominieren nach Angaben des Bundeskriminalamts zwar nach wie vor deutsche Staatsangehörige und sogenannte „örtlich-regionale Täter“ wie etwa Banden von Jugendlichen oder Drogenabhängige. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt jedoch bei etwa 40 Prozent. Dass so viele Täter aus dem Ausland kommen, hängt vor allem damit zusammen, dass viele Einbrüche mittlerweile von reisenden Gruppen verübt werden. Meist kommen sie aus Osteuropa. Da die Grenzen offen sind, gibt es auf dem Weg aus Deutschland heraus nur noch sporadisch polizeiliche Kontrollen, was das Entdeckungsrisiko für die Täter deutlich verringert.


Im Falle schwerwiegender Einbruchsdelikte und Tatserien wird daher immer öfter auf einen staatenübergreifenden Informationsaustausch gesetzt. Ein Beispiel ist die Aachener Erklärung – eine Vereinbarung zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Sie hat zum Ziel, die Zusammenarbeit der Länder in Sachen grenzüberschreitender Einbruchskriminalität zu verbessern.

Frauen immer öfter im Einsatz

Auch wenn Einbrüche meist von Männern verübt werden, schicken insbesondere internationale Banden auch junge Frauen auf Diebestour. Sie sind meist attraktiv gekleidet und treten höflich auf. Die Frauen werden insbesondere für den Tageswohnungseinbruch eingesetzt, also für Einbrüche, die zwischen sechs Uhr morgens und 21 Uhr abends passieren. Im Hausflur fallen sie nicht auf und kaum ein Bewohner würde bei ihrem Anblick misstrauisch werden. Wie groß der Anteil der Täterinnen wirklich ist, kann aufgrund des großen Dunkelfelds nur schwer eingeschätzt werden.

Aufklärungsarbeit ist schwierig

Wieso bleibt der Großteil der in Deutschland verübten Einbruchsfälle ungelöst? Ein großes Problem ist die Organisationsstruktur der Banden. Sie gehen meist arbeitsteilig vor. Ein oder mehrere Täter beobachten zunächst, wann das Objekt bewohnt ist. Auch die Sicherungseinrichtungen werden kontrolliert. Anschließend kommen andere, die in die Wohnung oder das Haus einsteigen. Wiederum andere transportieren die Beute mit einem Fahrzeug ab. Diese Aufgabenverteilung hat zur Folge, dass es für die Polizei schwierig ist, verwertbare Zeugenaussagen zu bekommen. Denn selbst wenn dank einer Täterbeschreibung einer der Einbrecher gefasst wird, bedeutet das nicht, dass man diesen mitsamt der Beute erwischt. Meist wurde diese längst an die Kollegen weitergereicht. Hinzu kommt, dass die Banden, insbesondere die aus Osteuropa, professioneller werden und kaum Spuren hinterlassen. Das macht es für die Polizei schwierig, zu ermitteln. Denn das zweite große Problem ist, dass den Dienststellen zu wenig Personal zur Verfügung steht beziehungsweise denjenigen, die mit der Aufgabe betraut sind, sehr wenig Zeit für die Fallbearbeitung bleibt. Dadurch gibt es kaum die Möglichkeit, Fälle zu vergleichen, um Banden und andere Serientäter zu finden.

KF (26.04.2019)

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