< Hausnotruf kann Leben retten

Eine vernünftige mechanische Sicherung hilft am meisten

Peter Werkmüller arbeitet bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Düsseldorf in der Abteilung 44 des Polizeipräsidiums Düsseldorf. Der Experte für die Verhinderung von Wohnungseinbrüchen weiß: Die Methoden der Einbrecher haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich geändert, doch die Sicherheitstechnik hat Fortschritte gemacht. Aber nicht jede technische Lösung, die auf den Markt kommt, macht auch für den Privathaushalt Sinn.

Mit welcher Strategie schützt man sich nach Ihrer Erfahrung am besten gegen Wohnungseinbrüche?

Peter Werkmüller

Polizeihauptkommissar © privat

Wir möchten erreichen, dass der Täter erst gar nicht bei Ihnen hineinkommt, und zwar mit Hilfe einer vernünftigen mechanischen Sicherung. Wenn Fenster und Türen gut gesichert sind, kommt der Täter nicht herein und geht zum nächsten Haus. Dass diese Sicherung Erfolg hat, sieht man an der Kriminalstatistik in Düsseldorf. Im Jahr 2009 waren knapp 20 Prozent aller gemeldeten Einbrüche Versuche. 2013 hatten wir 45 Prozent. Weil die Leute ihre Wohnungen besser sichern.

Lassen Sie uns doch mal konkreter werden. Wie sieht ein Fenster aus, mit dem man es den Einbrechern leicht macht?

Bei normalen Kunststofffenstern bewegen sich beim Schließen die Rollzapfen, die am Fenster selbst angebracht sind, in dazu passende Schließteile, die sich im Fensterrahmen befinden. Das ist der Standard, aber der reicht nicht aus. Denn diese Fenster sind leicht aufzuhebeln. Der Einbrecher bringt normalerweise Werkzeug mit, das er gut in der Kleidung verstecken kann. Ein stabiler Schraubendreher wird in der Regel genutzt, und der reicht, um solche Fenster zu knacken. Der Einbrecher hebelt einfach mit dem Schraubendreher an der Seite, an der man das Fenster schließt, das Fenster auf. Er drückt die Rollzapfen über die Schließteile weg, die aus Gusseisen bestehen. Das ist ein sehr sprödes Material. Wenn man etwas mehr Kraft aufwendet, platzen diese Gussgrate weg und das Fenster ist offen.

Und wie sieht im Vergleich dazu ein sicheres Fenster aus?

Der auffälligste Unterschied ist: Der Beschlag am Fenster geht rund herum. Die Schließteile sind nicht mehr aus Gusseisen, sondern aus Stahl. Die Öffnung für den Pilzzapfen ist erheblich schmaler. Diese Zapfen schieben sich unter die Schließteile und verhaken sich, und zwar auf allen vier Seiten des Fensters. So erhalte ich ganz viele Fixierpunkte. Das ist ein Einbruch hemmender Beschlag, der heute schon in recht vielen Neubauten eingebaut wird.

Viele Fenster in Erdgeschosswohnungen verfügen über abschließbare Griffe. Macht das Sinn?

Für sich allein betrachtet, sind sie nur eine Kindersicherung. Das Fenster ist von innen geschlossen, der Griff kann nicht betätigt werden. Der abschließbare Griff verhindert aber auch den sogenannten „kleinen Glasbruch“. Dabei nehmen die Täter einen Stein aus dem Garten, werfen ihn in Griffhöhe durch, verstecken sich für fünf Minuten im Gebüsch, um eine Reaktion abzuwarten. Wenn niemand auftaucht, gehen sie hin, greifen durch das Loch in der Scheibe und das Fenster ist entriegelt. Wenn der Griff von innen abgeschlossen ist, gelingt ihnen das nicht.
Mit Einbruch hemmenden Beschlägen und abschließbarem Griff sind Sie gut gegen Einbrecher geschützt, die die Fenster aufhebeln. Und das sind mit Abstand die meisten.

Neben den Fenstern sind die Türen die zweite Einstiegsmöglichkeit für Einbrecher. Wie sollte man die sichern?

Ein Einbruch erfolgt bei weniger als zehn Prozent der Fälle über die Hauseingangstür. Die rückwärtige Tür ist viel gefährdeter. 

Schon relativ einfache Türsicherungen können Gelegenheitsdiebe wirksam abschrecken. Die Hauptangriffspunkte an einer Tür sind das Schloss und sein Beschlag, der Rahmen und die Zapfen, in die die Tür eingehängt wird. Durch einen von innen her verschraubten Sicherheitsbeschlag können Sie die Türklinke und das Schloss so abdecken, dass man sie nicht mit einfachem Werkzeug aufhebeln kann. Ebenso wichtig wie die Tür und die Verriegelungssysteme ist natürlich auch der Rahmen. Die beste Mehrfachverriegelung nutzt Ihnen nichts, wenn die Schießteile im Rahmen mit ein paar Holzschrauben festgeschraubt sind. 

Eine gute Methode, eine Wohnungstür zu sichern, ist ein Querriegelschloss.

Hilfe finden - unser Einbruchschutz Verzeichnis

Auf unserem Portal finden Sie Unternehmen, die mechanische und elektronische Sicherheitstechnik anbieten. Dazu haben wir eine Datenbank mit Fachanbietern für den Einbruchsschutz aufgebaut, die Ihnen bei der Sicherung Ihrer Wohnung / Ihres Hauses oder aber auch Ihres Firmensitzes behilflich sein können.  Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter Einbruchschutz.

Seite: << zurück12

Weitere Infos zum Thema Einbruchschutz

Das richtige Verhalten bei einem Einbruch

Eine unangenehme Vorstellung: Man kommt nach Hause und bemerkt, dass...[mehr erfahren]

Einbruch Studie

Erste deutsche Dunkelfeldstudie zum Wohnungseinbruchdiebstahl

Die Polizeilichen Kriminalstatistiken sowohl des Bundes als auch des...[mehr erfahren]

Ein Siegel für mehr Sicherheit

Sich im eigenen Zuhause sicher zu fühlen ist ein Grundbedürfnis der...[mehr erfahren]

Tipps für Nachbarn: Grillen, Lärm und Grundstücksgrenzen

Streit unter Nachbarn muss nicht mit einer Verletzung enden wie im...[mehr erfahren]

Einbruchschutz Täter

Meist Männer, aber auch viele Frauen und Kinder

Im Jahr 2016 war die Zahl der Einbrüche im Privatumfeld in...[mehr erfahren]