Cannabis Freigabe – intensiv

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Cannabis legalisieren?

In Kanada ist es seit Oktober 2018 Erwachsenen erlaubt, Cannabis zu kaufen und zu konsumieren. In den USA haben bisher 23 der 50 Bundesstaaten sowie der Bundesdistrikt und Regierungssitz Washington, D.C., Cannabis als Rauschmittel für Personen ab 21 Jahren legalisiert. Neben den Argumenten, die eine kontrollierte Cannabis-Freigabe in Deutschland stützen, gibt es auch Fachleute aus der Wissenschaft, die den Konsum von Cannabis grundsätzlich kritisch sehen.

Argumente Pro und Kontra


Die kontrollierte Freigabe soll kommen

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In Kanada ist es seit Oktober 2018 Erwachsenen erlaubt, Cannabis zu kaufen und zu konsumieren. In den USA haben bisher 23 der 50 Bundesstaaten sowie der Bundesdistrikt und Regierungssitz Washington, D.C., Cannabis als Rauschmittel für Personen ab 21 Jahren legalisiert. Neben den Argumenten, die eine kontrollierte Cannabis-Freigabe in Deutschland stützen, gibt es auch Fachleute aus der Wissenschaft, die den Konsum von Cannabis grundsätzlich kritisch sehen.

Cannabis als Arzneimittel

Seit dem Jahr 2017 darf in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden, beispielsweise bei fortschreitendem Krebs und Nebenwirkungen der Chemotherapie, Multipler Sklerose, Gelenkschmerzen wie Arthrose und weiteren Beschwerden. Am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde deshalb eine Cannabisagentur aufgebaut. Sie ist für den kontrollierten Anbau, die Ernte, die Verarbeitung, die Qualitätsprüfung, die Lagerung, die Verpackung und die Abgabe an Apotheken der medizinischen Cannabisblüten in Deutschland verantwortlich. Im Jahr 2021 wurden rund 20,6 Tonnen Cannabis zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken in Form von getrockneten Blüten und Extrakten importiert.

Auf der Website www.cannabispraevention.de

informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Jugendliche, Eltern sowie Fach- und Lehrkräfte über das Thema Cannabis.

Argumente für die kontrollierte Legalisierung

Es gibt zahlreiche Argumente für die kontrollierte Freigabe von Cannabis in Deutschland. Allgemein als erwiesen gilt, dass das körperliche Suchtrisiko bei Cannabis niedriger als bei den legalen Drogen Nikotin und Alkohol liegt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat seine Einstellung zur Cannabis-Freigabe im Lauf der Zeit geändert: „Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt“, sagte er laut „Rheinischer Post“ im Jahr 2021. Ein Argument habe ihn überzeugt: „Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßencannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben.“ In einem Cannabis-Club hingegen kann die Qualität des Rauschmittels geprüft werden. Die Konsumenten werden dadurch besser vor Risiken geschützt. Solche Risiken bestehen beim Kauf des Cannabis auf dem Schwarzmarkt naturgemäß, denn dort wird auch verunreinigtes Cannabis angeboten und das gefährdet die Gesundheit massiv. Ein weiteres Argument: In den Cannabis-Clubs geraten die Konsumenten nicht mit kriminellen Dealern und harten Drogen in Berührung. Eine Legalisierung von Cannabis würde also auch dazu beitragen, die Kriminalität im Zusammenhang mit dem Drogenhandel zu reduzieren.

Cannabiskonsum kann die Gesundheit schädigen

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Negative Folgen der Legalisierung befürchtet

Der Cannabiskonsum ist auch unter jungen Erwachsenen weit verbreitet. Im Jahr 2019 gaben 46,4 Prozent der 18- bis 25-Jährigen bei einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) an, mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Mit einer Legalisierung von Cannabis könnten eine Reihe von Problemen auf die Gesellschaft zukommen. Zwar würde, wie bei jeder Legalisierung einer Straftat, die statistisch erfasste Kriminalität sinken. Gleichzeitig könnten aber mehr Menschen zu dieser Droge greifen und abhängig werden. Dadurch müssten dann mehr Menschen medizinisch behandelt werden und es gäbe mehr Verkehrsunfälle unter Cannabiseinfluss. Zudem wird in der Debatte oft übersehen, dass heutige Cannabisprodukte durch effizientere Anbaumethoden einen hohen THC-Gehalt von bis zu 30 Prozent aufweisen. In den 1960er-Jahren lag der THC-Anteil, der für den berauschenden Effekt beim Cannabiskonsum sorgt, nur bei einem Prozent. Drogenexperten warnen deshalb davor, die Gefahren von Cannabis zu unterschätzen. Die bislang größte Langzeitstudie eines internationalen Forschungsteams hat gezeigt, dass der Konsum von Cannabis die Hirnstruktur und damit auch das Verhalten verändert. Die betroffenen Jugendlichen waren impulsiver und konnten sich schlechter konzentrieren. Andere Studien ergaben ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko und auch Suchtexperten warnen vor den Cannabis-Wirkstoffen. Durch den Konsum könnten geistige Abwesenheit, Depressionen oder sogar Psychosen entstehen.

Aufklärungskampagne des Gesundheitsministeriums

Parallel zum Gesetzgebungsverfahren hat das Bundesgesundheitsministerium die Präventionskampagne „Legal... aber“ gestartet. Die Kampagne weist auf die Risiken des Cannabiskonsums für Kinder und Jugendliche hin. Sie wird über die Socialmediakanäle des Ministeriums verbreitet. Auf der Website www.infos-cannabis.de kann man sich das gesamte Kampagnenmaterial herunterladen, um es auf seinen eigenen Kanälen weiter zu verbreiten, darunter auch Grafiken zu den zentralen Botschaften der Kampagne: Regelmäßiges Kiffen passt nicht zu einem gesunden Lifestyle von Kindern und Jugendlichen wirkt sich negativ auf die sozialen Kontakte aus. Man riskiert dadurch schlechtere Schul- und Studienabschlüsse. Cannabiskonsum beeinträchtigt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit junger Menschen und kann zu psychischen Problemen und sogar zu Psychosen führen.

WL (Stand: 30.08.2023)

 

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