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Gewalt gegen Lehrer

Wird ein Lehrer Schülern gegenüber aggressiv oder gar handgreiflich, ist er sicher schnell seinen Job los – und das zu Recht. Aber wie sieht es umgekehrt aus? Was passiert, wenn Lehrerinnen und Lehrer von Schülern verbal oder körperlich angegriffen werden? „Gewalt gegen Lehrkräfte war lange Zeit ein absolutes Tabuthema“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Er erklärt, welche Art von Gewalt an deutschen Schulen vorkommt, wie damit umgegangen wird und was sich künftig ändern muss.

Mehr Investitionen in die Bildungsinfrastruktur

„Es geht hier um Menschen, die mit hohem Engagement die gesellschaftlichen Herausforderungen von Inklusion und Integration annehmen und sich angesichts fehlender Ressourcen zerreißen, um die junge Generation in Gebäuden von gestern und mit technischen Mitteln von vorgestern auf ein Morgen vorzubereiten, von dem wir alle nicht wissen, wie es aussehen wird. Hier kann man schon ein wenig mehr Unterstützung verlangen.“ Der VBE fordert zum Beispiel die Unterstützung der Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams mit Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und weiteren Fachkräften. Außerdem müssten die Lehrkräfte besser auf Konfliktsituationen vorbereitet werden – hier bedürfe es einem breiten Fortbildungsangebot. Udo Beckmann: „Eins ist klar: Nur wenn es gelingt, nachhaltige Erziehungspartnerschaften mit den Eltern aufzubauen, genügend Zeit und Möglichkeit für eine intensive Beziehungsarbeit mit den Kindern zu haben und sich auf die Rückendeckung des Arbeitgebers verlassen zu können, haben wir eine Chance, Angriffe gegen Lehrkräfte zu vermeiden. Weil wir die Ursachen bekämpfen. Dafür müssen die Bildungsministerien aber weg von dem Märchen des Einzelfalls. Dafür müssen alle an einem Strang ziehen und vor allem: Haltung zeigen.“

SBa (27.07.2018)

3 Fragen an…

Dr. Ilka Hoffmann, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands im Bereich „Schule“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Wie äußert sich Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer?

Verbale Gewalt ist ein ganz großes Thema. Also Beleidigungen, Beschimpfungen, aber auch Mobbing im Netz, bei dem Lehrkräfte bloßgestellt werden. Es gibt auch körperliche Gewalt, aber wesentlich seltener. Betroffen sind Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen. Ob es Gewalt gibt, hängt nicht so sehr von der Schulform ab, sondern eher von der sozialen Zusammensetzung und von den Bedingungen, die die Schule hat, um ein gutes Schulklima herzustellen. Die personelle Ausstattung spielt hier eine Rolle, genauso wie Fortbildungen. An Förderschulen, an denen oft auch psychisch kranke Kinder unterrichtet werden, ist Aggressivität gegen sich selbst und andere etwas weiter verbreitet. Wobei ich hier etwas Probleme mit dem Begriff Gewalt habe, weil es oft nicht bewusst bzw. gezielt geschieht. Diese Kinder haben Probleme auf vielen verschiedenen Ebenen.

Was sollte ich als Lehrer tun, wenn ich von psychischer oder physischer Gewalt betroffen bin?

Auf jeden Fall in die Offensive gehen und zunächst einmal eine Beratung in Anspruch nehmen. Man kann sich zum Beispiel mit Kollegen seines Vertrauens austauschen und mit dem Personalrat sprechen. Auch die Schulleitung sollte eingeschaltet werden, damit man gemeinsam überlegen kann, wie man am besten vorgeht. Der Unterschied zu anderen Personen im Öffentlichen Dienst ist ja, dass man als Lehrkraft eine längerfristige Beziehung zu der Person hat, von der die Aggressivität ausgeht. Das macht es viel schwieriger. Man hat eine erzieherische Aufgabe, es handelt sich um einen Schutzbefohlenen, für den man ein stückweit verantwortlich ist. Das ist etwas anderes, als wenn ein Mitarbeiter des Jobcenters oder ein Polizist angegriffen wird, weil eine persönliche Beziehung besteht.

Was müsste sich ändern, um gewalttätigem Verhalten entgegenzuwirken?

Durch den Lehrermangel haben wir sehr große Klassen, was dazu führt, dass Lehrkräfte stärker belastet und schneller überfordert sind. Es wird zunehmend schwieriger ein Vertrauensverhältnis zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen – das ist aber das A und O. Man braucht als Lehrer wieder mehr Zeit, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auch Unterstützungsangebote durch den schulpsychologischen Dienst sowie mehr Schulsozialarbeiter wären wünschenswert. Es müsste grundsätzlich eine bessere Unterstützung und Beratung im Umgang mit Aggressionen und Gewalt von Schülerseite geben, etwa durch Coachings und Supervision. Lehrer dürfen hier nicht alleingelassen werden. Man muss offen über das Thema sprechen können, ohne dass gleich die pädagogische Kompetenz in Frage gestellt wird.


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