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Gewalt gegen Lehrer

Wird ein Lehrer Schülern gegenüber aggressiv oder gar handgreiflich, ist er sicher schnell seinen Job los – und das zu Recht. Aber wie sieht es umgekehrt aus? Was passiert, wenn Lehrerinnen und Lehrer von Schülern verbal oder körperlich angegriffen werden? „Gewalt gegen Lehrkräfte war lange Zeit ein absolutes Tabuthema“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Er erklärt, welche Art von Gewalt an deutschen Schulen vorkommt, wie damit umgegangen wird und was sich künftig ändern muss.

Lehrerinnen und Lehrer müssen sich auf den Rückhalt ihres Dienstherrn verlassen können

© Robert Kneschke/adobe.stock.com

Gründe für die fehlende Unterstützung

Etwa jede zehnte Schulleitung schätzte ein, dass sie Lehrkräfte nach einem Vorfall nicht ausreichend unterstützen kann. Die Gründe dafür:

  • 63 Prozent sagen, dass sich die Schülerinnen und Schüler uneinsichtig zeigen
  • 59 Prozent bemängeln, dass die Eltern nicht kooperationswillig sind
  • Jede dritte Schulleitung sagt, dass sich das Schulministerium des Themas nicht ausreichend annimmt
  • Jede fünfte Schulleitung gibt an, dass die Meldungen an das Ministerium zu bürokratisch seien, man aus Ministeriumssicht dort andere Aufgaben hätte oder eine Meldung zu Reputationsverlusten führe

Neben schwierigen Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern ist das größte Problem also der fehlende Rückhalt aus Verwaltung und Politik. „Wer keine Statistik führt, kann die Augen davor verschließen, dass noch viel mehr Maßnahmen und wichtige Entlastungen der Schulleitungen notwendig wären, um bessere Präventionsarbeit leisten zu können und im Fall eines Falles optimal zu unterstützen“, ärgert sich Udo Beckmann.

Die Studie 2016 und die Studie 2018 zu Gewalt gegen Lehrkräfte stehen auf der VBE-Webseite zum Download bereit. In der VBE-Broschüre „Das Tabu brechen – Gewalt gegen Lehrkräfte“ gibt es außerdem hilfreiche Infos zu Ansprechpartnern und Präventionsangeboten.

Was muss sich ändern?

Die beiden VBE-Studien haben dazu geführt, dass das Thema Gewalt gegen Lehrer zumindest ein Stück weit aus der Tabuzone herauskommt. Das ist ein erster Schritt zu mehr Transparenz. Und auch in der Politik ist das Thema mittlerweile angekommen. Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, schrieb kürzlich in einer Stellungnahme, „dass alle Involvierten vor Ort den Mut zum Handeln haben müssen und Vorfälle an Schulen weder verschwiegen noch bagatellisiert werden dürfen.“ Udo Beckmann freut sich darüber. Doch dem müssten jetzt auch Taten folgen: „Es müssen von den Kultusministerien künftig nicht nur Statistiken geführt, sondern auch veröffentlicht werden. Außerdem müssen betroffene Lehrkräfte sowie die Schulleitung die volle Unterstützung des Dienstherrn erhalten – dazu zählt auch die unbürokratische Meldung und die schnelle Hilfe nach einem Vorfall.“ Teil des Problems sei aber auch der Ressourcenmangel an deutschen Schulen sowie das Bild von Schule als „Reparaturbetrieb der Gesellschaft“.

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