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Gewalt gegen Senioren

Im September 2017 drangen im hessischen Rodgau vier Männer in das Wohnhaus eines Senioren-Ehepaars ein. Sie überwältigten und fesselten die 67 und 68 Jahre alten Bewohner. Anschließend durchsuchten sie die Wohnräume nach Wertgegenständen und flohen mit der Beute. Eine solche Tat ist kein Einzelfall: Immer wieder werden ältere Menschen zum Opfer von Diebstahl, der auch unter Gewaltanwendung stattfinden kann – zuhause und auf offener Straße.

Wolfgang Spies

Stellvertretender Landesvorsitzender NRW der Gewerkschaft der Polizei, © GdP

Keine Gegenwehr leisten

Um sich zu schützen, rät der GdP-Experte, Ruhe zu bewahren und in keinem Fall Gegenwehr zu leisten. Außerdem sollte man den Tätern alle geforderten Informationen zur Verfügung zu stellen: „Die Gesundheit geht in jedem Fall vor, man sollte hier kein Risiko eingehen. Denn die meisten Gegenstände lassen sich ersetzen, und für entstandene Schäden tritt in der Regel die Versicherung ein“, betont Spies. Oft schwerwiegender als der Sachschaden ist jedoch die psychische Belastung, die durch solch ein traumatisches Erlebnis entstehen kann. Viele haben nach einem Überfall Angst, einige sind sogar kaum noch in der Lage, alleine zu Hause zu bleiben. „Wer nach einem Überfall Probleme hat, das Geschehene zu verarbeiten, sollte sich an eine Opferschutzorganisation wenden. Der „Weiße Ring“ zum Beispiel bietet in solch einer Situation schnelle Hilfe an und kann etwa eine psychologische Betreuung vermitteln“, erklärt der Experte.

Richtiges Verhalten üben, Übergriffen vorbeugen

In vielen Städten gibt es Selbsthilfeorganisationen, die zum Beispiel mit den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen oder dem Weißen Ring zusammenarbeiten und spezielle Sicherheitsberatungen anbieten. Dort werden Infos zum richtigen Verhalten vermittelt und wichtige Fragen geklärt: Wie verhalte ich mich, wenn ich Geld abheben möchte? Wie empfängt man fremde Personen sicher an der Haustür? Was mache ich, wenn mich jemand am Telefon um persönliche Infos bittet? Oftmals werden diese Veranstaltungen von älteren Menschen selbst geleitet. „Die Hemmschwelle, eine solche Veranstaltung zu besuchen, ist dann oft niedriger, weil die Teilnehmer das Gefühl haben, sie können auf Augenhöhe mit jemandem sprechen. Außerdem haben sie weniger Hemmungen, Fragen zu stellen und fühlen sich weniger hilflos“, weiß Spies.

Türen und Fenster sichern

Neben dem richtigen Verhalten kommt es auch auf eine gute Sicherung der eigenen vier Wände an. „Besonders für ältere Menschen sind Türspione und Sperrriegel wichtig, damit sie direkt sehen, wer vor der Tür steht und die Tür nicht einfach so aufgedrückt werden kann“, betont der GdP-Experte. Aber auch die Unterstützung von Angehörigen ist gefragt: Ältere Menschen sollte man immer wieder darauf hinweisen, keine persönlichen Informationen am Telefon herauszugeben oder die Tür nicht vorschnell für Fremde zu öffnen. Wolfgang Spies: „Familienmitglieder oder gute Freunde können sich auch selbst einbringen, indem sie zum Beispiel anbieten, mit zum Geldautomaten zu kommen oder Überweisungen online zu tätigen. Großeltern freuen sich sicher auch darüber, wenn der Enkel oder die Enkelin sie unterstützen und zum Beispiel mit ihnen zusammen an einer Informationsveranstaltung zum Schutz von Senioren teilnehmen.“

MW (27.10.2017)

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