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Autonomes Fahren

Noch ist es eine Zukunftsvision. Doch vielleicht wird uns unser Auto eines Tages vollkommen automatisch zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Urlaub fahren können. Bereits heute gibt es viele teilautomatisierte Funktionen, die das Fahren sicherer und komfortabler machen sollen. Sie schützen uns vor Gefahrensituationen oder helfen beim Einparken. Aber wer haftet, wenn trotz Fahrassistent ein Unfall passiert? Wie zuverlässig ist die Technik? Werden autonome Fahrzeuge den Verkehr entlasten?

Matthias Knobloch

Leiter Verkehrspolitik beim ACE, © ACE Auto Club Europa e. V.

Kein Stau mehr im Stadtverkehr?

Eine wesentlich komplexere Aufgabe ist die Entwicklung eines Fahrzeugs, das die vollständige Kontrolle über das Gefährt übernimmt und dem Fahrer während der Fahrt erlaubt, sich nicht mehr auf den Verkehr zu konzentrieren. Das Fahrzeug muss selbstständig bremsen und überholen sowie schwierige Situationen korrekt einschätzen können. Die Automobilbranche arbeitet bereits fieberhaft an der Automatisierung neuer Fahrzeuge. In Göteborg testet Volvo mit seinem Programm „Drive Me“ selbstfahrende Fahrzeuge unter Alltagsbedingungen auf typischen Pendlerstrecken. Solche Systeme sind allerdings noch lange nicht marktfähig. „Auf deutschen Autobahnen wird das autonome Fahren relativ einfach umzusetzen sein. Im Stadtverkehr jedoch ist es wesentlich schwieriger, da gerade bei uns in Deutschland häufig enge Straßen mit viel Fahrrad- und Fußgängerverkehr die Technologie besonders herausfordern“, erläutert Knobloch. Fraglich bleibt außerdem, ob das Autonome Fahren tatsächlich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgt. Da Menschen unter Stress häufig unüberlegt handeln, könnte das Automatisierte Fahren den Verkehr zwar grundsätzlich sicherer machen. Knobloch ist aber skeptisch, dass sich durch die neue Technologie auch etwas am Nutzungsverhalten der Menschen ändern würde: „Die Hersteller suggerieren oft, es gebe mit dieser Technologie künftig keine Probleme mehr im Stadtverkehr. Wenn aber autonome Fahrzeuge so genutzt werden wie heute das Privatfahrzeug, dann könnte plötzlich doppelt so viel Verkehr in den Städten aufkommen.“ Außerdem wird es auch weiter diejenigen Autofahrer geben, die lieber mit ihrem Sportwagen richtig Gas geben wollen. So können trotz der Technologie gefährliche Situationen entstehen. Zudem müsste erst ein Rechtsrahmen für die neuen Fahrzeuge gestrickt werden. Dabei treten viele Fragen zur Zuverlässigkeit der Technik auf. „Ein Assistenzsystem unterstützt den Fahrer lediglich, sodass bei einem Unfall immer noch der Fahrer haftet. Wenn ein Automobilhersteller jedoch ein komplett autonomes Fahrzeug anbietet, sollte im Falle eines technischen Fehlers der Hersteller in der Haftung sein“, ist Knobloch überzeugt.

Ein kritischer Moment

Der aktuelle Stand der Technik ersetzt zwar noch lange nicht den Fahrer, zeigt aber bereits die enormen Potenziale. Kameras am Auto prüfen Abstände und Fahrbahnmarkierungen, ein Radarsystem kann von hinten auftauchende Fahrzeuge erkennen, Sensoren warnen vor besonderen Gefahren auf der Straße und ein spezieller Laser kann zwischen Objekten unterscheiden, die sich vor dem Auto befinden. Die modernen Fahrassistenten erleichtern das Fahren und sorgen für erhöhte Sicherheit, stellen aber auch hohe Anforderungen an rechtliche Regelungen. Etwa wenn das System wieder umschaltet und der Fahrer übernehmen muss. Dann ist blitzschnelles Reagieren gefordert. Hier ist laut Knobloch noch längst nicht jede Rechtsfrage geklärt: „Gerade beim Wechsel vom automatischen Fahren zur Übernahme der Kontrolle durch den Fahrer muss sich dieser erstmal orientieren. In einem solchen Moment ist die Frage, wer bei einem Unfall haften muss, tatsächlich relevant.“

AL (31.03.2017)

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