< Polizeiliche Suchtprävention in Schulen

Sozial kompetent von Anfang an

Wie können Kinder lernen respektvoll miteinander umzugehen? Wie können sie lernen, ihre Wut auszudrücken, ohne dabei jemanden zu verletzen? Antworten auf diese Fragen gibt das Gewaltpräventionsprogramm „Faustlos“.

Das Gewaltpräventionsprojekt „Faustlos“

Kinder lernen durch „Faustlos“ ihre Gefühle zu verstehen und mit ihnen umzugehen

© Heidelberger Präventionszentrum

 

Wie können Kinder lernen respektvoll miteinander umzugehen? Wie können sie lernen, ihre Wut auszudrücken, ohne dabei jemanden zu verletzen? Antworten auf diese Fragen gibt das Gewaltpräventionsprogramm „Faustlos“.

Durch Rollenspiele lernen, die Probleme gewaltfrei zu lösen

Das Programm basiert auf drei großen Einheiten: „Im Kern fördern wir emotionale und soziale Kompetenzen wie das Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit Probleme zu lösen und den konstruktiven Umgang mit Ärger und Wut“, sagt Dr. Andreas Schick, einer der geistigen Väter des Programms. Über Fortbildungen werden Erziehungs- und Lehrkräfte mit den Faustlos-Materialien vertraut gemacht, damit sie diese dann später in ihren Kindergartengruppen oder Schulklassen gezielt einsetzen können. In Form von 51 Lektionen in den Grundschulen und 28 in den Kindergärten werden die Inhalte über mehrere Jahre hinweg mit den Kindern in ihren Gruppen oder Klassen besprochen und mit Hilfe von Rollenspielen geübt. „Üben ist ganz wichtig. Außerdem müssen die Erziehungs- und Lehrkräfte zwischen den Lektionen aktiv mit diesen neuen Kompetenzen arbeiten, so dass die Kinder merken: Das ist nicht nur eine lustige und spannende Lektion, wo Faustlos draufsteht, sondern das kann ich jeden Tag im alltäglichen Leben gebrauchen“, sagt Schick.

 

Dr. Andreas Schick, Mitbegründer des Gewaltpäventionsprojekts „Faustlos“

© Heidelberger Präventionszentrum

Schon im Kindergarten werden die Weichen für eine erfolgreiche Konfliktbewältigung gestellt

Beim Faustlos-Kindergartenprogramm spielen zwei Handpuppen eine tragende Rolle: Der „Wilde Willi“ und der „Ruhige Schneck“. „Die Puppen verkörpern die beiden Pole, um die es immer wieder geht: „Ruhig und zurückgezogen“ und „impulsiv und nach vorne drängend“. Wir machen dabei ganz klar, dass Ärger und Wut nichts Schlechtes sind, aber dass das Ergebnis davon eventuell andere verletzen kann. Die Kinder werden in den ersten Schritten sehr spielerisch bei den Gefühlen abgeholt, die sowieso ihr ganzes Leben bestimmen. Egal, ob sie sich vor etwas ekeln, sie traurig, wütend oder stolz auf etwas sind – die ganze „Gefühlspalette“ findet sich im Faustlos-Curriculum wieder, erklärt der Psychologe. „Und die Kinder lieben es – in den Kindergärten haben wir sogar richtige Fans.“

Auch eine Studie der Universität Heidelberg zeigt: Das Programm wirkt. Eltern und Erzieher zeigten sich ebenfalls von Faustlos begeistert. Man merke in der Grundschule deutlich, ob die Kinder im Kindergarten schon Kontakt zu solchen Konzepten hatten. „Diese Kinder sind anders. Viel sozialer und weniger aggressiv. Sie haben mehr Respekt vor Anderen und auch Anderem – beispielsweise, wenn es um andere Kulturen geht.“ 

 

Über Verständnis zu weniger Gewalt

Beim Faustlos-Programm für die Grundschule setzt man vor allem auf die Besprechung von Bildern und das anschließende praktische Üben in Form von Rollenspielen. Ein Programm für die Sekundarstufe wurde im Mai 2011 fertiggestellt: „Bei den Jugendlichen arbeiten wir viel mit Diskussionen. In diesem Alter können nicht einfach prosoziale Verhaltensweisen vorgegeben werden, sondern es muss darüber gesprochen werden, warum man nicht doch die Faust gebrauchen soll. Außerdem kommen Videosequenzen zum Einsatz, in denen Gleichaltrige in Konfliktsituationen geraten. Dann wird besprochen, wie man in der Situation reagieren könnte. Im Video wird dann gezeigt, wozu verschiedene Verhaltensweisen führen können: Manches führt zu einem positiven Ausgang und anderes dazu, dass die Situation eskaliert.“

Die richtige Verhaltensstrategie lässt Konfliktsituationen positiv enden

© Heidelberger Präventionszentrum

Selbstbewusste Kinder sind das Ziel

Besonders wichtig ist es Andreas Schick, herauszustellen, dass es bei Faustlos nicht darum geht, Kinder zu Passivität zu erziehen: „Ein zentrales Missverständnis ist immer wieder, dass dieses Programm dazu dienen solle, die Kinder zu Weicheiern zu erziehen, die Beleidigungen und Gemeinheiten über sich ergehen lassen, ohne sich dagegen zu wehren. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Es geht darum, die Kinder durchsetzungsfähig zu machen, aber eben mit dem Blick auf die Bedürfnisse und Gefühle anderer. Das ist die große Kunst.“

„Faustlos“ ist international

In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz wird Faustlos mittlerweile von über 10.000 Kindergärten und Grundschulen eingesetzt. Aber nicht nur hier ist das Programm ein großer Erfolg: Ursprünglich aus den USA stammend, kommt es in der Zwischenzeit europaweit zum Einsatz. Am weitesten verbreitet ist Faustlos in den skandinavischen Ländern: In Norwegen arbeiten 65 Prozent der Kindergärten und Grundschulen standardmäßig mit dem Gewaltpräventionsprogramm. Mehr Infos zu Faustlos gibt es unter www.h-p-z.de.

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