< „Das kann kein Ghetto sein!“

Die Arbeit der Frauenberatungsstellen

Die 18-jährige Sarah wacht morgens um sechs auf einer Parkbank auf. Sie weiß nicht, wo sie ist und wie sie dort hingekommen ist. Dass sie in der Disco getanzt hat, ist das Letzte, an das sie sich erinnern kann. Sarah fühlt sich schlecht, ihr tut alles weh. Die 18-Jährige kann die Lücken in ihrem Gedächtnis nicht füllen, aber langsam steigt in ihr der Verdacht auf, dass sie vergewaltigt wurde.

Adressen von Frauenberatungsstellen in Ihrer Nähe erhalten Sie beim „Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe“ 

Das Schweigen zu brechen ist ein wichtiger Schritt

Die Beratung ist auf jede Frau individuell zugeschnitten, je nachdem, was ihr widerfahren ist und in welcher Situation sie sich befindet. „Das Thema ist so komplex, dass es keine einheitliche Beratung geben kann“, erklärt Luzia Kleene. „Essentiell für die Beratungsarbeit ist aber, den Frauen zu vermitteln, dass nicht nur sie alleine Gewalt erleben, sondern dass es ganz viele Frauen gibt, die ähnliches durchmachen. Dass es aber auch schon viele geschafft haben, einen Weg aus der Gewalt zu finden. Auch wenn dies oft nicht leicht ist.“ Denn es wird immer schwieriger, sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu befreien, je länger diese andauert. Die Angst, dass einem nicht geglaubt wird, die Scham, alles schon so lange mitgemacht zu haben und die finanzielle Abhängigkeit vom Partner sind nur einige Gründe, warum die Opfer so lange schweigen. Dabei ist es enorm wichtig, sich jemandem anzuvertrauen und das Geschehene auszusprechen. „Jede Gewalttätigkeit, die zwischen Opfer und Täter geheim bleibt, schweißt die beiden auf unglückselige Weise zusammen“, weiß Luzia Kleene. Den Frauen muss klar werden, dass sich etwas verändern muss, damit die Gewalt aufhört. Denn dass Täter plötzlich von selbst einsichtig werden, geschieht nur äußerst selten. Wenn der Mann jedoch nicht selbst einsieht, dass er ein Problem hat, ist ein Ende der Gewalt nicht abzusehen.

Wenn sich eine Frau dazu entschlossen hat, ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen, besteht die Arbeit der Beratungsstelle zum einen darin, mit der Frau ganz praktische Schutzmaßnahmen zu überlegen und umzusetzen. Es wird geschaut, welche Personen aus ihrem Umfeld sie unterstützen können – und man versucht, die eigenen Ressourcen zu stärken. Viele Frauen, die jahrelang misshandelt wurden, haben ein völlig verzerrtes Bild von dem Täter. Die Sozialpädagogin erklärt: „Den Opfern erscheint der Täter dann als ein riesiges, unverletzbares, nicht zu bekämpfendes Monster. Hier versuchen wir dann, ein Gegengewicht zu setzen. Wir arbeiten dann mit Empowerment, wodurch die Frau sich erstmal ihrer eigenen Stärke wieder bewusst wird.“ Damit ist der erste wichtige Schritt aus der Gewalt getan.

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