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Haltung, Stimme und die richtige Taktik

Frauen werden aufgrund ihres Geschlechtes bei manchen Delikten eher zum Ofer als Männer, etwa wenn es um Vergewaltigung und sexuelle Nötigung geht, aber auch bei verbalen Übergriffen oder beim Handtaschenraub. Viele dieser Straftaten laufen nach gleichen oder ähnlichen Mustern ab. In Frauenselbstbehauptungskursen, die oft von Polizeisportvereinen angeboten werden, können Frauen lernen, wie sie kritische Situationen erkennen und sich am besten verhalten.

Die Elemente der Kurse

KHK‘in Kerstin Seiffert

© VDP

Im sportlichen Teil, der Selbstverteidigung, werden unter anderem einfache Schläge und Tritte sowie Befreiungstechniken aus den unterschiedlichsten Kampfsportarten vermittelt, die leicht erlernbar und sofort anwendbar sind. Das Erlernte wird mit Selbstverteidigungstrainern geübt. Kerstin Seiffert: „Wenn es sich um eine Konfrontation mit einem Täter handelt, haben wir zwei Sporttrainer, die den Frauen zeigen, wie man sich dann möglichst schnell zur Wehr setzen kann, wenn man sich körperlich bedroht fühlt.“ Im kriminologischen Teil werden Täter-/Opferverhalten, Tatgelegenheiten und Tatsituationen besprochen und die Hilfsmittel der körperlichen Selbstverteidigung vorgestellt. Dabei gilt das Motto: „Gefahren erkennen, Gefahren vermeiden!“ Die Teilnehmerinnen werden von einem gemischtgeschlechtlichen Trainerteam aus den Sparten Kriminalpolizei (Kriminalbeamtin), Psychologie (Diplompsychologin) oder Pädagogik (Diplompädagogin) und Selbstverteidigung betreut.

Die Körpersprache ist entscheidend

Was macht einen guten Kurs aus? Zu empfehlen sind Frauenselbstbehauptungskurse, die in Zusammenarbeit mit der örtlichen Kriminalpolizei stattfinden. Neben Kursen von Polizeisportvereinen gibt es aber auch Kurse bei Volkshochschulen oder in Kampfsportschulen. Hier sollte man darauf achten, ob den Kursen ein umfassendes Konzept zugrunde liegt, das mehr als nur Selbstverteidigungstechniken umfasst. Man sollte sich auch ein Bild von der Qualifikation der Trainerinnen und Trainer machen.

Im Umgang mit kritischen Situationen ist für die Frauen die richtige Körpersprache das Wichtigste. Denn viele Täter schauen bei Frauen darauf, wie sie sich bewegen und wie sie reagieren, wenn sie angesprochen werden. Kerstin Seiffert: „Die meisten Frauen, die zu uns kommen, möchten solche Situationen schneller erkennen und sich nicht von so einer Situation überrollen lassen.“ Sie wollten lernen, wie sie die Grenzen setzen könnten. Das sei eigentlich relativ leicht, meint die Kriminalhauptkommissarin. Es reiche manchmal schon ein klares und lautes „Nein“. Wenn sich der Täter dennoch nicht abschrecken lasse, müsse sich die Frau auch körperlich wehren: „Ich habe immer meine Fäuste dabei, ich habe immer meine Knie dabei, ich habe meine Stimme dabei und ich kann laut werden. Da muss ich nicht in meiner Handtasche erst umständlich nach Pfefferspray suchen. Ich empfehle immer „Selbst ist die Frau“ – und das funktioniert auch prima.“ Nach ihrer langjährigen Erfahrung führt die Teilnahme an diesen Kursen dazu, dass die Frauen von ihrer Umwelt anders und selbstbewusster wahrgenommen werden: „Manche Täter nehmen dann Abstand von diesen Frauen“, weiß Kerstin Seiffert. WL (31.03.2016)

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