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Religiös begründetem Extremismus vorbeugen

Wie kann man Jugendliche früh genug gegen salafistische Prediger schützen? An wen kann man sich wenden, wenn man den Verdacht hat, dass das eigene Kind oder ein Freund in die extremistische islamistische Szene abrutscht? Die Beratungsstelle Hessen von „Violence Prevention Networks“ bietet Hilfe im Umgang mit religiös begründetem Extremismus an. Sie richtet sich dabei sowohl an Jugendliche und Eltern, aber auch an Multiplikatoren wie Lehrer oder Polizisten. Cornelia Lotthammer ist die Pressesprecherin von Violence Prevention Networks – sie erklärt, wie die Beratungsstelle und seine neun Beschäftigten arbeiten.

Zum Nachdenken anregen

An die Beratungsstelle wenden sich auch besorgte Eltern, die vermuten, dass ihr Kind auf dem Weg ist, sich etwa dem extremistischen Salafismus anzuschließen. Das können nicht nur Jugendliche aus muslimischen Elternhäusern sein. Oftmals ist es ein Auflehnen gegen die Eltern, eine Rebellion, um die eigene Identität zu finden. Hier wird dann versucht, mit dem Betreffenden wieder in Kontakt zu kommen und herauszufinden, wie es dazu kommen konnte. „Meist ist die Zuwendung zu Extremen auch eine Art Flucht. Weil unsere komplexe Welt in einer gewissen Weise nicht mehr ertragen werden kann. Extremistische Sichtweisen bieten hier dann vermeintlich einfache Lösungen“, weiß die Expertin. Man müsse in Gesprächen versuchen, die Lücken zu füllen, die vorher Hassprediger gefüllt hätten. Ziel ist es, die Betreffenden zum Nachdenken anzuregen. Dazu werden immer wieder Fragen gestellt und konkret nachgehakt. „Es geht darum, willkürliche Behauptungen zu entkräften. Das kann sehr kleinteilig werden, indem man zum Beispiel sagt: „Wo steht das genau? Zeig mir doch mal die Stelle im Koran.“ Dadurch wird dann die Verunsicherung immer größer“, erklärt Lotthammer. Parallel dazu wird versucht, positive soziale Kontakte wieder herzustellen und zu stärken, aber auch die Eltern zu unterstützen: Welche Angebote können sie dem Kind machen, die vorher vielleicht fehlten?

Kontakt zur Beratungsstelle Hessen Leipziger Straße 67

60487 Frankfurt am Main

Tel.: 069 27 29 99 97

Fax: 069 269 18 729

Hotline für Angehörige: 069 269 18 597

Mail: hessen@violence-prevention-network.de

www.beratungsstelle-hessen.de

Betreuung im Gefängnis

Auch die Arbeit in Jugendgefängnissen hat sich in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen, um gefährdete oder bereits in die Kriminalität abgerutschte Jugendliche zu erreichen. „Viele junge Menschen sind zu dieser Zeit an einem absoluten Tiefpunkt. Sie merken selbst, dass es keine besonders gute Ausgangsposition ist, wenn man mit 17 schon im Gefängnis sitzt. Sie sind dann besonders empfänglich für Angebote – auch für unsere“, weiß Lotthammer. Wichtig sei dabei die eigene Motivation der Jugendlichen, wirklich etwas ändern zu wollen – denn Hafterleichterung gibt es durch die Teilnahme an einem Training nicht. Lotthammer: „In den Kursen geht es viel um politische Bildung im Allgemeinen, um Demokratieverständnis, Menschenrechte und Menschenwürde, Toleranz gegenüber anderen, aber natürlich auch um den Koran und dessen Auslegung. Außerdem ist es wichtig, das Aggressivitäts- und Gewaltpotenzial zu verringern, was bei manchen schon recht ausgeprägt ist.“ Besonders erfolgreich ist der Verlauf, wenn der Betreffende kurz vor der Entlassung aus der Haft steht. Danach wird die Betreuung dann noch bis zu einem Jahr fortgesetzt.

Unterstützung für Rückkehrer

Eine besondere Herausforderung für die Beratungsstelle ist der Umgang mit Personen, die radikalisiert aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren. „Diese Personen kommen häufig entweder sofort in Untersuchungshaft oder sie werden von den Sicherheitsbehörden beobachtet, weil von ihnen eine nicht zu unterschätzende Gefahr ausgeht. Aus diesem Grund arbeiten wir in solch einem Fall auch eng mit den Behörden zusammen“, erklärt Cornelia Lotthammer. Problematisch sei hier, dass im Gegensatz zu christlichen Seelsorgern weder die Berater noch Imame ein Zeugnisverweigerungsrecht haben. „Wenn die Berater während ihrer Gespräche von begangenen Straftaten erfahren, dann sind sie theoretisch verpflichtet, vor Gericht auszusagen. Damit müssten sie aber gegen die eigenen Klienten aussagen, was das Vertrauen zerstört. Das Vertrauen zu dem Berater ist aber das Wichtigste in dieser Situation“, betont Lotthammer. Ziel der Ausstiegshilfe sei es, die Betreffenden wieder in die Gesellschaft zu integrieren und einen Schulabschluss oder eine Ausbildung zu ermöglichen.

SW (25.09.2015)

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