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Tiertransporter unterwegs

In Deutschland wurden im letzten Jahr allein 60 Millionen Schweine geschlachtet. Wenn man bedenkt, dass jedes Tier in der Regel zwei Mal in seinem Leben transportiert wird - einmal als Ferkel zum Mästen und das zweite Mal zum Schlachten - hat man eine Vorstellung davon, wie viele Lkw mit Tieren über deutsche Straßen rollen. Dabei geht es nicht immer artgerecht zu. Peter Schilling (49) ist bei der Autobahnpolizei Winsen (Luhe) verantwortlich für den Bereich „Tiertransport“. Er überprüft regelmäßig Lkw, die lebende Tiere transportieren.

Die Polizei findet häufig erhebliche Mängel

Oft haben Ferkel beim Transport im Lkw zu wenig Platz, so dass sie sich verletzen

© PK BAP Winsen (Luhe) ESD

 

In Deutschland wurden im letzten Jahr allein 60 Millionen Schweine geschlachtet. Wenn man bedenkt, dass jedes Tier in der Regel zwei Mal in seinem Leben transportiert wird - einmal als Ferkel zum Mästen und das zweite Mal zum Schlachten - hat man eine Vorstellung davon, wie viele Lkw mit Tieren über deutsche Straßen rollen. Dabei geht es nicht immer artgerecht zu. Peter Schilling (49) ist bei der Autobahnpolizei Winsen (Luhe) verantwortlich für den Bereich „Tiertransport“. Er überprüft regelmäßig Lkw, die lebende Tiere transportieren.

Herr Schilling, was ist ein illegaler Tiertransport?

Unter dem Begriff „illegaler Tiertransport“ verstehe ich, wenn Tiere in einem Fahrzeug transportiert werden, dass keine Zulassung dafür hat und nicht entsprechend ausgerüstet ist. Das kommt aber selten vor. Unser größtes Problem sind die zugelassenen Transporte, die erhebliche Mängel aufweisen.

Welche Mängel sind das?

Das sind in erster Linie die typischen Verstöße für Lkw. Wir entdecken technische Mängel, eine gewichtsmäßige Überladung oder eine Überschreitung der zulässigen Abmessungen. Genauso kommt es zu Lenkzeitverstößen und Fehlern in den Transportpapieren. Also eine große Bandbreite.

Welche tierschutzrechtlichen Verstöße finden Sie vor?

Oft wird der vorgeschriebene Raumbedarf unterschritten. Das ist eine bestimmte Fläche, die dem Tier nach dem Gesetz zur Verfügung stehen muss. Bei zweistöckigen Rindertransporten wird häufig die Mindesthöhe nicht eingehalten. Auch gegen die zulässige Gruppengröße wird oft verstoßen.

Ein weiteres Vergehen ist die mangelnde Hygiene auf den Lkw-Ladeflächen. Da fehlt dann das entsprechende Einstreu und Fäkalien treten aus dem Lkw. Leider sehen wir auch immer mal wieder gesundheitlich angeschlagene und verletzte Tiere.

Polizeibeamter Peter Schilling (49) von der Autobahnpolizei Winsen (Luhe) 

© PK BAP Winsen (Luhe) ESD

Wie läuft eine typische Fahrzeugkontrolle ab?

Lkw-Kontrollen werden im Rahmen des normalen Dienstes vorgenommen, wenn nicht gerade eine spezielle große Lkw-Kontrolle ansteht. Das heißt: Das Fahrzeug wird aus dem fließenden Verkehr angehalten und es werden zunächst die Unterlagen geprüft. Bei einem nationalen Transport muss der Fahrer neben den Zulassungen auch ein Transport- und Desinfektionsbuch (international: eine „TRACES“-Bescheinigung) mitführen. Dort ist eingetragen, wann und wo er die Tiere geladen hat, wie viele es sind und wohin sie transportiert werden sollen. Anhand dieser Eintragungen kann ich schon überschlägig einschätzen, inwieweit er die Vorschriften einhält und wo etwas nicht passen kann. Dann schaue ich durch die Öffnungen an den Seiten auf die Ladefläche, um mir einen Überblick über die Gesundheit der Tiere, die Enge und die hygienischen Zustände zu verschaffen.

 

Was geschieht, wenn Sie tierrechtliche Verstöße vorfinden?

Dafür arbeiten wir eng mit dem örtlichen Veterinäramt zusammen. Wenn wir entdecken, dass hygienische Maßnahmen nicht eingehalten wurden, oder ein Tier verletzt oder krank wirkt, rufen wir das Veterinäramt an. Ein Veterinär begutachtet dann die Tiere. Die Entscheidung ob die Tiere weitertransportiert werden können oder nicht, liegt dann bei ihm. Wenn beispielsweise zu viele Tiere auf zu engem Raum transportiert wurden, muss abgeladen werden. Das kann sich recht schwierig gestalten, denn ich kann sie nicht einfach zwangsweise in einem fremden Stall mit anderen Tieren unterbringen. Oft muss dann erst ein zweiter Lkw der Firma kommen, um die Tiere umzuladen.

Ein doppelstöckiger Rindertransporter

© PK BAP Winsen (Luhe) ESD

Wie oft finden Sie Mängel?

Grob geschätzt sind 60 Prozent der Lkw auffällig. Aber es ist in den letzten Jahren besser geworden. Vor zehn Jahren waren noch erheblich mehr Tiere in den Fahrzeugen. Wir arbeiten in unseren Seminaren eng mit Tierschutzorganisationen zusammen, um zu erfahren, welche Eindrücke sie sammeln.

Mir ist wichtig, dass man das Thema ganzheitlich betrachtet. Wenn jeder sein Fleisch so günstig wie möglich kaufen möchte, dann muss er sich nicht wundern, wenn schlechte Transportbedingungen für die Tiere vorherrschen. Außerdem führt der Preisdruck dazu, dass immer kleinere Schlachtbetriebe geschlossen werden und die Tiere müssen auf dem Weg zur Schlachtung durch halb Deutschland fahren. Es wird heute alles über Masse abgewickelt; da sind die Verstöße vorgeplant. Aber jeder einzelne Verbraucher hat es in der Hand.

Gesetzliche Regelungen

Lkw, die durch Deutschland Lebendvieh transportieren wollen, müssen die Bestimmungen der EU-Verordnung (EG) Nr. 1/2005 und der Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) einhalten. Darin ist unter anderem festgelegt, dass man eine Zulassung braucht, welche Dokumente mitzuführen sind, welche Tierart wie viel Platz benötigt und wie die Tiere behandelt werden müssen.

Kann die Polizei etwas bewirken, sind Sie zuversichtlich, dass Sie mit Ihrer Arbeit etwas bewirken?

Wir werden weiter Kontrollen durchführen und uns bemühen, eine Änderung herbeizuführen. Auf Seminaren versuche ich außerdem die Kollegen für das Thema zu sensibilisieren. Und ja, ich bin zuversichtlich, denn wir stellen immer wieder fest, dass Kontrollen zu Verbesserungen führen. Gerade große Überprüfungs-Aktionen wirken nachhaltig und sprechen sich unter den Transporteuren rum.

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